Warum Macky Salls UN‑Ambitionen Afrika spalten
17. April 2026
Wenn im Dezember die zweite Amtszeit von UN-Generalsekretär António Guterres endet, soll nach den Regularien eine andere Weltregion zum Zuge kommen. Afrika. Burundi hatte im vergangenen Monat den früheren senegalesischen Präsidenten Macky Sall als Nachfolger des Portugiesen nominiert.
Sall erklärte, die Vereinten Nationen müssten reformiert, verschlankt und modernisiert werden - eine Forderung - die zuletzt immer wieder zu hören war. Der Senegal erklärte jedoch in einer diplomatischen Note an die Afrikanische Union (AU), man habe die Bewerbung "zu keinem Zeitpunkt gebilligt" und sei weder "mit der entsprechenden Initiative der Regierung Burundis verbunden noch daran beteiligt". Als Präsident hatte Sall mit dem Ausschluss von Kandidaten auf seine Nachfolge und einer Verschiebung des Wahltermins viele Menschen im Senegal gegen sich aufgebracht.
Auch innerhalb der Afrikanischen Union genießt Salls Ambition auf den höchsten UN-Posten keine volle Rückendeckung - obwohl er die AU selbst von 2022 bis 2023 geleitet hatte. Rund 20 AU-Mitgliedstaaten lehnten Salls Kandidatur ab. Zu den zentralen Gegnern zählen Südafrika, Algerien, Ruanda, Liberia - und eben der Senegal.
Wie die gemeinsame AU-Kandidatur scheiterte
Am 2. März reichte Burundi, das derzeit den rotierenden Vorsitz der Afrikanischen Union innehat, Salls Nominierung in einem Schreiben an den Präsidenten der UN-Generalversammlung ein. Nach Einschätzung des Institute for Security Studies (ISS), eines in Südafrika ansässigen Thinktanks, "verwischte diese Einreichung die Grenze zwischen einer nationalen Initiative und einer kontinentalen Billigung".
Der Zeitpunkt des Schreibens, das von Burundis Präsident (und AU-Vorsitzenden) Évariste Ndayishimiye unterzeichnet war, habe - nur zwei Wochen nach dem AU-Gipfel - "den Eindruck einer formellen Unterstützung durch die Afrikanische Union erweckt und dadurch für Verwirrung gesorgt", so das ISS. Das Institut verwies darauf, dass die Verfahren der Afrikanischen Union vorsehen, dass Kandidaturen zunächst von eigens dafür eingerichteten Gremien geprüft werden müssen, bevor der Exekutivrat sie entweder im Konsens oder mit einer Zweidrittelmehrheit billigt.
Nach Fragen und Einwänden aus Mitgliedsstaaten brachte Burundi die Nominierung am 26. März erneut ein - diesmal im Rahmen des sogenannten Schweigeverfahrens der AU, bei dem die Mitgliedsstaaten 24 Stunden Zeit haben, um Einspruch zu erheben oder Zustimmung zu signalisieren.
Das Schweigeverfahren wird in multilateralen Organisationen häufig genutzt. Entscheidungen gelten dabei als angenommen, sofern innerhalb einer festgelegten Frist kein formeller Widerspruch eingelegt wird. Bis zum Geschäftsschluss am 27. März hatten rund 20 AU-Mitgliedstaaten das Schweigen gebrochen und damit die Annahme der Entscheidung blockiert.
Gegner sprechen von Verfahrensverstößen
Ruanda, das den Prozess offen kritisierte und seinen Widerstand durch hochrangige Vertreter bestätigte, bezeichnete das Vorgehen Ndayishimiyes als "eklatanten Verstoß gegen die Verfahrensregeln".
"Das war für viele AU-Mitgliedsstaaten zu viel, die ein solches Diktat und einen solchen Mangel an Respekt seitens ihres Vorsitzenden nicht akzeptieren konnten. Sie entschieden sich daher, das Schweigen zu brechen, seine Entscheidung zu blockieren und Präsident Ndayishimiye daran zu erinnern, dass die Afrikanische Union vom Rechtsstaatlichkeitsprinzip geleitet wird", schrieb Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe auf dem Onlineportal X.
Auch Nigerias Ständige Vertretung bei der AU brach das Schweigen und argumentierte, dass bei der Entscheidungsfindung etablierte Verfahren und Grundsätze nicht eingehalten worden seien.
Djiby Sow, leitender Forscher im ISS-Regionalbüro für Westafrika und die Sahelzone mit Sitz im senegalesischen Dakar, erklärte hierzu, die Afrikanische Union verfüge über "ein etabliertes Verfahren, das eine gründliche Bewertung von Kandidaturen erlaubt". Dies sah er im aktuellen Vorgehen nicht gegeben: "Das Schweigeverfahren ließ keine Diskussion über eine Frage von so großer Bedeutung wie die Kandidatur für das Amt des UN-Generalsekretärs zu", sagte Sow der DW.
In einem Schreiben an die AU-Kommission erklärte Nigeria zudem, Afrika solle davon absehen, den Posten des UN-Generalsekretärs anzustreben. Zur Begründung verwies die Regierung in Abuja auf das "langjährig etablierte Prinzip der kontinentalen Rotation" - demzufolge diesmal Lateinamerika und die Karibik an der Reihe seien. Die Region hatte zuletzt von 1982 bis 1991 den Chefposten besetzt; die zwei Amtszeiten des letzten Afrikaners, Kofi Annan aus Ghana, endeten hingegen erst 2006.
Wie geht es weiter?
Auch ohne Billigung durch die Afrikanische Union bleibt Sall Kandidat für das Amt des UN-Generalsekretärs. Die Mitgliedsstaaten sind frei, ihn auf individueller Basis zu unterstützen. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen in der zweiten Aprilhälfte von den Mitgliedstaaten angehört werden, eine Abstimmung ist ab Juli vorgesehen.
Sall tritt gegen drei weitere Bewerberinnen und Bewerber an - allesamt aus Lateinamerika und mit Führungserfahrung in UN-Organisationen -, die António Guterres zum 1. Januar 2027 nachfolgen wollen: Rebeca Grynspan, frühere Vizepräsidentin Costa Ricas; Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA; sowie die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet. Mit Grynspan oder Bachelet könnte zudem erstmalig eine Frau den Spitzenjob ausfüllen - auch dies ist in den UN-Regularien ausdrücklich gewünscht.