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KonflikteUkraine

Aktuell: Neue Luftangriffe auf Kiew

17. Oktober 2022

Attacken mit Drohnen haben die ukrainische Hauptstadt und andere Regionen erschüttert. Ein russischer Jet stürzt im Grenzgebiet in einen Wohnblock. Die Journalistin Marina Owsjannikowa flieht aus Russland. Ein Überblick.

Eine Drohne am Himmel über Kiew - nur Sekunden später wird sie irgendwo in der ukrainischen Hauptstadt einschlagen
Eine Drohne am Himmel über Kiew - nur Sekunden später wird sie irgendwo in der ukrainischen Hauptstadt einschlagen Bild: Efrem Lukatsky/AP/picture alliance

Das Wichtigste in Kürze:

  • Beim Angriff auf Kiew gab es mehrere Opfer
  • Kampfjet setzt bei Absturz im russischen Jejsk Wohnblock in Brand
  • Journalistin Marina Owsjannikowa flieht mit Tochter aus Russland
  • Belarus trifft Vorbereitungen für "Vaterlandsverteidigung"
  • NATO beginnt Atomwaffen-Manöver "Steadfast Noon"

 

Die Hauptstadt Kiew und andere Städte sind ein weiteres Mal mit Drohnen und Raketen angegriffen worden. Nach Angaben der Behörden gab es landesweit sieben Todesopfer, vier davon in der Hauptstadt. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, Wohnhäuser im Innenstadtbezirk Schewtschenkiwskyj seien beschädigt. Nach ukrainischen Angaben gab es allein an diesem Montag bislang Attacken durch 28 Drohnen und drei Raketen. 

Feuerwehrleute im Einsatz an einem durch Drohnenangriffe schwer beschädigten Gebäude in KiewBild: Efrem Lukatsky/AP/picture alliance

Der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, sprach im Kurznachrichtendienst Telegram von Angriffen mit sogenannten Kamikaze-Drohnen. "Die Russen glauben, das werde ihnen helfen, aber es zeigt nur ihre Verzweiflung", erklärte Jermak. 

Vor einer Woche hatten die russischen Streitkräfte Kiew und zahlreiche weitere Städte der Ukraine massiv mit Raketen angegriffen. Dabei wurden mindestens 19 Menschen getötet und 105 weitere verletzt. Nach russischer Darstellung waren die massiven Angriffe, die vor allem auf Infrastruktur zur Energieversorgung abzielten, die Antwort auf die Explosion auf der Krim-Brücke, für die die Führung in Moskau den ukrainischen Geheimdienst verantwortlich macht.

Nach den russischen Attacken wagen sich Bewohner der ukrainischen Hauptstadt wieder auf die Straßen Bild: Metin Aktas/AA/picture alliance

Hunderte Dörfer ohne Strom

Neben der Hauptstadt Kiew wurde heute auch nach den Worten von Regierungschef Denys Schmyhal wichtige Infrastruktur in drei ukrainischen Regionen angegriffen. Explosionen gab es unter anderem in den Gebieten Sumy und Odessa, wie die Behörden mitteilten. Hunderte Dörfer seien ohne Strom, hieß es weiter. Derweil brach in einer Anlage der Energie-Infrastruktur in der Region Dnipropetrowsk ein großes Feuer aus. In der Nacht sei eine Rakete eingeschlagen, teilte der Gouverneur Valetyn Resnitschenko via Telegram mit. "Drei feindliche Raketen wurden von unseren Luftverteidigungskräften zerstört", schrieb er weiter. 

Die russische Regierung bestätigte die Angriffe. Mit vom Meer und aus der Luft abgeschossenen Raketen seien Schläge gegen die Energie-Infrastruktur und militärische Objekte des Nachbarlandes ausgeführt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Solche Attacken hatte Kremlchef Wladimir Putin kürzlich angekündigt.

Russisches Militärflugzeug stürzt über Wohngebiet nahe Ukraine ab

In der russischen Stadt Jejsk nahe der Grenze zur Ukraine ist ein Kampfjet vom Typ Su-34 über einem Wohnviertel abgestürzt. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Absturz. Russische Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf das Ministerium, dass die Maschine in den Hof eines Wohnkomplexes gestürzt sei, der Treibstoff sei in Brand geraten. Das Feuer habe auf das Wohngebäude übergegriffen, in dem fünf von neun Stockwerken mit einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern in Flammen stünden. Von mindestens zwei Toten und rund 15 Verletzten ist die Rede. Die Piloten des Kampfflugzeugs konnten sich laut Verteidigungsministerium mit dem Schleudersitz retten.

Das von der russischen Agentur Tass veröffentlichte Foto zeigt den brennenden Wohnkomplex in der Stadt Jejsk Bild: Tass/dpa/picture alliance

Jejsk liegt im Norden der russischen Region Krasnodar am Asowschen Meer. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht liegt die ukrainische Stadt Mariupol, die in den ersten Monaten der russischen Offensive durch Bombenangriffe und eine lange Belagerung verwüstet wurde.

Bekannte Fernsehjournalistin flieht mit Tochter aus Russland

Die russische Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa ist mit ihrer Tochter aus Russland geflohen. "Owsjannikowa und ihre Tochter haben Russland verlassen", sagte ihr Anwalt Dmitri Sachatow mehreren Nachrichtenagenturen. "Sie sind jetzt in Europa. Es geht ihnen gut." International bekannt geworden war Owsjannikowa, als sie Mitte März während einer Live-Sendung ihres Arbeitgebers, eines Kreml-treuen Senders, hinter der Nachrichtensprecherin ein gegen den Militäreinsatz in der Ukraine gerichtetes Protestplakat in die Kamera hielt.

Ein Moskauer Gericht hatte die Journalistin Marina Owsjannikowa unter Hausarrest gestelltBild: Annette Riedl/picture alliance/dpa

Vor zwei Wochen war Owsjannikowa in Russland auf eine Fahndungsliste gesetzt worden, was darauf hindeutete, dass die 44-Jährige untergetaucht war. Gegen Owsjannikowa war im August wegen der "Verbreitung von Falschinformationen" über die russische Armee Anklage erhoben worden. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. 

Selenskyj will Getreideexporte steigern

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit Blick auf Drohungen Russlands, das Getreideabkommen aufzukündigen, dessen Bedeutung im Kampf gegen den Hunger betont. Obwohl der Krieg die Exporte weiter behindere, habe die Ukraine seit dem Inkrafttreten des Abkommens fast acht Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Seeweg ausgeführt, erklärte Selenskyj in einer neuen Videoansprache. "Das sind mehr als 300 Schiffe. 60 Prozent der Menge sind nach Afrika und Asien gegangen." Zugleich kündigte der Staatschef an, die Exporte weiter steigern zu wollen.

Erst vor wenigen Tagen hatte Russland damit gedroht, die ukrainischen Häfen wieder zu blockieren. Das Getreideabkommen werde bezüglich der Lockerung von Sanktionen gegenüber russischen Lebens- und Düngemitteln nicht eingehalten, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin schon im September beklagt. Zuletzt führte der Kremlchef zudem die These an, dass die Ukraine vermutlich über den Seeweg den Sprengstoff für den Anschlag auf die Krim-Brücke geschmuggelt habe.

Verbreitet täglich Videobotschaften: Wolodymyr SelenskyjBild: President Of Ukraine/Zuma/APA/dpa/picture alliance

An seine Landsleute richtete Selenskyj den Appell, Strom zu sparen: "Aufgrund des russischen Raketenterrors ist es in einigen Städten und Regionen der Ukraine erforderlich, die Stromversorgung zu begrenzen, damit das gesamte System stabil funktioniert." Gerade in den Stoßzeiten am Abend sei Stromsparen notwendig, da es sonst zu Überlastungen komme und die Elektrizitätswerke zu Abschaltungen gezwungen seien.

Die Kämpfe im Donbass konzentrieren sich nach Selenskyjs Angaben derzeit auf die Städte Bachmut und Soledar. Dort fänden heftige Gefechte statt, berichtete der Präsident.

Kreml: Westliche Ukraine-Hilfe beeinflusst Kriegsziele nicht

Russland hält ungeachtet der westlichen Unterstützung für die Ukraine an seinen Kriegszielen im Nachbarland fest. Die NATO sei "de facto" schon in den Konflikt involviert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in einem Interview des Staatsfernsehens. Dies beeinflusse aber nicht Russlands Ziele.

Mit Blick auf die vor knapp acht Monaten gestartete Invasion versicherte Peskow, die "Operation" werde fortgeführt und zu Ende gebracht. Die Hilfe westlicher Staaten für die Ukraine erschwere dies zwar. Russland habe aber genug Potenzial zur Fortsetzung des Einsatzes.

Belarus trifft Vorbereitungen für "Vaterlandsverteidigung"

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine nehmen auch in der Ex-Sowjetrepublik Belarus die militärischen Aktivitäten zu. "Jetzt haben wir alle Waffen vom Verteidigungsministerium erhalten, die wir bekommen sollten, und haben sie in den Waffenkammern gelagert", teilte der Chef des belarussischen Zivilschutzes, Wadim Sinjawski, im Staatsfernsehen mit. Es seien zugleich Einheiten gebildet worden, die zusammen mit dem Militär "Vaterlandsverteidigung" herangezogen werden könnten, sagte Sinjawski. Er sprach auch von rund 5000 unterirdischen Anlagen, die in Belarus als Bombenschutzkeller verwendet werden könnten. Der belarussische Grenzschutz erklärte, er habe seine Einheiten "wegen der verstärkten Aufklärungstätigkeit der Ukraine" verstärkt.

Sieht sich als Partner von Wladimir Putin: Alexander Lukaschenko (r.) Bild: Nikolai Petrov/AP/BeiTA/picture alliance

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte kürzlich die Aufstellung einer gemeinsamen regionalen Truppe mit Russland bekanntgegeben. Eigene Angriffspläne auf die Ukraine dementiert Lukaschenko. Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands.

Künftiger ukrainischer Botschafter lobt die Deutschen

Der designierte neue Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, erwartet einen Sieg seines Landes im Kampf gegen die russische Invasion. "Die deutsche Bevölkerung unterstützt die Ukraine so stark, dass ich sicher bin, dass wir gemeinsam mit Deutschland und allen anderen europäischen Partnern den Krieg gewinnen werden! Je schneller, desto besser", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montag). Sein Botschaftsteam und er würden "jeden Tag einen enormen Beitrag zum Sieg leisten", versicherte Makeiev.

Sein Vorgänger Andrij Melnyk war am Wochenende nach fast acht Jahren als Botschafter in Berlin in die Ukraine zurückgekehrt. Über ihn sagte Makeiev: "Andrij hat einen tollen Job gemacht, und ich werde immer wieder auf seine Expertise zurückkommen." Der Wechsel an der Spitze der ukrainischen Botschaft wird formell erst mit Makeievs Akkreditierung bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vollzogen, für die es noch keinen offiziellen Termin gibt.

Vertritt künftig die Ukraine in Deutschland: Oleksii Makeiev (Archivfoto)Bild: Murat Kaynak/AA/picture alliance

EU bringt "EUMAM Ukraine"-Mission auf den Weg

Die Außenminister der Europäischen Union wollen an diesem Montag eine militärische Ausbildungsmission für die Ukraine beschließen. Sie treffen sich dazu in Luxemburg. Geplant ist, dass ab Mitte November Trainingsprogramme für rund 15.000 ukrainische Soldaten in der EU stattfinden. Die neue Mission "EUMAM Ukraine" ist vorerst auf zwei Jahre angelegt. Deutschland will dem Vernehmen nach rund 5000 Soldaten ausbilden. Weitere 500 Millionen Euro sollen von den EU-Staaten für den Kauf von Waffen und Ausrüstung bereitgestellt werden.

NATO: "Steadfast Noon" keine Reaktion auf Ukraine-Krieg 

Die NATO​ hat ihr jährliches Manöver zur Verteidigung des europäischen Bündnisgebiets mit Atomwaffen begonnen. An der Übung "Steadfast Noon" werden nach Angaben des Militärbündnisses in den kommenden zwei Wochen bis zu 60 Flugzeuge beteiligt sein - darunter moderne Kampfjets, aber auch Überwachungs- und Tankflugzeuge sowie Langstreckenbomber vom Typ B-52. Schauplatz der Manöver soll insbesondere der Luftraum über Belgien, Großbritannien und der Nordsee sein. Auch die Bundeswehr ist beteiligt.

"B-52"-Langstreckenbomber der US-Armee (Archiv)Bild: Ben Birchall/PA/dpa/picture alliance

"Steadfast Noon" sei keine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, betonte die NATO. Auch kämen keine scharfen Waffen zum Einsatz. "Bei der Übung, die bis zum 30. Oktober läuft, handelt es sich um eine routinemäßige, wiederkehrende Ausbildungsmaßnahme, die in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Weltgeschehen steht", teilte das Bündnis mit. NATO-Sprecherin Oana Lungescu ergänzte: "Diese Übung trägt dazu bei, dass die nukleare Abschreckung des Bündnisses sicher und effizient bleibt."

se/kle/wa/ack (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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