Ukraine-Krieg: Russland greift fast flächendeckend an
30. Juli 2026
Fast in der gesamten Ukraine gab es in der Nacht zum Donnerstag Luftalarm. Um die Flugabwehr zu überlasten, hätten die russischen Angreifer zahllose Raketen und Marschflugkörper sowie Drohnen eingesetzt, berichten ukrainische Medien. Selbst Städte im weit von der Grenze zu Russland entfernten Westen des Landes seien getroffen worden.
Wohnhäuser und zivile Infrastruktur zerstört
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in sozialen Medien mit, "dutzende gewöhnlicher Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen" seien zerstört oder beschädigt worden. Die russischen Streitkräfte hätten mehr als 70 Marschflugkörper und Raketen, darunter ballistische, eingesetzt.
"Hinzu kamen über 280 Angriffsdrohnen. Mehr als 260 Drohnen konnten zerstört werden", erklärte Selenskyj weiter. Kampfflugzeuge konnten nach seinen Angaben eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern abschießen.
Selenskyj bittet um Patriot-Systeme
Zugleich verwies der ukrainische Präsident nochmals auf den "kritischen Mangel" an Raketen für die Luftabwehr. Er rief die verbündeten westlichen Länder ein weiteres Mal dazu auf, moderne Patriot-Systeme zur Verfügung zu stellen, um Russlands ballistische Raketen abwehren zu können.
Ganz überraschend kam die massive nächtliche Angriffswelle nicht: Selenskyj hatte am Mittwoch vor einer unmittelbar bevorstehenden schweren Attacke Russlands aus der Luft gewarnt. Er berief sich dabei auf einen Lagebericht des ukrainischen Luftwaffenchefs.
Sechs Tote bei Krywyj Rih, darunter zwei Kinder
Das ganze Ausmaß der Schäden der nächtlichen Attacken auf die Ukraine wird erst langsam deutlich. In einem Vorort der südlichen Stadt Krywyj Rih wurde nach Medienberichten das Wohnhaus einer Großfamilie von einer Rakete getroffen. Allein dort habe es sechs Tote gegeben, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren. Acht Menschen seien verletzt worden.
Aus der Hauptstadt Kyjiw und dem Gebiet Poltawa wurden zwei Todesopfer und ebenfalls zahlreiche Verletzte gemeldet. In der Hauptstadt wurden mehrere Gebäude getroffen. Reporter sprachen von etlichen Explosionswellen im Laufe der Nacht.
In Lwiw (früher Lemberg) gebe es 15 Verletzte, hieß es unter Verweis auf Angaben der Behörden weiter. In zwei großen Wohnblöcken in Lwiw unweit der polnischen Grenze seien nach Raketentreffern Brände ausgebrochen, berichteten Anwohner. Fotos zeigen riesige Löcher, die in den Gebäuden klaffen. Rettungskräfte suchten unter Trümmern nach Überlebenden.
Polen, das im Osten an die Ukraine grenzt, ließ wegen der massiven russischen Angriffe Kampfflugzeuge aufsteigen. Im Luftraum des NATO- und EU-Mitglieds war ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet worden. Später habe man die mutmaßliche Absturzstelle des Objekts in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin gefunden, teilte das operative Kommando der polnischen Streitkräfte auf der Online-Plattform X mit.
Russland spricht von Attacken auf militärische Ziele
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe, sprach aber im Gegensatz zur Ukraine von militärischen Zielen. Man habe Militärflughäfen, Rüstungsbetriebe, militärische Telekommunikationsinfrastruktur und logistische Zentren attackiert, hieß es aus Moskau. Zudem seien drei für den Transport von militärischen Gütern genutzte Frachtschiffe in der Schwarzmeerregion getroffen worden.
Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland an. Getroffen wurde in der Stadt Noworossijsk am Schwarzen Meer erneut ein Öltanker durch einen Drohnenangriff, wie das Kaspische Pipeline-Konsortium mitteilte. Das russische Verteidigungsministerium meldete den Abschuss von 258 ukrainischen Drohnen.
Ukraine greift Wildberries-Logistikzentren an
Durch Drohnenbeschuss wurde in der Nacht auch ein weiteres großes Lager des russischen Online-Händlers Wildberries in der Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, mitteilte. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden.
Auch in Sarapul rund 1250 Kilometer östlich von Moskau gab es in einem Lager von Wildberries nach einem Drohnenangriff ein Feuer, wie das Unternehmen mitteilte.
se/jj (dpa, afp, rtr)
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