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PolitikChina

Trumps Druck auf Iran: Drei Länder, drei Reaktionen

5. September 2026

Neue Sanktionsdrohungen der USA gegen den Iran stellen dessen Handelspartner vor unterschiedliche Herausforderungen. China widersteht dem Druck, Indien balanciert und die Emirate gehen auf Distanz.

Druck gegen den Iran und seine Partner: US-Finanzminister Scott Bessent
Druck gegen den Iran und seine Partner: US-Finanzminister Scott BessentBild: Kyodo/picture alliance

US-Finanzminister Scott Bessent zeigt sich entschlossen. Er werde die Regierung des Iran ökonomisch "würgen", erklärte er Medienberichten zufolge Anfang der Woche - und zwar so lange, bis sie einem Friedensabkommen mit US-Präsident Donald Trump zustimme. Er arbeite daran, Offshore-Bankkonten und Luxusimmobilien zu beschlagnahmen, die sich im Besitz der berüchtigten Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) Teherans befänden, erklärte er im Vorfeld des Treffens der G20-Finanzminister in Asheville.

Bereits Ende August hatte die US-Regierung die "Operation Economic Outcast" gestartet. Rund 60 Personen, Unternehmen und Schiffe wurden mit Sanktionen belegt; zugleich droht Washington ausländischen Unternehmen und Finanzinstituten mit sogenannten Sekundärsanktionen, wenn sie den Iran wirtschaftlich unterstützen.

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Ein erster konkreter Schritt folgte Ende August: Das US-Finanzministerium schlug vor, dem Finanzinstitut Banque Misr UAE den Zugang zu US-Korrespondenzbanken zu entziehen. Washington wirft dem Institut aus den Emiraten vor, zwischen 2024 und 2026 Transaktionen von rund 1,8 Milliarden Dollar für Unternehmen abgewickelt zu haben, die mit Irans Schattenbankensystem in Verbindung stehen sollen. Noch ist dies ein Vorschlag, kein vollzogener Ausschluss.

Wie stark der Druck der USA im Konflikt mit dem Iran wirkt, hängt nicht allein von der Härte der Drohungen ab, sondern von den jeweiligen Abhängigkeiten. China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate illustrieren drei unterschiedliche Reaktionstypen: China widersteht dem Druck, Indien balanciert zwischen dem Iran und den USA, die VAE gehen deutlich stärker auf Distanz.

China: Widerstand und kalkulierte Stärke

China ist Irans wichtigster Ölabnehmer. 2025 importierte es durchschnittlich rund 1,4 Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag. Zuletzt gingen die Lieferungen stark zurück: von 785.000 Barrel täglich im Juni und 823.000 im Juli auf vorläufig 534.000 im August. Der Rückgang ist allerdings nicht allein ein Erfolg der US-Sanktionspolitik; eine wesentliche Rolle spielt die erneute US-Blockade iranischer Schiffe und Häfen. Chinesische unabhängige Raffinerien, sogenannte Teapots, kaufen weiterhin iranisches Öl, häufig über Zwischenhändler und alternative Zahlungswege.

Peking weist amerikanische Sanktionen als einseitige und extraterritoriale Maßnahmen zurück. Für die Sinologin Marina Rudyak von der Universität Heidelberg ist entscheidend, wie ernst Washington seine Drohungen tatsächlich umsetzt. "China muss also eigentlich nicht wirklich reagieren, solange die USA nicht ernst machen", sagt sie. Die aktuelle Konfrontation sei "im Moment" vor allem ein "rhetorisches Spiel". Erst wenn auch wichtige europäische oder andere Märkte chinesischen Unternehmen den Zugang erschwerten, könnte sich die Kosten-Nutzen-Rechnung ändern.

China verfügt zugleich über eigene wirtschaftliche Hebel und könnte mit Gegenmaßnahmen reagieren. Rudyak verweist auf die Grenzen der bisherigen amerikanischen Strategie: "Denn alle Bedrohungen gegenüber China sind bisher verpufft." Für Washington stellt sich damit die Frage, wie weit es den Druck erhöhen kann, ohne die Konfrontation mit China selbst zu verschärfen.

China erwahrt sich gegen Sanktionsdrohungen der USA. Im Bild: Außenamtssprecher Lin Jian, August 2026Bild: Johannes Neudecker/dpa/picture alliance

Indien: Strategische Balance

Indien verfolgt einen vorsichtigeren Kurs. Der Handel mit Iran ist von rund 17 Milliarden Dollar 2018/19 auf etwa 1,63 Milliarden Dollar 2025/26 gefallen. Strategisch bleibt der Iran dennoch wichtig - vor allem wegen des iranischen Hafens Chabahar am Golf von Oman, über den Indien Afghanistan und Zentralasien erreichen kann, sowie wegen des geplanten International North-South Transport Corridor. Auch die Straße von Hormus und die Zusammenarbeit in BRICS und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit spielen eine Rolle.

SchmaIer diplomatischer Pfad: Der indischer Premier Narendra Modi trifft den iranischen Präsidenten Masud Peseschkian beim SCO-Gipfel in Bischkek, 31.8.26Bild: DPR PMO/ANI

Beim Treffen mit Präsident Masud Peseschkian Ende August bekräftigte Premierminister Narendra Modi, Indien wolle die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen und den Handel diversifizieren. Zugleich betonte Neu-Delhi Diplomatie, regionale Stabilität und freie Schifffahrt. Die offizielle Erklärung vermied Formulierungen, die als offene Umgehung amerikanischer Sanktionen verstanden werden könnten. Auch für Chabahar sucht Indien nach einer Lösung, nachdem eine US-Ausnahmegenehmigung ausgelaufen ist.

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Judith Weinberger-Singh, Projektleiterin Indien der Hanns-Seidel-Stiftung, beschreibt diesen Kurs als traditionelle indische "Multi-Alignment"-Politik. "Aus indischer Perspektive erfüllen Iran und die USA unterschiedliche und teilweise nicht ersetzbare Funktionen", sagt sie. Der Iran stehe für den strategischen Zugang nach Zentralasien; die USA spielten eine zentrale Rolle für Indiens Exportwirtschaft, Verteidigung, Hochtechnologie und den Zugang zum Dollar-Finanzsystem. Indien versuche deshalb, "politische Offenheit gegenüber Iran bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Risikobegrenzung gegenüber den USA" zu verbinden.

Damit ist Indiens Spielraum kleiner als der Chinas. Neu-Delhi hält am Iran fest, will aber den Eindruck von Sanktionsumgehung vermeiden. Strategische Autonomie bedeutet hier vor allem, die Beziehungen zu beiden Seiten aufrechtzuerhalten, ohne die wichtigere Partnerschaft mit Washington zu gefährden.

Vereinigte Arabische Emirate: unter doppeltem Druck

Bei den VAE ist die Kosten-Nutzen-Rechnung noch eine andere. Das Land war über Jahrzehnte ein zentraler Umschlagplatz für den Iran-Handel. 2024 bezog Iran Waren im Wert von rund 21 Milliarden Dollar aus den VAE - etwa 30 Prozent seiner Importe. Ein großer Teil lief über Dubai als Re-Export; der direkte Nicht-Öl-Handel lag bei rund 6,6 Milliarden Dollar.

Trotz dieser Verflechtungen kündigten die VAE am 19. August an, den Handel sowie kommerzielle und finanzielle Transaktionen mit dem Iran bis auf Weiteres einzustellen. Dahinter stehen nicht allein die amerikanischen Sanktionsdrohungen. Die VAE reagierten auch auf die verschärfte Sicherheitslage und dem Iran zugeschriebene Raketenangriffe; Teheran bestreitet die Verantwortung für den betreffenden Angriff.

Rauch über einer Erdöl-Anlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach einem Angriff aus dem Iran, März 2026Bild: Altaf Qadri/AP Photo/picture alliance

Die Politikwissenschaftlerin Hana Attia von der Georgetown University in Katar sieht die Emirate deshalb in einer "heiklen Situation": Einerseits seien sie wirtschaftlich eng mit dem Iran verbunden, andererseits sicherheitspolitisch eng an die USA angebunden und auf das internationale Finanzsystem angewiesen. Der Fall Banque Misr UAE erhöhe die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Drohung.

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Gleichzeitig warnt Attia vor einem "völligen Zusammenbruch": Dieser könne iranische Gegenreaktionen provozieren, insbesondere gegen die Schifffahrt. Die VAE seien auf einen ungehinderten Zugang zur Straße von Hormus angewiesen und müssten zwischen wirtschaftlichen Interessen, amerikanischem Druck und der Gefahr iranischer Vergeltung abwägen. Für Attia liegt die größte strategische Herausforderung für die USA letztlich im Umgang mit China. Bei den Emiraten könne Washington erheblichen Druck entfalten; bei China stoße es auf einen wesentlich widerstandsfähigeren Partner.

Hat Trumps Strategie Erfolg?

Die Beispiele zeigen: Die Wirkung von Trumps Sanktionspolitik hängt weniger von der Härte der Drohung als von den jeweiligen Abhängigkeiten ab. China verfügt über die größten wirtschaftlichen Spielräume und kann sich Widerstand leisten. Indien versucht zu balancieren, hält an seinen strategischen Beziehungen zum Iran fest, vermeidet aber eine offene Konfrontation mit den USA. Die VAE passen sich stärker an und reduzieren ihre Iran-Beziehungen unter dem doppelten Druck von US-Sanktionen und unmittelbarer Sicherheitsbedrohung.

Ob Trumps Strategie Erfolg hat, wird davon abhängen, ob Washington seine Drohungen auch gegenüber wichtigen Handelspartnern Irans durchsetzen kann. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob die USA Iran wirtschaftlich unter Druck setzen können - sondern ob sie auch China, Indien und andere Partner dazu bringen, diesen Druck mitzutragen.

Kersten Knipp Politikredakteur mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika
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