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KonflikteUkraine

Friedensgespräche in Genf, Angriffe in der Ukraine

17. Februar 2026

Russland schickt Verhandler in die Schweiz - und tödliche Drohnen in die Ukraine. Während wechselseitige Angriffe fortdauern, vermitteln die USA zwischen den Kriegsparteien.

Schweiz Genf 2026 | Die Front des Hotels InterContinental, davor eine rot-weiße Absperrung und Sicherheitskräfte
In diesem Genfer Hotel beraten die Kriegsparteien unter Vermittlung der USABild: Alyona Fedina/TASS/ZUMA/picture alliance

Hochrangige Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln von diesem Dienstag an in der Schweiz erneut über ein mögliches Ende des fast vierjährigen Krieges. Während die ukrainische Seite bei den unter Vermittlung der USA geführten Gespräche in Genf vor allem humanitäre Fragen und Sicherheitsgarantien auf den Tisch bringen will, fordert der Aggressor Russland von dem Nachbarland dauerhafte Gebietsabtretungen etwa in der rohstoffreichen Industrieregion Donbass.

Leitet die mehr als 20 Mitglieder umfassende russische Delegation: Chefunterhändler Wladimir Medinski (Archivbild)Bild: Emrah Gurel/AP Photo/dpa/picture alliance

Die mehr als 20-köpfige Gruppe aus Moskau wird von Chefunterhändler Wladimir Medinski geleitet. Mit dabei sind laut russischen Angaben auch der Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, und Vizeaußenminister Michail Galusin. Da der Weg von Russland in die Schweiz zwangsläufig über das Gebiet von Mitgliedstaaten der NATO und der EU führt, war nach Informationen der Agentur Ria Nowosti eine Überfluggenehmigung nötig, die mit Hilfe der USA erteilt worden sei.

Teilziel: Schutz der Energieversorgung

Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, steht der Delegation aus Kyjiw vor. Als Teilziel der Gespräche hatte er in der vergangenen Woche eine begrenzte Waffenruhe zum Schutz der ukrainischen Energieversorgung benannt. Umjerow wird vom Chef des Präsidentenbüros, Kyrylo Budanow, von Vizeaußenminister Serhij Kyslyzja und dem Vizechef des Militärgeheimdienstes HUR, Wadym Skibizkyj, begleitet.

"Russland kann der Versuchung nicht widerstehen": Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (Archivbild)Bild: Dwi Anoraganingrum/Panama Pictures/picture alliance

Die Verhandlungen knüpfen an vorherige Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten an, die kein greifbares Ergebnis brachten. Vermittelt wurde der Austausch von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, der seinen Chefunterhändler Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner entsandt hat. Zusätzlich zu dem Dreiertreffen soll es auch bilaterale russisch-amerikanische Beratungen geben; hier geht es um eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Trump setzt Ukraine stärker als Russland unter Druck

Trump drängte Kyjiw zu einer baldigen Einigung mit Moskau. "Die Ukraine sollte besser schnell an den Verhandlungstisch kommen", sagte der Republikaner an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One zu Journalisten. Rhetorisch hatte Trump in der Vergangenheit mehrfach stärkeren Druck auf die Ukraine ausgeübt als auf Russland. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz beklagt, die Vereinigten Staaten kämen immer wieder auf die Frage von Zugeständnissen zurück - diese werde aber "oft nur im Zusammenhang mit der Ukraine diskutiert".

Schäden nach einem russischen Angriff in Sumy (Bild des ukrainischen Rettungsdienstes)Bild: Ukrainian Emergency Service/AP Photo/dpa/picture alliance

Auch kurz vor Beginn der Gespräche gingen die militärischen Attacken weiter. In der Region Sumy im Norden der Ukraine wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft mindestens eine Frau getötet. Mehrere Menschen wurden verletzt. In der Region Odessa am Schwarzen Meer gab es ebenfalls Verletzte. Dort wurden laut dem Stromversorger DTEK Energieanlagen getroffen. Millionen Ukrainer leiden bei eisigen Temperaturen unter einem Ausfall der Strom-, Heizungs- und Wasserversorgung.

"Moskau muss zum Frieden gezwungen werden"

Präsident Selenskyj sagte in einer Videobotschaft: "Russland kann der Versuchung nicht widerstehen und möchte in den letzten Tagen der Winterkälte den Ukrainern einen schmerzhaften Schlag zufügen." Daher müsse die Führung in Moskau zum Frieden gezwungen werden, etwa mit neuen Sanktionen. Selenskyj forderte die westlichen Verbündeten auch dazu auf, die ukrainische Flugabwehr durch Waffenlieferungen zu stärken. Außenminister Andrij Sybiha warf Moskau vor, mit den "massiven Raketen- und Drohnenangriffen" die aktuellen Bemühungen um einen Frieden zu missachten.

Das ukrainische Militär nahm seinerseits Ziele in Russland ins Visier. Nach Angaben des Zivilschutzes der südlich gelegenen Region Krasnodar kam es infolge eines Drohnenangriffs in Ilski zu einem Brand in einer Ölraffinerie. Dem Verteidigungsministerium zufolge wurden mehr als 150 ukrainische Drohnen abgefangen oder zerstört. Bei Einschlägen seien mehrere Menschen verletzt worden.

Starlink blockiert russische Armee

Am 24. Februar jährt sich zum vierten Mal der russische Überfall auf die Ukraine. Russland hält ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets besetzt, dazu gehören auch Gebiete im Donbass und die Halbinsel Krim, die bereits vor der Invasion von 2022 völkerrechtswidrig annektiert worden waren. Nach einer Analyse des US-Institute for the Study of War (ISW) gelang den ukrainischen Streitkräften in der vergangenen Woche die Rückeroberung von mehr als 200 Quadratkilometern eigenen Staatsgebiets.

Diese Fläche entspricht demnach fast den russischen Eroberungen des gesamten Monats Dezember (244 Quadratkilometer). Hintergrund des jüngsten Erfolgs sei vermutlich eine Blockade des Satellitensystems Starlink, das bisher dabei half, elektronische Störsysteme zu überwinden und Ziele präzise zu treffen. Russische Militärbeobachter hatten die Unterbrechung Anfang des Monats festgestellt. Der US-Unternehmer Elon Musk, der Starlink betreibt, hatte zuvor angekündigt, die Nutzung dieser Technik durch den Kreml zu unterbinden.

Kinder gehören zu den Hauptleidtragenden des Kriegs in der Ukraine - hier ein zerstörtes Kinderzimmer auf einer Aufnahme aus Dnipro vom DonnerstagBild: Mykola Miakshykov/Avalon/Photoshot/picture alliance

Infolge der anhaltenden Luftangriffe und Kämpfe ist laut UNICEF mehr als ein Drittel der ukrainischen Kinder und Jugendlichen auf der Flucht. Mehr als 791.000 seien innerhalb des Landes vertrieben, rund 1,8 Millionen hätten im Ausland Zuflucht gesucht, erklärte das UN-Kinderhilfswerk. In einer Umfrage habe ein Drittel der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren angegeben, bereits mehr als einmal geflohen zu sein. "In vielerlei Hinsicht holt der Krieg diese Kinder immer wieder ein", erklärte Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.

jj/se (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MEZ) - Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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