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Politik

Tsipras: Die Streitigkeiten sind überwunden

10. Januar 2019

Bei ihrem letzten Besuch vor knapp fünf Jahren war Alexis Tsipras noch Angela Merkels Widersacher. Mittlerweile schenkt der griechische Ministerpräsident der deutschen Bundeskanzlerin ein strahlendes Lächeln.

Griechenland, Athen: Staatsbesuch Angela Merkel
Begegnen sich heute als Freunde: Merkel und Tsipras in AthenBild: Reuters/A. Konstantinidis

"Heute kommen Sie in ein völlig anderes Griechenland, das es nach großen Schwierigkeiten geschafft hat, die Krise zu überwinden", sagte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bei der Begrüßung der Bundeskanzlerin. Die früheren Spannungen zwischen Athen und Berlin seien überwunden. "Die Stereotypen des faulen Griechen und des strengen Deutschen sind vorbei", so Tsipras. "Wir gehen in ein neues Zeitalter. Die Kooperation zwischen Berlin und Athen wird von entscheidender Bedeutung in den nächsten Jahren sein."

Merkel lobt griechische Fortschritte

Kanzlerin Angela Merkel würdigte die Anstrengungen des griechischen Volkes, "das durch schwierige Zeiten gegangen ist", um aus der Finanzkrise herauszukommen. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass Griechenland es schaffen werde, sich alleine Geld am Finanzmarkt leihen zu können. Das Vertrauen wachse, zahlreiche deutsche Unternehmen investierten in Griechenland, so Merkel.     

Aufgrund der Schuldenkrise war Griechenland seit 2010 von den Märkten abgeschnitten und wurde mit Milliardenbeiträgen von seinen europäischen Partnern gestützt. Dieses Jahr will das Land fünf bis sieben Milliarden Euro wieder am Anleihenmarkt aufnehmen. Das Euro-Rettungsprogramm hatte Griechenland im August 2018 verlassen. Für Griechenland breche eine neue Ära an, sagte Merkel. Den Reformkurs müsse es aber weiter verfolgen.

Merkel: Griechenland kann nun eine "wichtige Rolle im Südosten Eruopas spielen"Bild: Reuters/C. Baltas

Merkel hatte Griechenland zuletzt 2014 besucht, auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise. Damals befand sich Tsipras noch in der Opposition und hatte wiederholt gegen die Kanzlerin gepoltert, unter anderem mit den Worten "Go back, Mrs. Merkel". Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 2015 jedoch vollzog er eine 180-Grad-Wende und setzte so gut wie alle Sparmaßnahmen und Reformen um, die dem pleitebedrohten Land von den Gläubigern auferlegt worden waren. Seither muss er sich von der Opposition vorwerfen lassen, der Lieblingsschüler von Merkel zu sein.

Polizei geht gegen Demonstranten vor

So willkommen wie bei dem griechischen Präsidenten war die deutsche Bundeskanzlerin nicht überall. In Athen setzte die Polizei Tränengas gegen eine Gruppe von rund 700 linksgerichteten Demonstranten ein. Diese sollten daran gehindert werden, das Regierungsviertel der griechischen Hauptstadt zu erreichen und dort gegen Merkels Besuch zu protestieren. Merkel sei für die harten Sparprogramme verantwortlich, unter denen das griechische Volk leide, skandierten die Demonstranten nach Medienberichten. Die Lage beruhigte sich aber rasch, wie es weiter hieß.

Die Polizei drängte die Demonstranten zurückBild: Reuters/A. Konstantinidis

Bei ihrem Treffen mit Tsipras rief Merkel außerdem zu einer konsequenten Umsetzung des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes auf. Noch seien die Rückführungen aus Griechenland in die Türkei nicht ausreichend. Zudem müsse die Lage in den Flüchtlingslagern im Osten der Ägäis verbessert werden. "Wir werden konstruktiv mit Griechenland zusammenarbeiten, um die Lage zu verbessern", so Merkel.

Tsipras rief die Bürger Europas auf, sich gegen die populistischen Kräfte zu wehren, die die EU in "dunkle Zeiten zurückwerfen" wollten.

Merkel: Löung der Mazedonien-Frage nützt allen

Mit Blick auf den Namensstreit zwischen Griechenland und Mazedonien würdigte Merkel die entschiedene Haltung des griechischen Ministerpräsidenten. Diese nutze ganz Europa, sagte Merkel. Das ermögliche Mazedonien, Mitglied der NATO und der Europäischen Union zu werden.

Skopje und Athen hatten im Juni vereinbart, dass Mazedonien sich in Nord-Mazedonien umbenennt. Griechische Nationalisten betrachten dies als Verrat und lehnen den Namen Mazedonien in jeglicher Form für das Nachbarland ab. Wegen dieses Streits blockiert Griechenland seit Jahrzehnten die Annäherung des Nachbarn an EU und Nato. Dem neuen Staatsnamen müssen die Parlamente in Skopje und Athen noch zustimmen.

rk/uh (dpa, afpd, rtr)

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