1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KonflikteUkraine

Ukrainischer Präsident Selenskyj trifft in Athen ein

21. August 2023

Im Bemühen um eine Unterstützung seines Landes ist der ukrainische Präsident Selenskyj viel auf Reisen. Nach Besuchen in den Niederlanden und Dänemark traf er jetzt in der griechischen Hauptstadt ein. Der Überblick.

Griechenland | Ukraine-Krieg | Selenskyj in Athen
Griechenlands Premier Mitsotakis (l.) begrüßt in Athen den ukrainischen PräsidentenBild: Thanassis Stavrakis/AP/dpa/picture alliance

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Selenskyj zu Besuch in Griechenland
  • Kiew will Hoheit über eigenen Luftraum zurückgewinnen
  • Geländegewinne in Bachmut
  • Eingeschränkter Flugbetrieb an Moskauer Flughäfen
  • Tödlicher Beschuss während Evakuierung in Kupiansk

 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist am frühen Montagabend in Athen eingetroffen. Dort will er an einem informellen Treffen der Regierungs- und Staatschefs der Balkanländer teilnehmen. Selenskyjs Aufenthalt in Griechenland war bis zuletzt geheim gehalten worden und findet unter scharfen Sicherheitsmaßnahmen statt.

Griechische Medien zeigten am Abend, wie der ukrainische Staatschef von Premierminister Kyriakos Mitsotakis in Empfang genommen wurde. An dem informellen Treffen in Athen nehmen die Regierungs- und Staatschefs von Serbien, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Bulgarien und Moldawien sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel teil. Thema ist unter anderem der Weg der Nicht-EU-Länder und EU-Beitrittskandidaten in das Staatenbündnis.

Griechenland ist Russland historisch durch jahrhundertelange Traditionen und einen gemeinsamen orthodoxen christlichen Glauben verbunden. Dennoch hat Athen unter der konservativen Regierung von Mitsotakis Moskaus Einmarsch in der Ukraine unmissverständlich verurteilt und unterstützt Kiew seitdem mit humanitärer Hilfe wie auch mit Waffen. Athen lieferte Kiew bislang etwa Schützenpanzer, Raketenwerfer und Munition. Im vergangenen Jahr wies Athen zudem etliche Angehörige der diplomatischen und konsularischen Vertretungen Russlands aus und gewährte tausenden Ukrainern und ihren Familien Zuflucht vor dem Krieg.  

F-16-Kampfjetlieferungen sind "historisch"

Selenskyj hatte zuvor Station in den Niederlanden und Dänemark gemacht. Dort hat er die geplanten F-16-Kampfjetlieferungen der Niederlande und Dänemarks als "historisch" bezeichnet. "Die F-16 werden den Kämpfern und den einfachen Bürgern frisches Vertrauen und Motivation bringen", teilte Selenskyj bei X (früher Twitter) mit. Die Kampfflugzeuge würden helfen, die ukrainischen Städte vor russischen Angriffen zu schützen. Die Niederlande wollen 42 und Dänemark 19 Kampfflugzeuge des US-Typs F-16 bereitstellen. Allerdings sind von den 42 F-16-Jets der Niederlande nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums derzeit nur 24 einsatzbereit.

Die Regierung in Kopenhagen betonte, die Ukraine dürfe die angekündigten F-16-Kampfjets nur auf eigenem Territorium zum Einsatz bringen. "Wir spenden Waffen unter der Bedingung, dass sie eingesetzt werden, um den Feind aus dem Gebiet der Ukraine zu vertreiben. Und nicht darüber hinaus", sagt der dänische Verteidigungsminister Jakob Ellemann-Jensen. "Das sind die Bedingungen, egal ob es sich um Panzer, Kampfflugzeuge oder etwas anderes handelt."

Selenskyj bedankt sich bei den Dänen

In einer Rede vor dem dänischen Parlament in Kopenhagen bedankte sich Selenskyj. "Wir sind heute hier, um Ihnen persönlich zu danken. Ich danke Ihnen allen, dass Sie uns in unserem schwierigen Kampf für die Freiheit helfen, für die Hilfe in diesem Krieg, den Russland in unser Land gebracht hat", sagte er.

In einer weiteren Ansprache an das dänische Volk vor Schloss Christiansborg sagte Selenskyj, Krieg bringe immer die Frage mit sich, welchen Wert Leben habe. "Gemeinsam beweisen wir, dass das Leben ein Wert ist. Dass Leute zählen. Freiheit zählt. Europa zählt."

"Das ist das Schlimmste, was Tyrannei ihrem Volk antun kann: Sie eliminiert den Wert des Lebens völlig", sagte Selenskyj vor einer großen Menschenmenge, in der viele dänische rot-weiße und blau-gelbe Ukraine-Fähnchen schwenkten.

Russischer Botschafter in Dänemark warnt vor "Eskalation"

Russlands Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, wirft Kopenhagen vor, mit der Entscheidung zur Weitergabe von US-Kampfjets an die Ukraine den Konflikt zu verschärfen. Dänemark verstecke sich "hinter der Prämisse, dass die Ukraine selbst die Bedingungen für den Frieden bestimmen muss", sagte Barbin der Nachrichtenagentur AFP. Kopenhagen versuche damit, "der Ukraine keine andere Wahl zu lassen, als die militärische Konfrontation mit Russland fortzusetzen". Eine solche Position stoße die Ukraine jedoch "in den Abgrund".

Die Militärführung in Moskau hatte zuletzt auch deutlich gemacht, sich durch die Waffenlieferungen des Westens nicht von den Kriegszielen in der Ukraine abbringen zu lassen. Dazu gehört etwa die komplette Besatzung der bisher zum Teil kontrollierten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson.

Baerbock über Taurus-Marschflugkörper: Kommt auf jeden Tag an 

Außenministerin Annalena Baerbock hat sich indirekt für eine rasche Entscheidung der Bundesregierung bei der Frage einer möglichen Lieferung des von der Ukraine gewünschten Marschflugkörpers Taurus durch Deutschland ausgesprochen. "Dass es auf jeden Tag drauf ankommt, das haben wir, glaube ich, in den letzten anderthalb Jahren nicht nur eindrücklich, sondern auf brutale Art und Weise erleben müssen", sagte die Grünen-Politikerin am Montag in Berlin.

Bundesaußenministerin Baerbock, hier im Gespräch mit der DWBild: DW

Baerbock begrüßte die Entscheidung der Niederlande und Dänemarks, der Ukraine insgesamt 61 Kampfjets vom US-Typ F-16 zu liefern. Es sei ein guter Tag für die Ukraine und "damit auch ein guter Tag für Europa, dass es jetzt weitere Unterstützung aus Dänemark, den Niederlanden und wahrscheinlich auch anderen Ländern gibt". 

Kiew will Kontrolle über eigenen Luftraum zurück

Die Ukraine betrachtet die Kampfflugzeuge gemeinsam mit der bereits vom Westen gelieferten Flugabwehr als Teil eines Schutzschildes gegen russische Angriffe. Kiew hofft darauf, die Kontrolle über den eigenen Luftraum zurückzuerhalten. Die Ukraine will die Flugzeuge auch einsetzen, um russische Verteidigungslinien in den besetzten Gebieten im Osten und Süden des Landes zu durchbrechen. Dort kommen die Truppen am Boden auch wegen der verminten Felder nur schleppend bei ihrer Gegenoffensive voran. 

70 ukrainische Piloten werden derzeit an F-16-Kampfflugzeugen in Dänemark ausgebildetBild: U.S. Air Force/Staff Sgt. David Salanitri via ABACA/picture alliance

Die ersten F-16 soll die Ukraine zum Jahreswechsel erhalten - später als erhofft. Die Kampfjets sollen geliefert werden, sobald die Ausbildung der ukrainischen Piloten an den Maschinen abgeschlossen ist. Regierungschefin Frederiksen zufolge werden derzeit 70 ukrainische Piloten an F-16-Kampfflugzeugen in Dänemark ausgebildet. Selenskyj will das Training beschleunigen. "Wir haben heute auch über die Möglichkeit gesprochen, die Ausbildungsmission auszuweiten", sagte er. 

USA hatten der Lieferung von F-16-Kampfjets zugestimmt

Innerhalb der NATO hatte sich im Sommer eine von den beiden Ländern geführte Koalition gebildet, um ukrainische Piloten für die Nutzung der F-16 auszubilden. Auch Belgien und Norwegen gelten als mögliche Lieferanten der US-Jets. Zunächst war die Abgabe von F-16 jedoch an den USA gescheitert, wo die Flugzeuge entwickelt wurden. Washington machte den Weg für Lieferungen aus Drittstaaten jedoch vor kurzem frei.

Präsident Selenskyj und US-Präsident Biden beim G7-Gipfel in Japan im Mai diesen JahresBild: UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE via REUTERS

Drei Quadratkilometer nahe Bachmut zurückerobert

Ukrainische Truppen haben im Osten des Landes binnen einer Woche ein kleines Gebiet nahe der umkämpften Stadt Bachmut zurückerobert. In der vergangenen Woche seien bei Bachmut "weitere drei Quadratkilometer befreit worden", sagte Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar im staatlichen Fernsehen. Seit Juni seien insgesamt 43 Quadratkilometer zurückerobert worden. Gegenangriffe der russischen Seite seien dabei erfolgreich abgewehrt worden.
"Im Süden hat sich die Lage nicht bedeutend verändert", führte Maljar weiter aus. "Unsere Verteidiger rücken weiter auf (die besetzten Städte) Berdjansk und Melitopol vor." 

Die Ukraine hatte Anfang Juni eine große Gegenoffensive gestartet, um die von Russland besetzten Gebiete zurückzuerobern. Die Offensive kommt aber eher schleppend voran.

Eingeschränkter Flugbetrieb auf Moskauer Flughäfen

Am Flughafen Wnukowo wurden zeitweise alle Starts und Landungen ausgesetzt. Am Flughafen Domodedowo wurde der Flugverkehr dagegen nur eingeschränkt, nachdem das russische Verteidigungsministerium eine ukrainische Drohne nahe der Flughäfen abgefangen hatte. Das Flugobjekt sei abgestürzt, Opfer habe es nicht gegeben, teilt das Ministerium mit. Inzwischen laufe der Flugbetrieb wieder normal, melden russische Medien.

Am Flughafen Domodedowo in Moskau war der Flugverkehr zeitweise eingeschränktBild: Valery Sharifulin/picture alliance/dpa/TASS

Die Ukraine hatte offenbar zwei Drohnen in den Großraum Moskau geschickt. Eine weitere wurde offenbar von russischen Kräften abgeschossen. Trümmer dieser Drohne beschädigten ein Wohnhaus, dabei wurden nach Angaben der lokalen Behörden mindestens zwei Menschen verletzt. 

Zivilisten bei Artilleriebeschuss in Kupiansk verletzt

Bei Artilleriebeschuss in der Stadt Kupiansk im östlichen Gebiet Charkiw sind nach ukrainischen Angaben elf Zivilisten verletzt worden, sieben von ihnen schwer. Das teilte der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit.

Die Behörden hatten Anfang des Monats wegen des täglichen russischen Beschusses die Evakuierung der Zivilbevölkerung nahe der Front bei Kupiansk angeordnet. Russland bestreitet, gezielt Zivilisten anzugreifen.

Durch einen Luftangriff im Juni zerstörte Schule in KupianskBild: Sergey Bobok/AFP/Getty Images

"Zu sagen, dass die Evakuierung gut läuft, würde wie Sarkasmus klingen", sagte der Leiter einer Freiwilligengruppe, die Zivilisten bei der Flucht vor den Kämpfen hilft, im Fernsehen. In den vergangenen zehn Tagen seien rund 600 Menschen aus dem Gebiet gebracht worden, darunter mehr als 120 Kinder.

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

rb/haz/bri/as/gri/cw (rtr)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen