1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Trump: "Goldenes Zeitalter" und sinkende Umfragewerte

25. Februar 2026

Den USA gehe es besser, sie seien stärker und mächtiger als je zuvor, so der US-Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation. Das Land stehe vor einem "goldenen Zeitalter" - nur kommt das bei den Bürgern kaum an.

USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump hält die State of the Union-Rede vor dem Kongress
Versprach den USA ein "goldenes Zeitalter": Donald Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-KongressBild: Kenny Holston/The New York Times/REUTERS

Nein, so richtig rund lief es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht für Donald Trump. Da sind zum einen die rücksichtslosen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten und Einwanderer, die viele US-Amerikaner verschreckt haben. Da ist zum zweiten der lange Schatten des Jeffrey Epstein und das monatelange Gezerre um die Veröffentlichung seiner Akten, das drohte, die MAGA-Bewegung zu spalten. Da ist zum dritten der Urteilsspruch des Obersten Gerichtshofes, der in der vergangenen Woche Trumps weltweite Strafzölle als verfassungswidrig einkassiert hatte.

Und da sind dann auch noch die dramatisch gesunkenen Umfragewerte. Mehrere nationale Erhebungen zeigen, dass die Zustimmung für Donald Trump so schlecht ist wie seit dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 nicht mehr. Vor allem junge US-Amerikaner kehren dem republikanischen Präsidenten in Scharen den Rücken.

Trump prognostiziert "goldenes Zeitalter"

Doch Trump ließ sich davon nicht irritieren. "Unsere Nation ist zurück: größer, besser, reicher und stärker als jemals zuvor", erklärte er in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress. Überhaupt sparte der Präsident nicht an Superlativen. Die Inflation? "Stürzt ab." Die US-Wirtschaft? "Boomt wie nie zuvor." Die Grenze zu Mexiko? "Ist die stärkste und sicherste in der Geschichte Amerikas." Amerikas Feinde seien "in Angst", Militär und Polizei in den USA personell hervorragend aufgestellt und die USA würden "wieder respektiert - vielleicht so wie noch nie."

Den US-Amerikanern versprach Trump "ein goldenes Zeitalter". Einen Superlativ stellte jedenfalls Trumps Rede dar: Mit einer Stunde und 47 Minuten hielt er die offiziell längste jemals gemessene State of the Union Address der US-Geschichte.

Anhänger der US-Demokraten protestierten während der Trump-Rede auf Washingtons National MallBild: Ken Cedeno/AFP

"Im Ton und in der Inszenierung unterschied sich die Rede nicht wesentlich von anderen Auftritten Donald Trumps", sagt Stormy-Annika Mildner, Expertin für transatlantische Beziehungen. "Trotz der jüngsten Entwicklungen wie dem Urteil des Supreme Courts zu Zöllen zeigte sich Trump wie gewohnt kämpferisch. Die Themen, bei denen er unter Druck steht - gerade das Thema wirtschaftliche Lage -, griff er auf, stellte sie aber als Erfolge dar." Alles in allem also "ein typischer Trump", so die Leiterin des Berliner Aspen-Instituts gegenüber der DW.

Der goldene Anstrich blättert

Ob das Bild, das Donald Trump von den USA zeichnet, ausreichen wird, die Stimmung im Land zu drehen? Einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Pew Research Centers zufolge stehen mittlerweile fast zwei Drittel der US-Amerikaner der Politik der US-Administration kritisch gegenüber. Nur noch 37 Prozent finden diese gut. "Die Umfragewerte sind deutlich negativ", so Mildner. "Das liegt vor allem daran, dass viele Amerikaner in ihrem Alltag keine Verbesserung spüren - im Gegenteil: Hohe Lebensmittelpreise, hohe Wohnkosten und teurer Kraftstoff belasten weiterhin. Entsprechend groß ist die Unzufriedenheit."

Einen großen Schwerpunkt legte Trump auch auf seine Einwanderungspolitik. Der Ton war dabei gewohnt scharf: Seine Regierung "habe Amerika wieder zu einer Festung gemacht" und lasse es "nicht zu, dass unsere Städte zu Zufluchtsorten für Kriminelle werden"; er sprach von "somalischen Piraten" in Minnesota und davon, dass Korruption und Kriminalität von Einwanderern in die USA "importiert" worden seien.

Könnte für Trump noch kritisch werden: Die teils tödlichen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE haben viele US-Amerikaner zum Protest auf die Straßen getriebenBild: Christian Zander/NurPhoto/picture alliance

"Ein erheblicher Teil seiner Aussagen ist faktisch nicht haltbar", gibt Stormy-Annika Mildner zu bedenken. "Wie gewohnt arbeitete er mit stark zugespitzten, teils düsteren Bildern, etwa im Zusammenhang mit illegaler Einwanderung, um dann seine Politik als 'Golden Age' darzustellen." Spannend sei aber gewesen, "dass er ICE nicht ausdrücklich thematisierte - wohl wissend, wie kontrovers dieses Thema ist." Die jüngsten Umfragewerte zeigten zwar "eine breite Unterstützung für strengere Einwanderungsregeln in der amerikanischen Bevölkerung, jedoch nicht uneingeschränkt für die konkrete Praxis der Behörde", so Mildner.

Außenpolitik? Spielt kaum eine Rolle

Alles in allem war es eine Rede, in der sich Trump vor allem mit der US-amerikanischen Innenpolitik beschäftigte - und natürlich mit sich selbst. Wirtschaft und Einwanderung waren die alles beherrschenden Themen - auf Themen außerhalb Amerikas kam der US-Präsident überhaupt erst nach mehr als einer Stunde zu sprechen.

Dass die Rede zeitlich exakt auf den vierten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine fiel, spielte für Trump keine große Rolle. "Das Thema Ukraine streifte er nur am Rande, ebenso den Iran. Außenpolitik stand insgesamt nicht im Zentrum der Rede", konstatiert USA-Expertin Mildner. "Innenpolitische Fragen dominierten klar - was mit Blick auf die Zwischenwahlen wenig überrascht, da sie das größere Mobilisierungspotenzial besitzen."

Die Lebenshaltungskosten sind in den USA noch immer hoch - das dürfte viele Wähler bei den Zwischenwahlen im November beeinflussenBild: Zhang Fengguo/Xinhua/IMAGO

Der Midterm-Wahlkampf hat begonnen

Überhaupt sehen viele Analysten Trumps Rede als eine Art Wahlkampfauftakt für die Zwischenwahlen im November. Den derzeitigen Umfragewerten zufolge muss der US-Präsident befürchten, mindestens in einer Kammer des Kongresses seine republikanische Mehrheit zu verlieren. Auch deshalb schaltet Donald Trump weiter auf Attacke. "Mit dem Beginn der Vorwahlen hat der Wahlkampf faktisch bereits eingesetzt. Viele Abgeordnete agieren entsprechend, auch wenn bis November noch einige Monate verbleiben", erklärt Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institute. 

Donald Trump wird diese Zeit nutzen müssen, um dafür zu sorgen, dass es in den USA wirtschaftlich weiter aufwärts geht. Denn, so Mildner: "Für viele Wählerinnen und Wähler ist letztlich entscheidend, wie viel im eigenen Portemonnaie ist. Die wirtschaftliche Lage dürfte auch diesmal wahlentscheidend sein, zusammen mit den Themen innere Sicherheit, illegale Einwanderung und Kriminalität."

Thomas Latschan Langjähriger Autor und Redakteur für Themen internationaler Politik
Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen

Mehr zum Thema

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen