Stürme waren 2025 die häufigste Ursache dafür, dass Schüler nicht wie gewohnt lernen konnten. Aber auch Überschwemmungen und Hitzewellen brachten die Unterrichtspläne durcheinander.
Schüler in der Provinz Nampula im südostafrikanischen Mosambik (Symbolbild)Bild: Sitoi Lutxeque/DW
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Wegen extremer Wetterereignisse - vor allem Stürme, Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände - ist im vergangenen Jahr weltweit jedes zehnte Schulkind von Unterrichtsausfall betroffen gewesen. Laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF waren dies 171 Millionen Kinder vom Vorschulalter bis zur Oberstufe. Dabei bestehe für Mädchen ein größeres Risiko, für immer aus dem Bildungssystem herauszufallen.
Für die Analyse wurden Daten aus 106 Ländern oder Gebieten ausgewertet. Klimabedingte Ereignisse hatten demnach zur Folge, dass der Unterricht verkürzt wurde, nur online stattfand oder ganz ausfiel, dass Schulen beschädigt wurden, Anwesenheitsquoten sanken und das Risiko eines Schulabbruchs stieg.
Der Analyse zufolge waren Stürme im vergangenen Jahr die häufigste Ursache für Schulunterbrechungen. Sie beeinträchtigten 109 Millionen Schüler weltweit. Für Überschwemmungen wird die Zahl auf mindestens 70 Millionen geschätzt, für Hitzewellen auf etwa 50 Millionen.
Oft fehlen Geld und Technik für Ersatzlösungen
UNICEF zufolge leiden zwar Kinder von Eltern aller Einkommensstufen unter solchen Naturereignissen, drei Viertel von ihnen lebten aber in Ländern, in denen oft die notwendigen Ressourcen fehlten, um das Lernen während klimabedingter Notfälle sicherzustellen. Beispielsweise seien 2025 rund 280.000 Schulkinder in Madagaskar mit Dürren, tropischen Wirbelstürmen und Überschwemmungen konfrontiert gewesen.
Durch die Sturzfluten in Nepal im August wurde auch dieses Klassenzimmer völlig verwüstet (Archivbild)Bild: Athit Perawongmetha/REUTERS
In Pakistan habe sich die Rückkehr in die Schule im August für mehr als 28 Millionen Schüler wegen schwerer Monsunüberschwemmungen verzögert. Aber auch in Spanien waren mehr als 500.000 Schüler in der Region Valencia im März von Stürmen und im September vom posttropischen Zyklon "Gabrielle" betroffen. Für Tausende Kinder und Jugendliche im restlichen Land führte extreme Hitze im Mai und Juni zu Unterrichtsausfällen. Im Oktober beeinträchtigte der Sturm "Alice" den Schulbetrieb.
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200 Milliarden Dollar an Lebensarbeitseinkommen bedroht
UNICEF verwies darauf, dass Lernverluste und höhere Abbruchquoten die Arbeitsproduktivität verringern, das Wirtschaftswachstum verlangsamen und den Kampf gegen Armut in den Ländern erschweren könnten. Falls nichts unternommen werde, liege der potenzielle Verlust an Lebensarbeitseinkommen für die Schüler, deren Unterricht 2025 klimabedingt unterbrochen wurde, insgesamt bei mindestens 200 Milliarden Dollar (mehr als 171 Milliarden Euro), warnen die Autoren des Berichts.
Oft beteiligen sich Mädchen an der Wasserbeschaffung, wo es an Trinkwasserleitungen fehlt (Archivbild)Bild: Aijaz Rahi/AP Photo/picture alliance
Dass Mädchen einem größeren Risiko ausgesetzt seien, die Schule abzubrechen, wenn wegen Klimaereignissen der Schulbetrieb pausiere oder die Schule schließe, liege daran, dass ihnen oft zusätzliche Aufgaben im Haushalt oder bei der Wasserbeschaffung aufgebürdet würden, sobald es Verluste beim Familieneinkommen gebe.
Am Tonle Sap in Kambodscha kämpfen Kinder um ihre Zukunft. Klimawandel, Dürren und unberechenbare Fluten machen den Schulweg gefährlich. Steigende Spritpreise verschärfen die Not - manche Schüler müssen arbeiten.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Schulweg über das Wasser
Morgens tuckern Motorboote durch Kampong Prahok. Schüler steuern die Boote zur Schule. Weitere Kinder in Schuluniform steigen zu und achten darauf, ihre Rucksäcke trocken zu halten. Straßen gibt es hier kaum. Doch der Klimawandel macht den täglichen Schulweg zunehmend unberechenbar: Dürren und Überschwemmungen verändern den See. Bereits zehn Schüler seien ertrunken, berichten Lehrer.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Ein Traum trotz Rückstand
Sou Sreynich ist 13 und möchte Lehrerin werden. Doch ihr Weg dorthin begann spät: Erst mit zehn Jahren betrat sie erstmals ein Klassenzimmer. Ihre Mutter wartete, bis das Mädchen schwimmen konnte. Zu groß war die Angst, dass das Boot zur Schule kentern könnte. Am größten See Südostasiens entscheidet damit schon der Schulweg über das Wasser darüber, wann ein Kind lernen darf.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Lernen kostet hier mehr
Auf dem Tonle Sap muss alles und jeder mit dem Boot transportiert werden - Lehrer, Schüler, Lebensmittel und Unterrichtsmaterial. Steigende Energiepreise aufgrund des Iran-Kriegs treffen die abgelegenen Gemeinden besonders hart. Auch der Betrieb der Schule wird immer teurer. "Allein der Strom kostet zehnmal mehr", sagt Samphors Vorn von der Hilfsorganisation Aide et Action.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Wenn Schule zu teuer wird
Sreynichs Familie lebt hauptsächlich vom Fischfang, verdient zusätzlich Geld beim Pflücken von Chilischoten und Ausnehmen fremder Fische. Steigende Treibstoffpreise machen Fahrten in tiefere, fischreichere Gewässer zu teuer. Fehlt das Einkommen, muss Sreynich manchmal die Schule ausfallen lassen und ihren Eltern helfen. "Ich möchte meine Ausbildung abschließen", sagt sie.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Schwimmende Dörfer
Der Tonle Sap ist Lebensraum, Verkehrsweg und Existenzgrundlage zugleich. Doch immer unberechenbarere Hochwasser und Dürren verändern den größten Süßwassersee Südostasiens. Für Familien bedeutet das nicht nur weniger Sicherheit auf dem Schulweg. Auch der Fischfang, von dem viele Bewohner leben, gerät unter Druck. Für Kinder wächst damit die Gefahr, dass Armut ihre Bildung beendet.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Armut bedroht die Bildung
Für ohnehin arme Familien wird jeder neue Preisaufschlag zur Zerreißprobe. Bezahlen sie Lebensmittel und Treibstoff? Können sie alle Kinder weiter zur Schule schicken? Sabrina Hervey von Education Above All warnt, die wirtschaftliche Krise könne Millionen Schüler aus den Klassenzimmern drängen oder ihre Einschulung verhindern.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Mädchen tragen mehr Risiko
Vor allem die Mädchen riskieren in wirtschaftlichen Krisen, ihre Bildungschancen zu verlieren. In Teilen Südasiens bevorzugen Familien bei knappen Mitteln oft die Ausbildung ihrer Söhne, warnt Arshad Malik von Save the Children. Schulabbrüche erhöhen zudem das Risiko früher Ehen. Finanzielle Not kann so den Lebensweg eines Kindes dauerhaft verändern.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
Sreynichs Kampf um Zukunft
Für Sreynich beginnt die Zukunft jeden Morgen am Ufer. Sie muss ins Boot steigen, obwohl der See gefährlicher und das Leben ihrer Familie teurer wird. Klimawandel, schwankende Wasserstände und Armut greifen hier ineinander. Trotzdem hält die 13-Jährige an ihrem Wunsch fest: lernen, die Schule abschließen und Lehrerin werden. Jeder Unterrichtstag bringt sie diesem Traum ein Stück näher.
Bild: Anton L. Delgado/AP Photo/picture alliance
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Bildungssysteme müssten deshalb klimaresilienter gemacht werden, damit Kinder auch in Notlagen weiterlernen könnten, verlangt UNICEF. Dafür müsse national und international mehr Geld bereitgestellt werden.
Bündnis: Kindeswohl zum Maßstab der Klimapolitik machen
Unterdessen forderten 81 Organisationen in Deutschland den Bund, die Länder und die Kommunen auf, das Kindeswohl zum Maßstab ihrer Klima- und Anpassungspolitik zu machen. Kinder und Jugendliche müssten an allen Entscheidungen beteiligt werden, erklärte die Präsidentin des Kinderschutzbundes, Sabine Andresen. Die Unterzeichner des Positionspapiers, zu denen Save the Children, Fridays for Future, Greenpeace und der Paritätische Gesamtverband zählen, pochen auf verbindliche Hitzeschutzkonzepte für Schulen sowie gesunde und klimaresilente Lebensräume für Kinder.