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PolitikUkraine

Klöckner in Kyjiw: "Wir bleiben an Ihrer Seite"

11. März 2026

Als Ausländer vor einem nationalen Parlament zu sprechen, gilt als große Ehre. Deutschlands Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wurde diese jetzt in der Ukraine zu teil.

Ukraine Kyjiw | Julia Klöckner am Rednerpult im ukrainischen Parlament (11.03.2026)
Rednerin Klöckner in der Werchowna RadaBild: Mykola Berdnyk/DW

Erst die streng geheim gehaltene Anreise mit dem Nachtzug. Dann eine Rede vor der Werchowna Rada in Kyjiw, dem Parlament der Ukraine. Es ist Julia Klöckners erster Besuch in dem von Russland überfallenen osteuropäischen Land. Die Präsidentin des Deutschen Bundestags übermittelt mit großen Gesten und warmen Worten die Solidarität der Bundesrepublik im fünften Jahr des Angriffskriegs.

"Wir bleiben an Ihrer Seite", verspricht die konservative Politikerin den Abgeordneten, als sie als erste Vertreterin Deutschlands eine Rede im ukrainischen Parlament hält. Die Parlamentarier danken es ihr, indem sie sich von den Sitzen erheben und applaudieren. 

In Kyjiw macht sich die Bundestagspräsidentin außerdem ein Bild von den Folgen der russischen Angriffe. Im Visier des Kreml ist weiter die Energieversorgung der Ukraine. Die Schäden in diesem Sektor bedeuten für viele Ukrainer Kälte und Dunkelheit in diesem besonders harten Winter.

Parlamentspräsidenten Klöckner und Stefantschuk bei Besichtigung eines angegriffenen KraftwerksBild: Maxym Kholiavin/Deutsche Botschaft Kiew/dpa/picture alliance

Das Heizkraftwerk, das Klöckner in der ukrainischen Hauptstadt besucht, war am vergangenen Wochenende Ziel eines Angriffs. Große Teile des Dachs fehlen jetzt. Nur noch ein kleiner Teil der Anlage ist in Betrieb.

Deutschland und Ukraine "eng und solidarisch"

"Gerade jetzt, wo sich viel Aufmerksamkeit auf die Lage in Nahost richtet, dürfen wir den Blick für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht verlieren", sagte Klöckner. "Deutschland und die Ukraine rücken in diesen schweren Zeiten eng und solidarisch zusammen", schreibt die Bundestagspräsidentin ins Gästebuch der Werchowna Rada. Mit keinem Parlament außerhalb der Europäischen Union pflege der Bundestag so enge Beziehungen wie zum Parlament in Kyjiw, sagt Klöckner später.

Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk hatte seine deutsche Kollegin im November bei einer Konferenz in Stockholm mit dem Verdienstorden 1. Klasse des Fürsten Jaroslaw des Weisen ausgezeichnet. Sie trägt ihn in Kyjiw.

Im Parlament sagt Klöckner, Europa lerne jetzt von der Ukraine - technologisch, organisatorisch und was die Fähigkeiten angehe, die das Land unter Kriegsbedingungen aufgebaut habe. "Sie sind so tapfer", sagt die 53-Jährige.

Gesprächspartner Klöckner und Stefantschuk bei Pressekonferenz in KyjiwBild: Yevhen Kotenko/Avalon/Photoshot/picture alliance

Der aktuelle Krieg in Nahost werde mit neuen Taktiken und neuer Ausrüstung geführt, macht der ukrainische Parlamentspräsident bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Klöckner im Parlamentsgebäude deutlich. Hier könne die Ukraine Expertise beisteuern, etwa zur Drohnenabwehr, so Stefantschuk.

Dabei klingt auch die Sorge durch, im Windschatten des Iran-Krieges in Vergessenheit zu geraten. Der Gastgeber bedankt sich wortreich für die politische, finanzielle und militärische Unterstützung Deutschlands.

Deutschland ist wichtiger Unterstützer der Ukraine

Wie Bundesaußenminister Johann Wadephul diese Woche ankündigte, stellt Deutschland der Ukraine angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes weitere über 200 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen unter anderem Aufklärungsdrohnen finanziert und der Zivilschutz unterstützt werden.

Inmitten des drohenden Raketenmangels aufgrund des Iran-Kriegs sicherte Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius der Ukraine zudem Systeme für eine High-Tech-Abwehr zu. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, organisierte Pistorius von Partnern 30 zusätzliche Patriot-Flugabwehrraketen. Zusammen mit fünf weiteren der weltweit knappen Raketen vom Typ PAC-3 aus Beständen der Bundeswehr sollen damit nun 35 der Abfangraketen in die Ukraine geliefert werden.

Deutschland steht der Ukraine seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 bei der Verteidigung gegen die Angriffe der Armee des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Seite. Für die Bundeswehr sind die Erfahrungen, die in der Ukraine an der Front gesammelt werden, relevant - auch mit Blick auf den Aufbau eigener Drohnen-Kapazitäten.

Ihre Einladung zur Rede vor dem ukrainischen Parlament bezeichnete Bundestagspräsidentin Klöckner als "eine große Ehre und eine sehr berührende Geste". Dies sei auch "ein starkes Zeichen der Verbundenheit unserer Länder und Parlamente", sagte die CDU-Politikerin, die in Deutschland das zweithöchste Staatsamt inne hat.

AR/haz (dpa, afp)

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