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Turkmenen flüchten aus dem Irak

25. März 2003

- Vertreter der turkmenischen Diaspora erwarten keine Hilfe Turkmenistans

Köln, 25.3.2003, DW-radio / Russisch

Die Luftstreitkräfte der Anti-Irak-Koalition haben am Montag (24.3.) ihre Raketen- und Bombenangriffe auf Städte im Norden des Irak fortgesetzt, wo sich kompakte Siedlungen ethnischer Kurden und Turkmenen befinden. Das meldet unser Korrespondent in der Region Oras Saryjew, der sich auf Informationen von Vertretern der turkmenischen Gemeinschaft im Irak beruft. Den Angaben zufolge nimmt der Strom der Flüchtlinge, die den Irak verlassen wollen und Zuflucht in der Türkei und Iran suchen, weiter zu. Nahe der iranischen Stadt Hamadan ist es den iranischen Behörden gelungen, den Flüchtlingen, die in dieser Stadt eingetroffen sind, humanitäre Hilfe zu organisieren. Die Behörden halten die Flüchtlinge aber davon ab, weiter ins Landesinnere vorzudringen. Die Flüchtlinge, die den Iran auf dem Seeweg erreicht haben, werden in den Häfen festgehalten, darunter in Bandar Abbas. Wie unser Korrespondent Oras Saryjew berichtet, teilte der Führer einer der oppositionellen Gruppen der irakischen Turkmenen, Kamil Badschalan, mit, Turkmenistan leiste den Flüchtlingen keine Hilfe und sei darum bemüht, den Anschein zu wahren, dass dieses Problem nicht existiere. In diesem Zusammenhang planen Vertreter der turkmenischen Diaspora in Ankara und in einigen europäischen Städten Aktionen, mit denen die Weltgemeinschaft auf die schwierige Lage der irakischen Flüchtlinge aufmerksam gemacht werden soll.

Über die Probleme der Flüchtlinge und die Position Turkmenistans in dieser Frage berichtet der Vertreter des Internationalen Helsinki-Menschenrechtskomitees, Jusup Kanoni:

Aufgrund von Informationen, die wir von Vertretern der irakischen Diaspora in Deutschland erhalten haben, wissen wir, dass Mosul, Kirkuk und andere Städte in der Nacht von Sonntag auf Montag und am Montagmorgen stark bombardiert wurden. Es gibt viele Opfer. Viele Frauen und Kinder starben. Leider erhalten die Turkmenen im Irak bis heute keine Hilfe aus Turkmenistan. Es gibt aber auch keine Reaktion der turkmenischen Opposition. Sie hat keine Position zu den Ereignissen im Irak bezogen. Um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen, wurde am 23.März in Göteborg unter meinem Vorsitz ein Sondertreffen verschiedener Kreise durchgeführt, die an der Lösung des Problems interessiert sind. Anwesend waren Vertreter der Diaspora aus dem Irak und Iran, aber auch Vertreter aus Turkmenistan. Ziel war es, Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge zu erarbeiten, die sich an der Grenze zum Iran und der Türkei in einer äußerst schwierigen Situation befinden. Wir glauben, dass nach den schweren Bombenangriffen vom Sonntag und Montag massenhaft Flüchtlinge sich in jene Richtung bewegen werden.

Der heute in Norwegen lebende turkmenische Dissident und Historiker, Schurat Kadyrow, der an dem Treffen in Göteborg teilgenommen hatte, erklärte in diesem Zusammenhang folgendes:

Wegen der Ereignisse im Irak hat am Sonntag eine Sitzung der Initiativ-Arbeitsgruppe des Organisationskomitees der internationalen Menschenrechts-Konferenz der Turkmenen stattgefunden. Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Hilfe für die Flüchtlinge aus dem Irak, von denen sich derzeit sehr viele an der Grenze zur Türkei und zum Iran befinden. Ferner wurde ein Aktionsplan erarbeitet. Wir beschlossen, im Mai eine Konferenz in Göteborg einzuberufen und dort das Hauptquartier des ständigen Komitees anzusiedeln, das die Informationen über die dortigen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Krieg überwachen soll. Das Komitee soll die intellektuellen und finanziellen Anstrengungen der turkmenischen Diaspora im Nahen und Mittleren Osten, in den Ländern Europas und der Turkmenen in Turkmenistan koordinieren, mit dem Ziel, Probleme der humanitären Katastrophe aufgrund des Kriegs im Irak zu lösen.

Frage:

Herr Kadyrow, kann man erwarten, dass das offizielle Aschgabad in der Irak-Krise und beim Problem der Flüchtlinge, darunter der turkmenischen, aktiv wird?

Schurat Kadyrow:

Ich denke, Nijasow hat zu den derzeitigen Ereignissen im Irak keine eindeutige Position bezogen. Erst hatte er erklärt, der Krieg könnte sich auf die Lage der turkmenischen Diaspora im Irak positiv auswirken. Nur wenige Tage später reiste er in den Iran, wo er eine völlig entgegengesetzte Position bezog. Dort erklärte er, ein militärisches Vorgehen gegen das Regime von Saddam Hussein im Irak nicht zu unterstützen. Wenn man über die faktische Position spricht, die Nijasow immer zu verdecken versucht, dann kann man davon ausgehen, dass das Regime des Turkmenbaschi jegliche Autonomien oder Föderationen in allen Ländern, die Turkmenistan umgeben, fürchtet, beispielsweise auch einen föderativen Staat in Afghanistan und eine Autonomie für die Turkmenen im Irak. Diese Position hat natürlich zur Folge, dass Turkmenistan selbst den irakischen Turkmenen nicht helfen wird. (...) (MO)

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