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KonflikteUkraine

US-Friedensplan: Trump setzt Ukraine Frist bis Donnerstag

Veröffentlicht 22. November 2025Zuletzt aktualisiert 22. November 2025

Um den russischen Angriffskrieg zu beenden, drücken die USA bei der Ukraine aufs Tempo. Vizepräsident JD Vance wirft Kritikern des US-Plans fehlenden Realitätssinn vor. Die Verbündeten Kyjiws lehnen das Konzept ab.

USA Washington D.C. 2025 | Donald Trump
US-Präsident Trump verlangt vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj eine schnelle Entscheidung Bild: Yuri Gripas/Pool/CNP/IMAGO

Die USA wollen den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine möglichst schnell beendet sehen. Präsident Donald Trump bekräftigte mit Blick auf den 28 Punkte umfassenden Friedensplan der US-Regierung, die Ukraine müsse das Konzept billigen. Er hatte zuvor den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgefordert, sich bis Donnerstag für sein Papier zu entscheiden. Wenn Selenskyj das nicht wolle, könne er weiterkämpfen - werde irgendwann aber etwas akzeptieren müssen, sagte Trump vor Reportern im Weißen Haus. Auf Nachfrage, ob er selbst mit Selenskyj geredet habe, antwortete der US-Präsident, er habe mit dessen Leuten gesprochen.

Trump erinnerte zugleich daran, er habe Selenskyj schon bei dessen Besuch im Oval Office im Februar darauf hingewiesen, er habe "in dieser Sache" keine guten Karten.

Vance setzt noch einen Punkt obenauf

Vize-Präsident JD Vance warf Kritikern des US-Konzepts einen fehlenden Realitätssinn vor. Wer die vorgeschlagene Lösung ablehne, habe sie entweder missverstanden oder verleugne die wahre Lage, schreibt er im Onlinedienst X. Frieden werde nicht von gescheiterten Diplomaten oder Politikern erreicht, die in einer Fantasiewelt lebten, so Vance. Es gebe die Illusion, dass der Sieg greifbar sei, wenn man nur mehr Geld, mehr Waffen oder mehr Sanktionen einsetze. Gleichwohl müsse eine Lösung "für Russland und die Ukraine annehmbar sein".

Krisengespräche und Ukraine-Erklärung am Rande des G20-Gipfels

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und andere führende westliche Unterstützer der Ukraine lehnen den US-Plan in seiner derzeitigen Form ab. Zwar stelle der Entwurf eine Grundlage dar, jedoch müsse weiter daran gearbeitet werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Sie wurde nach einem Krisentreffen am Rande des G20-Gipfels in Johannesburg in Südafrika veröffentlicht.

Es gelte das "Prinzip, dass Grenzen nicht gewaltsam verändert werden dürfen", betonten die Vertreter mehrerer europäischer Staaten, Kanadas und Japans. Die Verbündeten lehnen auch die im US-Konzept vorgesehene Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte ab, die das Land angreifbar mache.

Kreise: EU-Länder arbeiten an eigenem Vermittlungspapier

Die Europäer waren ebenso wie die Ukraine in den US-Plan nicht eingebunden worden. Sie arbeiten nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen nun an einem eigenen Vermittlungspapier. Im schweizerischen Genf wollen an diesem Sonntag die außenpolitischen Berater der sogenannten E3-Staaten - Frankreich, Deutschland und Großbritannien - mit Vertretern der USA und der Ukraine zusammenkommen, wie mehrere Agenturen übereinstimmend berichten. Nach US-Angaben wird Washington dabei vom Sondergesandten Steve Witkoff und von Außenminister Marco Rubio vertreten, die den US-Plan auch ausgearbeitet hatten.

EU-Ratspräsident António Costa (hier beim G20-Gipfel, 2. v. l.) kündigt Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs über den US-Plan anBild: Henry Nicholls/empics/picture alliance

Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen am Montag am Rande eines EU-Afrika-Gipfels in der angolanischen Hauptstadt Luanda über die US-Vorschläge beraten. Das kündigte EU-Ratspräsident António Costa an - und setzte zugleich einen eigenen Akzent: Der Entwurf des 28-Punkte-Plans enthalte wichtige Elemente, die für einen gerechten und dauerhaften Frieden unerlässlich seien, schrieb Costa auf der Plattform X. Er habe die Staats- und Regierungschefs aller 27 EU-Staaten zu einem Sondertreffen eingeladen.

Merz: Russland muss den Krieg beenden

Merz hatte zuvor in Johannesburg den Kreml zu einem Ende seines Angriffskriegs aufgefordert. Russland müsse "endlich diese Aggression beenden, die schreckliches menschliches Leid nach Europa gebracht hat". Russland stehe in der Verantwortung, die massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu beenden, mahnte der Bundeskanzler.

Die G20-Gipfelteilnehmer rufen in einer gemeinsamen Erklärung zu einem "gerechten und dauerhaften" Frieden in der Ukraine auf. Sie verweisen auf die Prinzipen der Charta der Vereinten Nationen

Friedensplan: Zwangsfrieden für die Ukraine?

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Kritiker stufen den Entwurf der USA wegen der harten Bedingungen für die Regierung in Kyjiw als faktische Kapitulationserklärung ein. Der Plan sieht unter anderem neben der Verkleinerung der Streitkräfte die dauerhafte Abtretung ukrainischer Gebiete an Russland, den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft und Neuwahlen vor.

Die Zugeständnisse der Regierung in Moskau wären vergleichsweise gering. So soll in der Europäischen Union eingefrorenes russisches Staatsvermögen für den Wiederaufbau der Ukraine genutzt werden.

Selenskyj: Werde mein Land nicht "verraten"

Der ukrainische Präsident lehnt das Konzept der Trump-Administration in seiner jetzigen Form ab. Er werde sein Land nicht "verraten", sagte Selenskyj am Freitag in einer Rede an die Nation. Die Ukraine stehe vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Sie werde entweder ihre "Würde" oder einen "sehr wichtigen Partner" verlieren, erklärte er mit Blick auf die USA.

Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag während seiner Rede an die Nation Bild: Office of the President of Ukraine/YouTube

Ohne Unterstützung der größten Militärmacht, die Waffen über die Europäer an die Ukraine verkauft und Daten für die Kriegsführung gegen Russland bereitstellt, würde die Fortsetzung des Abwehrkampfs deutlich erschwert.

Selenskyj ergänzte: "Wir alle schätzen das Engagement Amerikas und Präsident Trumps, den Krieg zu beenden." Man arbeite gemeinsam daran, sicherzustellen, "dass dies zu einem einheitlichen und vollständig abgestimmten Plan wird".

Selbst Republikaner kritisieren US-Konzept

Die Friedensinitiative ist auch in Trumps Republikanischer Partei umstritten. "Diese von Russland abgefasste Propaganda muss abgelehnt und verworfen werden als das, was sie ist: unseriöser Nonsens", schreibt etwa der republikanische Kongressabgeordnete Brian Fitzpatrick auf X.

US-Senator Roger Wicker, der dem Verteidigungsausschuss angehört, zeigte sich "höchst skeptisch, dass damit Frieden erreicht wird". Und der langjährige Anführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, warnte: "Russlands Gemetzel zu belohnen, wäre desaströs für Amerikas Interessen."

se/haz/jj (dpa, ap, afp, rtr)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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