Vor Moskaus Waffenruhe: Viele Opfer bei Angriffen in Ukraine
5. Mai 2026
Bei neuen Raketen- und Drohnenangriffen aus Russland sind im zentralukrainischen Gebiet Poltawa vier Menschen getötet worden. Gouverneur Witali Djakiwnytsch schrieb im Onlinedienst Telegram, außerdem seien 37 Menschen verletzt worden. Nach seinen Angaben gab es Einschläge an zwei Orten im Kreis Poltawa. Ein Industriebetrieb und Eisenbahninfrastruktur seien beschädigt worden.
Der Zivilschutz teilte mit, unter den Toten seien zwei Einsatzkräfte. Nach einem ersten Angriff habe Russland die Region in der Ukraine ein zweites Mal attackiert. Unter den Verletzten sind demnach weitere 23 Rettungskräfte.
Außerdem wurden bei russischen Luftangriffen auf das Gebiet Tschernihiw und die Region um die Hauptstadt Kyjiw Zivilisten verletzt, wie die Behörden mitteilten.
Selenskyj wirft Russland "Zynismus" vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in sozialen Medien, es sei absolut zynisch, um eine Waffenruhe für Propagandafeierlichkeiten zu bitten, und in den Tagen davor solche Drohnen- und Raketenangriffe zu verüben. Russland könne jeden Tag den Beschuss stoppen. Das würde den Krieg und ukrainische Gegenangriffe beenden.
Nach Angaben Selenskyjs gab es zudem bei russischen Angriffen im Raum Charkiw ein Todesopfer und vier Verletzte.
Waffenruhen ohne Absprachen
Russland und die Ukraine hatten am Montag ohne Absprache einseitige Waffenruhen zu unterschiedlichen Daten angekündigt. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab bekannt, rund um die Feiern zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Sieg über Nazi-Deutschland am 8. und 9. Mai würden die Waffen schweigen. Die Parade am 9. Mai in Moskau ist für gewöhnlich eine große Machtdemonstration. In diesem Jahr soll sie nur in abgespeckter Form ohne Militärausrüstung stattfinden aus Furcht vor ukrainischen Angriffen.
Selenskyj wiederum erklärte wenig später, die Ukraine werde ihrerseits in der Nacht zum Mittwoch um Mitternacht eine Waffenruhe beginnen.
Ukraine greift Rüstungsfabrik an
Doch auch die ukrainischen Streitkräfte griffen wieder mit Drohnen an. In der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga wurden laut offiziellen Angaben drei Menschen verletzt. Ziel war eine Rüstungsfabrik, in der Navigationsmodule für Drohnen, Marschflugkörper und Raketen hergestellt werden. Sie wurde nach Berichten des Internetportals Astra von einem Marschflugkörper getroffen.
Selenskyj bestätigte den Einsatz von Marschflugkörpern des Typs Flamingo. Die Raketen hätten eine Entfernung von mehr als 1500 Kilometer überwunden.
Die Ukraine produziert seit dem vergangenen Jahr Marschflugkörper des Typs Flamingo, die eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometer haben sollen. Bislang wurden sie allerdings erst wenige Male eingesetzt.
Große Raffinerie in Nordrussland in Brand geraten
Ferner griff die Ukraine ein weiteres Mal eine Raffinerie im Norden Russlands an. Die dortigen Behörden bestätigten einen Brand im Industriegebiet der Stadt Kirischi. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, hieß es. Die Raffinerie in Kirischi ist die größte in der Region. Zuletzt hatten die russischen Behörden am 26. März einen Angriff auf die Ölverarbeitungsanlage gemeldet.
se/haz (dpa, afp, rtr)
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