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Turkmenische Medien verschweigen Irak-Krieg

27. März 2003

– Bürger des Landes auf Sendungen ausländischer Fernseh- und Radiosender angewiesen

Moskau, 24.3.2003, PRIMA-NEWS, russ.

Die turkmenischen Behörden und Medien haben den Beginn der Kampfhandlungen im Irak mit keinem Wort erwähnt. Am 20. März, als die irakischen Städte erstmals von den USA und Großbritannien mit Raketen und Bomben angegriffen wurden, wurde auf allen drei Kanälen des turkmenischen Fernsehens fröhliche Musik gesendet. Es wurde von den Feiern anlässlich des erstmals in diesem Land begangenen Festes "Bachar bajramy" – Frauen- und Frühlingsfest – berichtet.

Der 20. März, oder der 20. "Nawrus", wie jetzt der dritte Monat im nationalen Kalender Turkmenistans heißt, wurde mit einem Beschluss von Turkmenbaschi zum Frauenfesttag erklärt. Mit diesem Fest wurde der Internationale Frauentag am 8. März ersetzt. Der 20. März ist aber auch der Geburtstag von Gurbansoltan edsche, der Mutter Turkmenbaschis, die den Titel "Heldin Turkmenistans" erhielt. In diesem Jahr wäre diese Frau, die bei dem tragischen Erdbeben in Aschgabad 1948 ums Leben gekommen war, 90 Jahre alt geworden, also ein runder Geburtstag. Das war auch der Grund dafür, dass alle Medien in Turkmenistan sich am 20. März ganz dem Jubiläum vom Gurbansoltan edsche und ihrem Sohn widmeten.

Vom Kriegsbeginn im Irak erfuhren die Menschen in Turkmenistan nur aus dem russischen und türkischen Satellitenfernsehen sowie aus Sendungen des turkmenischen Dienstes von "Radio Liberty", der "Deutschen Welle" und der "BBC". Die Sendungen dieser Radiosender sind in Turkmenistan so beliebt wie die Sendungen von "Voice of America" in der Sowjetunion in der Breschnew-Ära. Beobachter vor Ort sind erstaunt, dass es keine Reaktion des offiziellen Aschgabad auf die Ereignisse um den Irak gibt.

Es geht aber nicht nur um die Tatsache des Kriegsbeginns in jenem Land des Nahen Ostens, sondern auch um etwas anderes. Nach Angaben, die heute vorliegen, leben derzeit im Irak drei bis 3,5 Millionen ethnische Turkmenen, die sich in Gefahr befinden. Weder die turkmenischen Behörden, noch Medien, noch die sogenannte Humanitäre Assoziation der Turkmenen in aller Welt, die eigentlich allen Turkmenen helfen soll, egal wo sie leben, melden sich zu Wort. Experten gehen davon aus, der Grund für die Gleichgültigkeit bezüglich des begonnenen Kriegs gegen das Regime von Saddam Hussein, aber auch für die Gleichgültigkeit bezüglich des Schicksals der Turkmenen im Irak sei die Isolationspolitik von Saparmurat Turkmenbaschi. Dem Oberhaupt des neutralen Turkmenistan war in diesen schwierigen Tagen der Krieg im Irak und das Schicksal der in diesem arabischen Land lebenden turkmenischen Diaspora nicht wichtig. Ihm war es wichtiger, das Volk pompös und ausgiebig den Geburtstag seiner Mutter und das Frühlingsfest "Nawrus" feiern zu lassen. (...) (MO)

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