Ukraine-Krieg: Feuerpause zum orthodoxen Osterfest
Veröffentlicht 11. April 2026Zuletzt aktualisiert 11. April 2026
In der Ukraine und in Russland wird an diesem Wochenende das orthodoxe Osterfest gefeiert. Der Kreml in Moskau erklärte in einer offiziellen Mitteilung, auf Beschluss von Präsident Wladimir Putin gelte eine Waffenruhe vom Samstagnachmittag (16.00 Uhr Ortszeit, 15.00 Uhr MESZ) bis zum Ende des Sonntags. Der Generalstab der russischen Armee sei angewiesen worden, die "Kampfhandlungen in allen Richtungen für diesen Zeitraum einzustellen". Der Kreml sprach von einer humanitären Geste, weil der Feiertag für die Menschen in beiden Ländern eine zentrale Bedeutung habe.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte selbst mehrfach eine solche Feuerpause zu Ostern vorgeschlagen und stimmte nach Putins Ankündigung sofort zu. Allerdings kündigten beiden Seiten zugleich an, auf mögliche Verstöße gegen die Waffenruhe werde man antworten.
Bei zeitlich begrenzten Feuerpausen in der Vergangenheit hatten sich die Kriegsparteien wiederholt zahlreiche Verstöße vorgeworfen. Deshalb gilt die nun angesetzte Waffenruhe auch als Test für die Bereitschaft beider Seiten, sich bei den Friedensverhandlungen unter Vermittlung der USA anzunähern.
Moskau will Kampfhandlungen Montag wieder aufnehmen
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf der Onlineplattform X, nach Ablauf der Frist in der Nacht zum Montag gebe es keine Notwendigkeit, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen. Dagegen betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow, die Angriffe würden dann wieder beginnen. Anders läge der Fall, wenn Selenskyj bereit sei, sich auf die russischen Bedingungen für einen Frieden einzulassen.
Russland kontrolliert derzeit den größten Teil der Donbass-Region im Osten der Ukraine. Für ein Ende des Kriegs verlangt der Kreml, dass die Ukraine das gesamte Gebiet einschließlich der für Kyjiw strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Slowjansk abtritt. Selenskyj lehnt einen solchen Schritt "als Geschenk an die russischen Besatzer" bislang kategorisch ab.
Bei den Gesprächen über Wege für einen Frieden zwischen Moskau und Kyjiw unter US-Vermittlung hatte es zuletzt nach Angaben der Beteiligten Fortschritte gegeben. Allerdings ist vor allem wegen der russischen Gebietsansprüche eine Einigung nicht in Sicht.
Zudem gibt es seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar eine Verhandlungspause. Beide Seiten hatten sich zwar für eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche ausgesprochen. Ein neuer Termin für weitere trilaterale Verhandlungen steht derzeit nicht fest.
Kriegsgefangene ausgetauscht
Vor der geplanten Osterwaffenruhe ließen beide Seiten nach offiziellen Angaben je 175 Soldaten frei. Der Austausch von Kriegsgefangenen ist eines der wenigen Ergebnisse der Gespräche unter US-Vermittlung.
Drei Tote, 17 Verletzte bei russischen Angriffen
Zudem meldeten die Behörden beider Länder vor der Feuerpause noch massive Drohnenangriffe. In Odessa am Schwarzen Meer wurden ukrainischen Angaben zufolge mindestens zwei Menschen getötet. Bei den Toten handele es sich um eine 38 Jahre alte Frau und einen 32 Jahre alten Mann, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es habe auch Verletzte, Schäden an zahlreichen Wohnhäusern und an einem Kindergarten gegeben, so die Verwaltung der Stadt.
Die Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine berichtete nach russischen Luftangriffen, es gebe mindestens 17 Verletzte. Zudem gebe es Schäden an Wohnhäusern, einem Kindergarten und zahlreichen Autos. Die ukrainische Flugabwehr sprach von insgesamt 160 russischen Drohnenangriffen.
In der ukrainischen Stadt Poltawa wurde ein Mensch bei Luftangriffen getötet.
Ukrainische Drohne trifft Ölanlage in Krymsk
Das russische Verteidigungsministerium wiederum sprach an diesem Samstag von 99 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. Zu Treffern oder Schäden machte das Ministerium keine Angaben.
Die Behörden in der südrussischen Region Krasnodar teilten mit, Trümmer einer abgeschossenen Drohne hätten einen Brand auf einer Anlage der Ölindustrie in der Stadt Krymsk ausgelöst. Laut Medienberichten brannte ein Umspannwerk auf dem Gelände der Pumpstation. Die Ukraine will mit diesen Gegenangriffen auf russische Energieanlagen Moskaus Kriegswirtschaft schwächen.
se/fab (dpa, afp, rtr)
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