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KonflikteUkraine

Ukraine bittet EU um zusätzliche Waffen

31. August 2023

Der ukrainische Außenminister Kuleba ist zu Gast bei seinen EU-Kollegen und wünscht weitere Panzer. Russland bemüht sich um nordkoreanische Waffenhilfe. Sechs Tote bei Hubschrauberabstürzen. Unser Überblick.

Spanien | Dmytro Kuleba
Ukrainischer Außenminister Kuleba in Toledo: "Kein einziges objektives Argument"Bild: ISABEL INFANTES/REUTERS

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ukraine bittet EU um zusätzliche Waffen
  • Russland bemüht sich um nordkoreanische Waffenhilfe
  • Regierung in Kiew will Korruption bei Musterung stoppen 
  • Sechs Tote bei Hubschrauberabstürzen

 

Die Ukraine bittet Deutschland und die anderen Staaten der Europäischen Union um weitere Waffen- und Munitionslieferungen für den Kampf gegen Russland. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nannte bei Gesprächen mit den Außenministern der europäischen Partner Artilleriemunition, gepanzerte Fahrzeuge und Panzer als benötigte Rüstungsgüter. Militärisch neutrale EU-Staaten wie Österreich und Irland bat er, gepanzerte Rettungsfahrzeuge zur Verfügung zu stellen.

Um Russland die Produktion von Raketen und Drohnen zu erschweren, forderte Kuleba die EU-Staaten zudem zu einem verstärkten Kampf gegen die Umgehung von Sanktionen auf. "Wir sehen, dass die Produktion gesteigert und dass westliche Teile dabei verwendet werden", sagte er bei dem EU-Treffen in Toledo in Spanien. Dies müsse beispielsweise mit Exportkontrollen verhindert werden.

Kuleba wendete sich auch ganz konkret an Deutschland. Er rief die Bundesregierung erneut zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern auf: "Es gibt wirklich kein einziges objektives Argument gegen diese Entscheidung", so der ukrainische Außenminister auf dem Treffen in Toledo, an dem auch seine deutsche Kollegin Annalena Baerbock teilnahm. Er rufe "die deutsche Regierung konstruktiv, freundlich und ohne Druck" auf, diese Entscheidung zu treffen. "Das ergibt Sinn, weil es unserer Gegenoffensive hilft und damit dazu beiträgt, den Krieg früher zu beenden", sagte Kuleba. Frankreich und Großbritannien lieferten bereits heute weitreichende Marschflugkörper.

Gesprächspartner Kuleba und Baerbock (in Toledo): "Wir investieren in den Frieden Europas"Bild: Kira Hofmann/photothek/IMAGO

Bundesaußenministerin Baerbock sagte in Toledo: "Es ist unsere Verantwortung, immer wieder zu reflektieren, wie wir unsere Unterstützung für die Ukraine noch effizienter, noch besser abgestimmt koordinieren können." Diese gelte für die militärische Unterstützung über bilaterale Sicherheitszusagen, aber auch für die europäische solidarische Unterstützung über die sogenannte Europäische Friedensfazilität und die Unterstützung des Wiederaufbaus. Zu den hohen Kosten für die Unterstützung sagte Baerbock: "Wir müssen uns jeden Tag immer wieder in Erinnerung rufen: Wir investieren hier in den Frieden Europas."

Deutschland schickt zehn Leopard-Panzer in die Ukraine

Deutschland hat zehn weitere Kampfpanzer vom Typ Leopard 1 A5 an die Ukraine geliefert. Kiew erhielt außerdem unter anderem ein Luftraumüberwachungsradar, 13,1 Millionen Schuss Handwaffenmunition und vier Schwerlastsattelzüge sowie vier Auflieger.

Das geht aus der Liste der Bundesregierung zu militärischen Hilfen für die Ukraine hervor, die wie wöchentlich aktualisiert wird. Nach anfänglichem Zögern ist die Bundesrepublik mittlerweile nach den USA der größte Unterstützer Kiews im Kampf gegen die russische Invasion.

Ukrainische Piloten lernen in Dänemark die F-16 fliegen

Mehrere ukrainische Militärpiloten können in Dänemark mit der Ausbildung auf dem Kampfjet F-16 beginnen. Nach dänischen Angaben hätten die Piloten die Vorbereitung erfolgreich absolviert und könnten mit der eigentlichen Flugausbildung anfangen, schrieb der ukrainische Oberkommandierende Walerij Saluschnyj auf Telegram. Zugleich wollten Kopenhagen und Kiew die Logistik vorbereiten, um die F-16 künftig in der Ukraine warten und reparieren zu können.

Eine dänische F-16 auf dem Flugplatz Skydstrup in VojensBild: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix/AFP

Dänemark wird der Ukraine 19 seiner F-16-Jets übergeben. Weitere dieser in den USA gebauten Kampfflugzeuge sollen aus den Niederlanden und Norwegen kommen. Allerdings werden die F-16 wohl erst im kommenden Jahr die ukrainischen Streitkräfte verstärken.

Russland bemüht sich um nordkoreanische Waffenhilfe

Russland führt nach US-Informationen geheime Gespräche mit Nordkorea über mögliche Munitionslieferungen für den Kampf in der Ukraine. Die Verhandlungen über Waffenlieferungen zwischen Russland und Nordkorea "schreiten aktiv voran", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, John Kirby. Ein Schwerpunkt der Gespräche liege auf Artilleriemunition für Moskaus Streitkräfte.

Kirby sagte, Nordkorea habe im vergangenen Jahr trotz seiner Dementis Infanterieraketen und andere Geschosse an Russland für den Einsatz der Söldnertruppe Wagner geliefert. Kürzlich sei Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu nach Nordkorea gereist, um zusätzliche Munition für den Krieg zu beschaffen. Mitte August hatten sich Moskau und Pjöngjang für eine verstärkte Zusammenarbeit ausgesprochen, unter anderem im Verteidigungsbereich.

Regierung in Kiew will Korruption bei Musterung stoppen

Die ukrainischen Behörden sollen hart gegen Korruption bei der Musterung von Männern für den Wehrdienst vorgehen. Es würden alle Fälle von Ausmusterungen wegen angeblicher Dienstuntauglichkeit seit Kriegsbeginn überprüft, bei denen es einen Verdacht auf Schmiergeldzahlungen gebe, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Für die Befreiung vom Wehrdienst seien 3000 bis 15.000 US-Dollar Schmiergeld gezahlt worden, berichtete Selenskyj. Gesondert überprüft werde, wenn jemand nach einer verdächtigen Entscheidung der Musterungskommission ins Ausland ausgereist sei.

Angesichts des russischen Angriffskrieges sind in der Ukraine alle Männer zum Wehrdienst verpflichtet. Viele gehen freiwillig zur Armee, um gegen die Invasoren zu kämpfen. Andere kaufen sich aber vom Militärdienst frei oder zahlen Schmiergeld an Grenzbeamte, um das Land verlassen zu können. Selenskyj hat wegen der Korruption bereits alle Leiter der Musterungsbehörden ersetzt.

Die weit verbreitete Bestechlichkeit in der Ukraine steht auch der angestrebten EU-Mitgliedschaft im Wege.

Sechs Tote bei Hubschrauberabstürzen

In der Ostukraine sind zwei Helikopter vom Typ Mi-8 abgestürzt. Alle sechs Männer an Bord der Militärhubschrauber kamen ums Leben. Die Unglücksursache sei noch ungeklärt, sagte ein Sprecher der ukrainischen Heeresflieger im Fernsehen. Von einem Abschuss war nicht die Rede. Die Leichen seien in den Wracks der beiden völlig zerstörten Maschinen nahe Kramatorsk gefunden worden.

Ein Militärhubschrauber vom Typ Mi-8Bild: Valentin Yegorshin/TASS/dpa/picture alliance

Nach Angaben aus militärnahen Kreisen waren die Hubschrauber auf einem Einsatzflug gewesen. Bei den Männern an Bord habe es sich um Offiziere gehandelt.

Russland berichtet von neuen Luftangriffen aus der Ukraine

Die Flugabwehr auf der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim hat nach örtlichen Angaben am späten Mittwochabend einen ukrainischen Marschflugkörper abgeschossen. Betroffen war demnach der Osten der Halbinsel bei der Stadt Feodossija.

Im Internet verbreiten sich Fotos, die angeblich Brände in der Region zeigen. Über dem grenznahen Gebiet Brjansk seien zwei Kampfdrohnen aus der Ukraine abgefangen worden, teilte das russische Militär mit. Die Ukraine hatte in der Nacht zuvor ihren bislang massivsten Drohnenangriff gegen Ziele in Russland geflogen.

rb/wa/AR/uh (AFP, AP, dpa, epd, KNA, Reuters)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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