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HandelGlobal

Trumps Seeblockade erhöht Druck auf Teheran

Nik Martin
Veröffentlicht 14. April 2026Zuletzt aktualisiert 14. April 2026

Die US-Seeblockade soll den Großteil der iranischen Ölexporte unterbinden und so Irans wichtigste Einnahmequelle austrocknen. Wird Trumps Druck Teheran zu Verhandlungen zwingen oder den Konflikt nur noch verschärfen?

Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower von einem Schiff des Kampfgeschwader aus fotografiert. Im Vordergrund ein Marinesoldat mit Fernglas an einem Maschinengewehr.
Geballte Seemacht: Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower - hier noch im Roten MeerBild: Ruskin Naval/U.S. Navy/AP Photo/picture alliance

Nach dem Scheitern der Friedensgespräche am Wochenende erklärte US-Präsident Donald Trump, die US-Marine werde Schiffe aufhalten, die über die Straße von Hormus in iranische Häfen oder Küstenanlagen ein- oder auslaufen. Bis zum Kriegsbeginn Ende Februar war ein Fünftel des weltweiten Seehandels mit Öl durch die Straße von Hormus, die schmale Wasserstraße zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean, transportiert worden.

Sollte die Blockade erfolgreich sein, würde sie Irans wichtigste Einnahmequelle austrocknen, indem sie den täglichen Ölexport von fast zwei Millionen Barrel stoppt. Trump möchte damit Teheran zurück an den Verhandlungstisch zwingen. US-Beamte erklärten, man wolle Iran den Einfluss nehmen, den es durch die Kontrolle der Wasserstraße gewonnen habe. Teheran hatte die Straße mit Kriegsbeginn faktisch blockiert und damit Hunderte von Öl- und Gastankern eingeschlossen.

Trump begründete die Blockade laut Berichten damit, dass Teheran daran gehindert werden solle, bis zu zwei Millionen US-Dollar (1,71 Millionen Euro) pro Schiff für die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu kassieren.

"Niemand, der eine illegale Gebühr zahlt, wird auf hoher See sicher passieren können", schrieb Trump am Sonntag auf Truth Social und fügte hinzu, die US-Marine werde auch "mit der Zerstörung der von den Iranern in der Straße von Hormus gelegten Minen beginnen". Das US Central Command (CENTCOM), das die Streitkräfte Washingtons lenkt, erklärte, die Blockade betreffe keine Schiffe, die Häfen außerhalb des Irans anlaufen - wie etwa Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Wie wird die Blockade durchgesetzt?

Die Operation, die am Montag begann, wurde mit einer Bekanntmachung an die Schifffahrt angekündigt. CENTCOM erklärte, die Blockade werde "im Golf von Oman und im Arabischen Meer östlich der Straße von Hormus durchgesetzt" und umfasse "die gesamte iranische Küste … nicht nur Häfen und Ölterminals". In der Mitteilung hieß es weiter: "Jedes Schiff, das ohne Genehmigung in das Blockadegebiet ein- oder ausfährt, kann abgefangen, umgeleitet und aufgebracht werden.“

Experten für Seerecht erklärten, die Durchsetzung der Blockade basiere auf Standardverfahren der Marine, dem sogenannten Besuchs- und Durchsuchungsrecht. Dabei halten US-Kriegsschiffe Tanker an, inspizieren sie und können sie umleiten, wenn der Verdacht besteht, dass sie iranisches Öl transportieren. Obwohl die Anwendung des Besuchs- und Durchsuchungsrechts in der Seekriegsführung bereits üblich ist, warnen mehrere Experten, die Blockade berge das Risiko, in nach Seerecht umstrittenes Gebiet einzudringen, neutrale Schiffe zu beeinträchtigen und eine wichtige internationale Meerenge langfristig zu stören.

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Innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Blockade zeigten Schifffahrtsdaten, dass der mittlerweile ohnehin geringe Tankerverkehr durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen war. Mindestens zwei Tanker wurden nach dem Versuch, die Wasserstraße zu durchqueren, zurückgeschickt.

Trump warnte den Iran vor Vergeltungsmaßnahmen und betonte, dass die wenigen verbliebenen Schnellboote des Landes "eliminiert" würden, sollten sie sich der Blockade nähern.

Wie schnell könnte die Blockade wirken?

Eine US-Blockade könnte die Fähigkeit des Irans, Rohöl von seinem wichtigsten Exportterminal, der Insel Charg im Persischen Golf, zu verladen und zu versenden, erheblich einschränken. Über dieses Terminal werden mehr als 90 Prozent der iranischen Öllieferungen abgewickelt. Trotz internationaler Sanktionen im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm exportiert der Iran weiterhin Öl. Dabei greift er auf eine Schattenflotte veralteter Tanker zurück und nutzt Schiff-zu-Schiff-Umladungen vor Malaysia sowie andere Umgehungstaktiken.

Die USA hatten dem Iran im Zuge des andauernden Konflikts eine befristete Genehmigung zum Ölexport erteilt, um die Märkte zu stabilisieren. Die neue Seeblockade macht diese Verladungen nun deutlich riskanter und unwahrscheinlicher, da die Betreiber mit Eingabe, Umleitung oder Beschlagnahme rechnen müssen.

Laut Capital Economics, einem in London ansässigen Unternehmen, hatten die iranischen Ölexporte im vergangenen Jahr ein Volumen von rund 45 Milliarden US-Dollar, was 13 Prozent des BIP entspricht. Da es keine Landpipelines zur Umleitung von Rohöllieferungen gibt, bleiben dem Iran nur wenige andere Exportmöglichkeiten abseits des Seewegs. Selbst das Exportterminal Jask am Golf von Oman könnte noch immer von der US-Marine durchsucht werden. Anhaltender Druck der USA könnte Teheran angesichts der wegbrechenden Einnahmen zu einer raschen Rückkehr an den Verhandlungstisch bringen.

Führt die Blockade zur Eskalation?

Trumps Blockadedrohung rief Vergeltungsdrohungen der iranischen Revolution hervor. Diese erklärten, dass bei Einschränkungen iranischer Häfen "kein Hafen im Persischen Golf und im Golf von Oman mehr sicher sein wird", was Befürchtungen vor Angriffen auf Energie- oder Schifffahrtsinfrastruktur in den Nachbarländern am Golf schürte. Ebrahim Rezaei, Sprecher des Nationalen Sicherheitsausschusses des iranischen Parlaments, warnte ebenfalls, Teheran sei nicht zu einer militärischen Reaktion bereit.

"Das wird die aktuelle Situation, in der sich [Trump] befindet, verkomplizieren und den Markt - über den er verärgert ist - noch turbulenter machen", schrieb Rezaei auf X. "Und wir könnten auch noch andere Karten ausspielen, die wir bisher noch nicht aufgedeckt haben." Mehrere US-Experten haben Trumps Vorgehen in Frage gestellt und befürchtet, er könnte die USA in ein unbefristetes militärisches Engagement hineinziehen: "Trump will eine schnelle Lösung. Fakt ist jedoch, dass diese Mission allein schwer zu bewältigen und mittel- bis langfristig wahrscheinlich nicht durchzuhalten ist", sagte Dana Stroul, ehemalige hochrangige Pentagon-Beamtin unter der Biden-Administration, der Nachrichtenagentur Reuters.

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Neil Shearing, Chefökonom der Capital Economics Group, schrieb: Die Blockade "könnte auch dazu dienen, Peking unter Druck zu setzen, eine aktivere Rolle bei der Vermittlung eines Waffenstillstands und der Wiederaufnahme des vollständigen Handelsverkehrs durch die Straße von Hormus zu übernehmen".

Neben dem Iran würde China wirtschaftlich am meisten unter einer Blockade leiden, da es in den letzten Jahren 80 bis 90 Prozent der iranischen Rohölexporte auf dem Seeweg aufgekauft hat. Shearing fragte sich außerdem, ob die US-Marine Schiffe von Verbündeten beschlagnahmen würden, die Zölle an Teheran entrichtet hätten, oder chinesische Schiffe in der Straße von Hormus, da beides eine "erhebliche Eskalation" darstellen würde.

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

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