UEFA bereitet Sturz von FIFA-Präsident Gianni Infantino vor
27. August 2026
Der Streit zwischen Fußball-Weltverband FIFA und dem europäischen Fußballverband UEFA ist einerseits beigelegt, andererseits eskaliert er in bisher nicht gesehenem Ausmaß. Zunächst zog die UEFA ihre Drohung zurück, bei den kommenden FIFA-Turnieren aus Protest nicht teilzunehmen.
Das tat sie, weil sich die FIFA um Präsident Gianni Infantino zuvor dem Druck der Europäer gebeugt hatte und schriftlich garantierte, weder jetzt noch in Zukunft kommerzielle Rechte der FIFA an private Investoren zu verkaufen.
Infantinos Plan mit Trump-naher Investorengruppe
Kurz nach der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hatte Infantino den Mitgliedsverbänden in einem Brief den Plan unterbreitet, Rechte zu veräußern, um damit einen Milliardenerlös zu erzielen. Wer dem Plan zustimmte, sollte anschließend in höherem Maße von Zuschüssen profitieren als diejenigen, die den Plan ablehnten.
Konkret ging es darum, die kommerziellen Rechte der FIFA teilweise in eine neue Gesellschaft auszulagern. Diese Gesellschaft sollte unter anderem Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring, Ticketing und Events der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften verwalten. Als führender Investor war die Investmentfirma Thrive Capital von Joshua Kushner vorgesehen. Kushner ist der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Der Plan löste einen Sturm der Entrüstung und viel Gegenwind für Infantino aus, der daraufhin zurückruderte und behauptete, es sei lediglich ein Vorschlag gewesen. Die UEFA drohte mit einem Boykott aller FIFA-Turniere und forderte eine schriftliche Garantie, dass der Plan nicht umgesetzt werde.
Boykott nur "vorläufig" vom Tisch
Diese liegt nun offenbar vor - daher wird der Boykott europäischer Mannschaften bei FIFA-Wettbewerben der kommenden Saison "vorläufig" ausgesetzt, teilte die UEFA mit. "Diese Position wird fortlaufend überprüft und kann umgehend erneut geändert werden, falls die Umstände dies erforderlich machen."
Rund um die Auslosung zur Champions League in Monaco hatten die 55 nationalen Verbandsbosse um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und das Exekutivkomitee über weitere Schritte im Machtkampf mit Infantino beraten. Dabei sei ihnen mitgeteilt worden, dass die FIFA schriftlich bestätigt habe, dass etwas Vergleichbares wie der Investorenplan von Infantino nie mehr auf den Tisch kommen werde.
Strafanzeige wegen "krimineller Misswirtschaft"
Allerdings reicht der UEFA dieser Teilerfolg offenbar nicht. Sie will, dass Infantino seinen Posten räumt und darüber hinaus die Konsequenzen für sein Handeln trägt - auch strafrechtliche. Deshalb wird eine Strafanzeige gegen den FIFA-Boss "wegen krimineller Misswirtschaft" vorbereitet.
Zudem werde es im Falle einer erneuten Kandidatur Infantinos um die FIFA-Präsidentschaft einen Gegner geben, der sich "Integrität, Rechenschaftspflicht, Entwicklung und einem echten institutionellen Wandel" verpflichtet fühle. Ähnlich hatte sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bereits zu Beginn der Woche geäußert.
Ceferin und dessen Administration seien "einstimmig" beauftragt worden, "alle verfügbaren institutionellen, politischen und rechtlichen Möglichkeiten" auszuschöpfen, hieß es. Das Ziel sei, "grundlegende Reformen durchzusetzen, die Befugnisse des Präsidenten wieder klar zu begrenzen und sicherzustellen, dass die FIFA wieder als Institution geführt wird - und nicht um eine einzelne Person herum".
Er wisse noch nicht, wer ein möglicher Gegenkandidat sein werde, sagte Ceferin kürzlich in einem Podcast, eine eigene Kandidatur für den Posten an der FIFA-Spitze schloss der Slowene aber aus. Er bezweifelte zudem, dass der Katarer Nasser Al-Khelaifi, mächtiger Klubboss von Paris Saint-Germain, antreten werde.
Vieles deutet inzwischen daraufhin, dass Victor Montagliani aus Kanada, Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF), bis zum Ende der Nominierungsfrist am 18. November als Herausforderer ins Rennen gehen könnte, um Infantino zu Fall zu bringen.
Der Artikel wurde zuletzt am 28. August aktualisiert.