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PolitikUkraine

Ukraine-Krieg: Russlands Raketen-Terror "dient PR-Zwecken"

3. Juni 2026

Russland hat die Ukraine erneut mit Raketen attackiert. Wieder war Kyjiw das Hauptziel der massiven Angriffe. Was will das Regime von Wladimir Putin damit erreichen? Die DW hat mit Experten gesprochen.

Eine Mutter umarmt ihre Tochter vor einem zerstörten Wohngebäude in Kyjiw
Eine Mutter mit ihrer Tochter vor einem zerstörten Wohngebäude in KyjiwBild: Svet Jacqueline/ZUMA/IMAGO

Nur wenige Tage nach dem heftigsten Beschuss der ukrainischen Hauptstadt seit Beginn der umfassenden Invasion im Jahr 2022 führte Russland erneut einen massiven Raketenangriff auf Kyjiw und andere Städte der Ukraine durch. Russland setzte mehr als 650 Drohnen und 73 Raketen ein, darunter auch Raketen vom Typ Zirkon und Iskander-M.

"Dies ist vermutlich die größte Anzahl an Raketen dieses Typs, die jemals bei einem simultanen Angriff eingesetzt wurde. Insbesondere wurden Zirkon-Raketen aus dem Norden und Süden abgefeuert", erläutert Jurij Ihnat, Leiter der Kommunikationsabteilung der ukrainischen Luftstreitkräfte im ukrainischen Fernsehen.

Eine zerstörte medizinische Einrichtung in KyjiwBild: Yevhen Cherlinko/DW

Bei dem Angriff auf Kyjiw starben nach Angaben der Militärverwaltung von Kyjiw sieben Menschen, mehr als 80 wurden verletzt, darunter drei Kinder. Schäden, Zerstörungen und Brände wurden aus acht von zehn Bezirken der Hauptstadt gemeldet.

"Russland mobilisiert seine letzten Kräfte"

Vor diesem massiven russischen Angriff hatte der Kreml gedroht, Kyjiw "systematisch und konsequent" anzugreifen. Die ausländischen Diplomaten waren von Moskau aufgefordert worden, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. Doch weder die ukrainische Gesellschaft noch die Diplomaten ließen sich von diesen Drohungen einschüchtern.

Angesichts der verheerenden Angriffe vom Dienstag auf Kyjiw und weitere Städte erklärte EU-Botschafterin Katarina Maternova, die Ukraine sei nicht zu brechen und der Aggressor Russland habe seine Ressourcen bereits erschöpft.

"Die Ukraine erhält derzeit 90 Milliarden Euro an Verteidigungs- und Budgethilfe von der Europäischen Union", schrieb sie auf Facebook und unterstrich, dass "Russland seine letzten Kräfte mobilisiert". Alle verlässlichen Quellen würden bestätigen, dass Russland diesen Krieg nicht länger führen könne, weil die finanziellen und personellen Ressourcen ausgingen und es an Kraft und Motivation fehle.

"Man will den Durchhaltewillen brechen"

Mit einem schnellen Ende des Raketen-Terrors ist dennoch nicht zu rechnen. Solche Angriffe könnten sich in den kommenden Monaten sogar wiederholen, lautet die Einschätzung von Pawlo Naroschnyj, Militärexperte und Gründer von "Reactive Post". Die ukrainische NGO ist seit 2014 aktiv und auf die Unterstützung der ukrainischen Artillerietruppen spezialisiert.

Naroschnyj sagte der DW, dem Kreml gehe es weniger um militärische Erfolge als vielmehr darum, psychologischen Druck auf die ukrainische Gesellschaft auszuüben. "Im Winter wurde versucht, den Ukrainern Heizung und Strom zu nehmen. Jetzt werden Wohngebiete, Kliniken und andere zivile Einrichtungen angegriffen. Damit will man den Durchhaltewillen der Menschen brechen, was aber bisher nicht gelungen ist", so Naroschnyj.

Menschen suchen Schutz in der Kyjiwer U-Bahn während des russischen Angriffs am 2. Juni 2026Bild: Alina Smutko/REUTERS

Trotz des Ausmaßes der Angriffe sieht der Experte keine Anzeichen dafür, dass solche Schläge die Lage an der Front verändern können: "Selbst viele russische Militärblogger geben zu, dass es an der Frontlinie keine nennenswerten Erfolge gibt. Russland kann die Entwicklung der ukrainischen Rüstungsproduktion nicht stoppen und erzielt mit seinen Raketenangriffen keine strategischen Ergebnisse."

Wie Putin die Dauer des Krieges rechtfertigt

Unterdessen rechtfertigt Moskau den massiven Beschuss der Ukraine mit einem ukrainischen Angriff auf eine Bildungseinrichtung im russisch besetzten Starobilsk in der Region Luhansk. Laut russischen Angaben starben dort 21 junge Menschen. Nach Ansicht von Wadym Denysenko, Leiter des Analysezentrums "Dilova Stolytsia" (Business Capital), nutzt der Kreml diesen Vorfall als Vorwand. Es gehe darum, die Fortsetzung des Krieges zu rechtfertigen, der in der russischen Bevölkerung zunehmend an Unterstützung verliere.

"Es scheint, als versuche der Kreml, einen neuen Grund dafür zu finden, warum der Krieg schon so lange andauert und warum er fortgesetzt werden muss", sagt Denysenko. Im Jahr 2025 habe die russische Öffentlichkeit noch gehofft, mit Hilfe von US-Präsident Donald Trump könnte schnell Frieden erreicht werden. Aber langsam hätten die Menschen in Russland realisiert, dass der Krieg andauern werde, solange Wladimir Putin an der Macht sei.

Dunkler Rauch über Kyjiw nach dem russischen Angriff am Morgen des 2. Juni 2026 Bild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/picture alliance

Eines der Hauptprobleme für den Kreml sieht der Analyst darin, dass sich zunehmend die Stimmung in der russischen Gesellschaft verdüstert. Und dies sogar bei den sogenannten "Hurra-Patrioten", die den Krieg gegen die Ukraine bislang unterstützt hätten. Gerade deshalb müsse der Kreml neue Erklärungen dafür finden, warum der Krieg andauert und die Versprechen für ein baldiges Kriegsende nicht erfüllt wurden.

Denysenko sieht für die russische Führung nun zwei Möglichkeiten: entweder Friedensverhandlungen zu führen oder den Weg der weiteren Eskalation einzuschlagen.

Putin scheine die Eskalation zu wählen, meint der Experte. Er vermutet daher, dass die Ukraine in den kommenden Wochen mit weiteren massiven Angriffen rechnen müsse. "Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass die russischen Geheimdienste weitere Sabotageakte oder Terroranschläge auf ukrainischem Territorium durchführen könnten", warnt Denysenko auf seiner Facebook-Seite.

Mit all diesen Dingen verfolgt der Kreml seiner Ansicht nach keine militärischen Aufgaben. Sie würden vielmehr PR-Zwecken dienen, die weniger auf die Menschen in der Ukraine, sondern vielmehr auf die Russen selbst abzielen.

Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk

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