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Politik

UN: Haitis Banden sollen keine Waffen bekommen

16. Juli 2022

Der karibische Krisenstaat Haiti wird von schwerer Bandenkriminalität erschüttert, die sich in den vergangenen Monaten nochmals verschärft hat. Der UN-Sicherheitsrat versucht, dem gegenzusteuern.

Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über die Haiti-Resolution
Einstimmig verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution zu Haiti Bild: Eskinder Debebe/UN Photo/Xinhua/IMAGO

Der UN-Sicherheitsrat hat dazu aufgerufen, die Lieferung von kleinkalibrigen Waffen und Munition an "nicht-staatliche Akteure" in Haiti unverzüglich zu stoppen. Die entsprechende Resolution wurde einstimmig in New York angenommen. Sie sieht auch die Möglichkeit vor, Bandenchefs mit individuellen Sanktionen zu belegen. Gleichzeitig beschloss das höchste Gremium der Vereinten Nationen, die UN-Mission in dem von Gewalt und Chaos dominierten Karibikstaat um ein weiteres Jahr bis zum 15. Juli 2023 zu verlängern.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. In den vergangenen Monaten haben Blutvergießen und Entführungen durch kriminelle Clans noch einmal zugenommen. Viele Einwohner versuchen, ihre Heimat zu verlassen.

Polizei-Checkpoint in einem Vorort von Port-au-Prince (Ende Juni)Bild: Jose A. Iglesias/El Nuevo Herald/TNS/abaca/picture alliance

Insbesondere die Hauptstadt Port-au-Prince wird von Gewalt erschüttert. In der großen, dicht besiedelten Armensiedlung Cité Soleil am Rande der Stadt kämpfen zwei verfeindete und schwer bewaffnete Banden um Territorium. Die schlecht ausgerüstete Polizei greift nicht ein. Innerhalb von fünf Tagen wurden nach Angaben der Vereinten Nationen in dem Viertel mindestens 234 Menschen getötet oder verletzt. Sie seien zwischen dem 8. und 12. Juli der grassierenden Bandenkriminalität im Viertel Cité Soleil zum Opfer gefallen, teilte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte mit. Die meisten von ihnen hätten keine direkten Verbindungen zu den Banden gehabt.

"Mindestens 2500 Menschen mussten aufgrund der Kämpfe aus ihren Häusern fliehen", heißt es in einer Mitteilung des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA). Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichten, Tausende von Menschen in dem Viertel hätten kein Trinkwasser, keine Nahrung oder medizinische Versorgung.

Der UN-Sicherheitsrat rief zudem alle politischen Akteure in Haiti zu einem Dialog auf, um dem Land wieder Struktur zu geben. Ein Jahr nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse ist immer noch kein Nachfolger gewählt worden. Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt.

Brennende Barrikaden in Port-au Prince: Einwohner protestierten am Mittwoch gegen den Treibstoffmangel Bild: Georges Harry Rouzier/AA/picture alliance

Im August 2021 erschütterte zudem ein schweres Erdbeben den Süden Haitis. 2200 Menschen kamen ums Leben, Zehntausende Häuser wurden zerstört. Wenige Tage später fegte Tropensturm "Grace" über das betroffene Gebiet. Die Schäden sind nach wie vor nicht beseitigt. Hinzu kommen ein starker Anstieg der Lebensmittelpreise und Treibstoffmangel.

se/AR/jj (afp, ap, dpa, kna)