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PolitikGlobal

Ungleiche Verteilung: Todesstrafe und Hinrichtungen weltweit

Marco Müller
29. März 2026

Israel überlegt, die Todesstrafe auszuweiten. Obwohl die Zahl der Länder mit Hinrichtungen sinkt, werden insgesamt mehr Hinrichtungen registriert. Ein Überblick, wo Todesstrafen verhängt und wo sie vollstreckt werden.

USA Hinrichtungszelle in Texas
Blick in eine Hinrichtungszelle im US-Bundesstaat TexasBild: epa/afp/dpa/picture alliance

In Israel wird darüber diskutiert, die Todesstrafe für verurteilte Terroristen einzuführen. Die Todesstrafe gibt es zwar bereits in Israel, sie findet aber keine Anwendung. Werden die Gesetzesentwürfe beschlossen, würde sich das ändern. Damit würde Israel sich dem allgemeinen Trend zur Abschaffung der Todesstrafe entgegenstellen. Denn immer mehr Länder sprechen sich dagegen aus. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) haben insgesamt 113 Länder die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Hinzu kommen Staaten, die sie für gewöhnliche Straftaten abgeschafft haben, sie aber beispielsweise im Bereich der Militärgerichtsbarkeit noch verhängen können. In anderen Staaten gilt ein Moratorium für Todesstrafen.

2024 wurden, basierend auf dem aktuellsten Jahresbericht von Amnesty, in 46 Ländern mehr als 2000 Todesurteile ausgesprochen. Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede. In Europa und Zentralasien verhängte nur Belarus die Todesstrafe - und das auch lediglich in einem Fall. In Nord- und Südamerika waren es nur die USA (26) sowie Trinidad und Tobago (1).

Die meisten Todesurteile im Raum Asien-Pazifik

In Subsahara-Afrika wurde die Todesstrafe einige hundert Male verhängt - in insgesamt 14 Ländern. Im Nahen Osten und Nordafrika lag die Zahl bei fast 800, verteilt auf neun Länder. In dieser Region haben Nigeria mit mehr als 180 und die Demokratische Republik Kongo mit über 125 die mit Abstand meisten Todesurteile ausgesprochen.

Im Raum Asien-Pazifik gab es insgesamt die höchste Zahl von Todesurteilen - deutlich über 800. In jeweils dreistelliger Höhe wurden sie verhängt in Bangladesch, Indien, Pakistan, Thailand und Vietnam. Die Zahlen lassen sich meist nicht exakt feststellen. Aus einigen Ländern gibt es gar keine Zahlen. Dazu gehören Afghanistan, China und Nordkorea.

Die Zahl der registrierten Todesurteile insgesamt ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr von rund 2400 auf knapp unter 2100 zurückgegangen. Insgesamt schwankt die Zahl im Zehnjahreszeitraum von 2014 bis 2024 immer um die 2000 - mit einem Höchstwert von rund 3100 im Jahr 2016 und einem Tiefstwert von knapp 1500 im Jahr 2020.

Verhängung von Todesurteilen vs. Durchführung 

Allerdings darf man die Verhängung von Todesurteilen nicht gleichsetzen mit der Durchführung. Todesurteile werden nicht immer vollstreckt. Gleichzeitig können aber auch Hinrichtungen durchgeführt werden, die bereits vor langer Zeit beschlossen wurden. Daher gibt es einen großen Unterschied zwischen der Zahl der Todesurteile und der Zahl der durchgeführten Hinrichtungen.

Im Iran wurden nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) 2025 mindestens 1500 Menschen hingerichtet, laut der Organisation der höchste Wert seit 35 Jahren. Auch in Saudi-Arabien war die Zahl der Hinrichtungen 2025 hoch. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden dort mindestens 356 Menschen hingerichtet. In den USA gab es laut den Vereinten Nationen 2025 mit 47 höchste Zahl seit 16 Jahren.

Washington, D.C.: In den USA protestieren Menschen gegen Hinrichtungen im IranBild: Allison Bailey/NurPhoto/IMAGO

Wenn man einen Blick auf die letzten zehn Jahre wirft, zeigt sich, dass sich die Zahl der Todesurteile und die Zahl der tatsächlich durchgeführten Hinrichtungen sehr unterschiedlich entwickelt haben. Während es bei der Anzahl der Todesurteile nach Daten von Amnesty International seit Jahren größere Schwankungen nach oben und unten gibt und es 2024 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang gab, lässt sich bei den durchgeführten Hinrichtungen eine Trendumkehr beobachten. Nach dem Höchststand von 1634 Hinrichtungen im Jahr 2015 sank die Zahl in jedem folgenden Jahr bis zum Tiefststand 2020 mit "nur" noch 483 Hinrichtungen. 

Allerdings lässt sich seit 2020 in jedem Jahr ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr erkennen. Von 483 Hinrichtungen ging es hoch bis auf 1518 im Jahr 2024. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl also mehr als verdreifacht und liegt nur knapp unter dem Höchststand von 2015.

Wenn der Amnesty-Bericht für das Jahr 2025 erscheint, werden die Zahlen wohl noch deutlich höher sein, wenn man die Zahlen anderer Organisationen zu Grunde legt, wonach allein im Iran 2025 mindestens 1500 Menschen hingerichtet wurden.

Weniger Länder - mehr Hinrichtungen

Insgesamt lässt sich festhalten, dass zwar die Zahl der Länder, die Todesstrafen verhängen, zurückgeht, die durchgeführten Hinrichtungen aber stetig zunehmen. Es sind also wenige Länder, die viele Menschen hinrichten. Laut Amnesty International lag China mit tausenden hingerichteten Menschen im Jahr 2024 auf Platz eins. Die Zahlen für China sind geschätzt, da sie von der chinesischen Regierung unter Verschluss gehalten werden.

Iran lag mit mindestens 972 Hinrichtungen auf Platz zwei, Saudi-Arabien mit mindestens 345 auf Platz drei. Bei den weiteren Ländern liegen die Hinrichtungen im zwei- oder einstelligen Bereich. Keine Zahlen liegen für Afghanistan, Nordkorea, Syrien und Vietnam vor. Sie verhängen Todesstrafen, aber in welchem Umfang, ist nicht klar.

Ob die Zahl der Hinrichtungen auch 2026 weiter steigt, ist derzeit noch nicht abzusehen. Aber allein der Blick auf Iran und das Vorgehen des dortigen Regimes gegen Demonstranten, legt die Vermutung nahe, dass dort die Zahlen nicht sinken werden. Und auch in den meisten anderen Ländern, die Menschen hinrichten, ist derzeit keine Entspannung erkennbar.

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