Trumps Iran-Strategie: Droht ein Krieg ohne Ende?
2. September 2026
US-Präsident Donald Trump hat ziemlich genau beschrieben, was die neue Phase des Iran-Krieges ausmachen könnte. Die Iraner hätten versucht, ihre Radaranlagen wiederaufzubauen, sagte Trump nach der jüngsten größeren US-Angriffswelle.
Und er fügte hinzu: "Wir warteten, bis sie fast wieder aufgebaut waren, und dann haben wir sie getroffen."
Am Dienstag griffen amerikanische Streitkräfte erneut zahlreiche Ziele im Iran an. Nach Angaben des US-Zentralkommandos CENTCOM wurden unter anderem Radar- und Flugabwehrsysteme, maritime Einrichtungen, Fähigkeiten zum Verlegen von Seeminen und Kommunikationsanlagen zerstört.
"Den Rasen mähen"
Der Iran antwortete mit Raketen und Drohnen gegen US-amerikanische Einrichtungen in der Region. Damit ist eingetreten, was CENTCOM wenige Tage zuvor noch als mögliche Strategie für die nächste Phase des Krieges angedeutet hatte.
Nach Informationen des Nachrichtenportals Axios sollen begrenzte, bei Bedarf wiederkehrende Angriffe verhindern, dass der Iran seine militärischen Fähigkeiten an der Straße von Hormus wiederherstellt.
Ein amerikanischer Regierungsvertreter beschrieb die Idee mit einem Begriff aus der israelischen Sicherheitspolitik: "Den Rasen mähen."
Die Metapher bezeichnet eine Strategie, die gar nicht erst verspricht, einen Gegner endgültig zu besiegen. Es reicht, seine militärischen Fähigkeiten regelmäßig so weit reduzieren, dass die Bedrohung beherrschbar bleibt. Wächst der Rasen nach, wird erneut "gemäht".
Auf die Situation im Iran übertragen, hieße das: Die USA beobachten, welche militärischen Fähigkeiten der Gegner wiederaufbaut und greifen an, wenn eine bestimmte Schwelle überschritten wird.
Erfolge mit Verfallsdatum
In den vergangenen Monaten haben die USA durchaus militärische Erfolge vorzuweisen. Die US-Streitkräfte haben Irans militärische Fähigkeiten an der Straße von Hormus deutlich reduziert und mit der Räumung iranischer Seeminen begonnen.
Dauerhaft sind sind diese Erfolge aber nicht. Teheran repariert oder beschafft neue Radaranlagen, Flugabwehrstellungen und Anti-Schiffs-Raketen.
Die US-Bomben könnten zwar punktuell wichtige Stellungen der Iraner zerstören. Das Wissen und die industrielle Basis iranischer Militärtechnologie jedoch bleibt.
Damit wird der Wiederaufbau verzögert, aber nicht verhindert. Und die USA stehen immer wieder vor derselben Wahl: Nehmen sie hin, dass Teheran Fähigkeiten zurückgewinnt oder greifen sie erneut an und zerstören sie?
Bereits im April warnte die Nahostexpertin Mona Yacoubian vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington vor den Folgen. Die Entwicklung könne zu einem "dauerhaften Konflikt niedriger Intensität, unterbrochen von intensiveren Interventionen" führen, so die Expertin.
Trumps martialische Warnungen
Dass die "Rasenmäher-Strategie" an ihre Grenzen kommt, hängt auch damit zusammen, dass sie nie für einen Krieg mit einem Staat gedacht war. Israel hat die Strategie entwickelt, um nichtstaatliche Akteure wie die Terrorgruppe Hamas zu bekämpfen.
Bei Gegnern mit staatlichen Eigenschaften und mächtigeren Fähigkeiten, so Analystin Yacoubian, könne das "Rasenmähen" zu einer "überholten militärischen Strategie" werden. Das zeigt sich an der Straße von Hormus besonders deutlich.
Die USA müssen die Meerenge zuverlässig offen halten. Iran dagegen muss lediglich glaubhaft machen, dass ihre Passage gefährlich bleibt. Selbst ein militärisch deutlich geschwächter Gegner kann Washington damit erhebliche Kosten auferlegen.
Zudem stehen die USA vor dem Problem, dass Washington zwar die Intensität der eigenen Angriffe bestimmen kann, nicht aber die Reaktion Teherans. US-Präsident Trump warnte Teheran bereits mehrfach mit martialischen Worten vor einem militärischen Vergeltungsschlag.
Trotz der Ankündigungen feuerte das Regime in Teheran umgehend Raketen gegen amerikanische Einrichtungen in der Region ab. Allein Jordanien meldete 13 ballistische Raketen in seinem Luftraum, von denen es zehn abfangen konnte.
Die nukleare Frage
Nahost-Expertin Yacoubian warnt aber vor einem noch viel größeren Risiko regelmäßiger US-amerikanischer Angriffe. Teheran könne dadurch zu dem Schluss kommen, dass eine dauerhafte Abschreckung nur noch "durch das Streben nach einer Atomwaffe" erreicht werden könne.
Damit könnten die USA und Israel genau jene Entwicklung beschleunigen, die sie mit dem Angriff auf den Iran eigentlich unter Kontrolle bringen wollten.
Aus Washingtoner Perspektive sehen die Alternativen für Trump auch nicht viel besser aus. Nimmt der Präsident hin, dass der Iran rund um die Straße von Hormus militärisch wieder stärker wird, riskiert er neue Angriffe auf Schiffe und Störungen auf einer der wichtigsten Energierouten der Welt.
Die Folgen für die Weltwirtschaft sind bekannt. Trotz der Verwerfungen und wiederholter Verhandlungen ist eine politische Einigung zwischen Washington und Teheran bisher an offensichtlich unüberbrückbaren Differenzen gescheitert.
Der nächste "endlose Krieg"?
Die "Rasenmäher-Strategie" dagegen hat für Donald Trump bei allen außenpolitischen Unwägbarkeiten einen innenpolitischen Reiz. Der US-Präsident kommt ohne Besatzung, Nation Building und umfangreiche amerikanische Bodentruppen aus.
Gleichzeitig distanziert er sich damit von den "forever wars", den sogenannten ewigen Kriegen, die er seinen Vorgängern im Weißen Haus immer wieder vorgeworfen hatte.
Am Ende könnte der vermeintliche Ausweg aus dem endlosen Krieg aber selbst zu einem werden. Yacoubian nennt das "Rasenmähen" eine "Sisyphus-Strategie der Abnutzung ohne Ende".
Solange Washington nicht bereit ist, den Wiederaufbau iranischer Fähigkeiten irgendwann hinzunehmen, schafft jeder erfolgreiche Angriff bereits den Anlass für den nächsten.