U-17-WM in Katar: sportliche Chance und Gesundheitsrisiko
10. November 2025
Die U-17-Weltmeisterschaft der Männer ist normalerweise ein Turnier für Talentsucher und Fußballfans, die auf den nächsten Lionel Messi hoffen. Doch die Ausgabe 2025 hat eine besondere Bedeutung: Sie ist das erste Turnier im neuen 48-Nationen-Format, das auch bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko verwendet wird.
Außerdem ist es der Beginn einer neuen Ära - in den nächsten fünf Jahren wird Katar jedes Jahr Gastgeber dieses Turniers sein.
Der frühere Schweizer Nationaltorwart und FIFA-Experte Pascal Zuberbühler nennt das Turnier den "Beginn eines neuen globalen Rhythmus im Fußball" und sagt: "Ich spüre den Puls von etwas ganz Besonderem, das sich entfalten wird."
Auch wenn das etwas übertrieben klingt, ist klar: Der internationale Fußballkalender verändert sich erneut.
Junge Spieler, hohe Belastung
Mit jeder Veränderung kommen auch neue Fragen. In diesem Fall geht es vor allem um die körperliche Belastung der Jugendlichen. Einige von ihnen könnten nun mehrere Jahre hintereinander an Weltmeisterschaften teilnehmen.
"Spieler könnten innerhalb von etwa dreieinhalb Wochen bis zu acht Spiele bestreiten, wenn sie das Finale erreichen - also etwa alle drei bis vier Tage ein Spiel. Das ist selbst für ein einzelnes Turnier eine große Belastung für junge Spieler, besonders wenn es wenig Zeit zur Erholung gibt", erklärt Sean Williams von der Universität Bath in England. Er ist Experte für Verletzungsprävention und Trainingssteuerung bei jungen Sportlern.
Ein weiteres Problem: Die Spieler kommen mit sehr unterschiedlichen Trainingsvoraussetzungen nach Katar. Jugendliche aus Fußballnationen wie Deutschland, England oder Italien haben oft schon viele Spiele und intensives Training hinter sich. Sie werden zwar gut betreut, sind aber möglicherweise schon müde.
Anders sieht es bei Spielern aus kleineren Fußballnationen aus, die durch das neue Format erstmals teilnehmen. "Für sie bedeutet das Turnier eine plötzliche, starke Belastung. Solche schnellen Veränderungen im Trainings- oder Spielpensum gelten als Risiko - besonders für Spieler, die das nicht gewohnt sind", sagt Williams.
Hinzu kommen lange Reisen und das heiße Klima in Katar. Viele Teams haben zudem weniger Erfahrung im Umgang mit solchen Herausforderungen.
"Einige Wachstumszonen im Skelett, besonders im Beckenbereich, sind bei Jugendlichen noch nicht vollständig verknöchert. Bei starker Belastung kann das zu Verletzungen führen", warnt Williams.
Was bedeutet das Turnier für Katar?
Neben dem Sport steht auch die Gastgeberrolle Katars im Fokus. Das Land hat in den letzten Jahren viele große Sportereignisse ausgerichtet - am bekanntesten ist die Fußball-WM 2022. Nun folgen fünf Jahre U-17-WM. Auch Marokko wird in diesem Zeitraum Gastgeber der Frauen-U-17-WM sein.
Kamilla Swart-Arries, Professorin an der Hamad Bin Khalifa Universität in Doha, sieht das Turnier als Teil einer langfristigen Strategie: "Katar will sich als Sportnation von Weltklasse positionieren. Die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036 steht nicht allein. Seit den Asienspielen 2006 baut Katar Schritt für Schritt eine Erfolgsgeschichte auf."
Swart-Arries glaubt nicht, dass Katar mit dem Turnier das Image der WM 2022 verbessern will. Damals gab es viel Kritik - unter anderem wegen der Arbeitsbedingungen für Migranten und der Menschenrechtslage.
Doch sie sagt auch: "Die Kritik hat zu einigen Veränderungen geführt. Und für die jungen Spieler, die jetzt hier sind, wird es eine großartige Erfahrung. Wer mit Vorurteilen kommt, wird seine Meinung vielleicht ändern."
Ein weiteres Zeichen für Katars Strategie ist die Wahl des Austragungsorts: Die Spiele finden größtenteils in der Aspire Academy statt, einer modernen Sportakademie. Nur das Finale wird in einem großen Stadion gespielt.
"Das Turnier ist kleiner, und Aspire passt gut dazu. Katar kann zeigen: Wir können das - und wir lernen aus jedem Event, das wir ausrichten, auch aus der WM 2022", sagt Swart-Arries. "Man bekommt ein Tagesticket, es ist familienfreundlich - auch das ist Teil des Images: Katar als Reiseziel für Familien."
Der Artikel wurde aus dem englischen Original "U-17 World Cup in Qatar: Injury risk and host's legacy" adaptiert.