Ungarn-Wahl: Europa feiert Sieg von Peter Magyar
Veröffentlicht 13. April 2026Zuletzt aktualisiert 13. April 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Außenminister Johann Wadephul haben unmittelbar nach Viktor Orbans Eingeständnis seiner Wahlniederlage in Ungarn dem wahrscheinlichen Nachfolger als Ministerpräsident gratuliert. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa", schrieb Merz auf der Plattform X an die Adresse von Peter Magyar, dessen bürgerliche Tisza-Partei eine deutliche Mehrheit erreicht hat. "Die Menschen in Ungarn haben gewählt. Sie haben sich für den politischen Wandel entschieden", schrieb der CDU-Politiker Wadephul auf X. Er hoffe, "dass das Land jetzt wieder seine großen Chancen in und mit Europa nutzt".
SPD-Chef Lars Klingbeil wertet den Wahlausgang in Ungarn als Sieg für Europa und Niederlage für Kremlchef Wladimir Putin. "Die ungarische Bevölkerung hat sich mit großer Mehrheit für die Demokratie und für Europa entschieden. Das ist eine schwere Niederlage für Putin und für alle, die europäische Demokratien zerstören wollen", teilte Klingbeil mit. Er gratulierte Peter Magyar zu seinem "bedeutenden Wahlerfolg in Ungarn." Man freue sich "auf ein neues Kapitel der europäischen Zusammenarbeit mit Ungarn".
Die EU atmet auf
Der Wahlausgang ist auch für die Europäische Union von Bedeutung, hatte sich Orban doch wiederholt bei Brüsseler Beschlüssen quergestellt. Zahlreiche europäische Politiker hoffen nun auf ein Ende der Blockadehaltung, die unter anderem ein 90 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Kyjiw aufgehalten hatte.
Neben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte bereits auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Peter Magyar zum Wahlsieg. Von der Leyen schrieb auf der Plattform X erfreut: "Ein Land findet zurück auf seinen europäischen Weg." Selenskyj kündigte an, mit Magyar für den Frieden zusammenarbeiten zu wollen.
Auch EU-Ratspräsident António Costa schrieb, er freue sich darauf, eng mit Magyar zusammenzuarbeiten - um Europa stärker und wohlhabender zu machen. "Ungarns Platz ist im Herzen Europas", bekräftigte auch die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.
Der Chef des christdemokratischen Parteienbündnisses EVP im Europäischen Parlament, Manfred Weber, nannte den Wahlerfolg Magyars einen klaren Sieg für die Demokratie in Ungarn und für Europa. Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund sagte, der sich abzeichnende Wahlerfolg Magyars sei das Ende von Orbans "korruptem Mafiastaat". Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb auf der Plattform X ganz einfach: "Willkommen zurück in Europa, Ungarn."
Reaktion aus Moskau, keine aus Washington - nur von Obama
Russland hat mit Zurückhaltung auf die Wahlniederlage von Orban reagiert, der trotz des Ukraine-Kriegs eine enge Beziehung zur Führung in Moskau gepflegt hatte. Man hoffe auf eine Fortsetzung der "pragmatischen Beziehungen" mit der neuen Regierung, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Russland respektiere die Wahlentscheidung des ungarischen Volkes. Zudem sei man an guten Beziehungen zu Ungarn und dem übrigen Europa interessiert. Die Wahl habe nichts mit dem russisch-ukrainischen Konflikt zu tun. Zugleich warnte Peskow, alle Schritte zur Unterstützung der ukrainischen Ambitionen seien für einen Frieden nicht hilfreich.
Eine Reaktion aus Washington blieb bislang indes aus: US-Präsident Donald Trump hatte die guten Beziehungen mit Orban stets gepflegt - auch umgekehrt. Erst in der vergangenen Woche hatte US-Vizepräsident JD Vance Budapest als Wahlkampfhilfe besucht.
Nur der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat den Wahlsieg der Tisza-Partei des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar als wichtiges Ereignis für die Demokratie weltweit gewürdigt. "Der Sieg der Opposition in Ungarn gestern ist - wie auch die Wahl in Polen 2023 - ein Sieg für die Demokratie, nicht nur in Europa, sondern weltweit", schrieb der demokratische Politiker auf der Plattform X. Vor allem sei der Wahlsieg ein Beleg für die Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit der Menschen in Ungarn sowie "eine Mahnung an uns alle, uns weiterhin für Gerechtigkeit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen".
as/pgr (dpa, afp, rtr)