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PolitikGlobal

UNICEF: Klimabedingter Schulausfall trifft jedes zehnte Kind

10. September 2026

Stürme waren 2025 die häufigste Ursache dafür, dass Schüler nicht wie gewohnt lernen konnten. Aber auch Überschwemmungen und Hitzewellen brachten die Unterrichtspläne durcheinander.

Mosambik Nampula 2026 | Schüler stehen mit dem Rücken zum Fotografen vor einem Gebäude, viele von ihnen tragen Rucksäcke
Schüler in der Provinz Nampula im südostafrikanischen Mosambik (Symbolbild)Bild: Sitoi Lutxeque/DW

Wegen extremer Wetterereignisse - vor allem Stürme, Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände - ist im vergangenen Jahr weltweit jedes zehnte Schulkind von Unterrichtsausfall betroffen gewesen. Laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF waren dies 171 Millionen Kinder vom Vorschulalter bis zur Oberstufe. Dabei bestehe für Mädchen ein größeres Risiko, für immer aus dem Bildungssystem herauszufallen.

Für die Analyse wurden Daten aus 106 Ländern oder Gebieten ausgewertet. Klimabedingte Ereignisse hatten demnach zur Folge, dass der Unterricht verkürzt wurde, nur online stattfand oder ganz ausfiel, dass Schulen beschädigt wurden, Anwesenheitsquoten sanken und das Risiko eines Schulabbruchs stieg.

Der Analyse zufolge waren Stürme im vergangenen Jahr die häufigste Ursache für Schulunterbrechungen. Sie beeinträchtigten 109 Millionen Schüler weltweit. Für Überschwemmungen wird die Zahl auf mindestens 70 Millionen geschätzt, für Hitzewellen auf etwa 50 Millionen.

Oft fehlen Geld und Technik für Ersatzlösungen

UNICEF zufolge leiden zwar Kinder von Eltern aller Einkommensstufen unter solchen Naturereignissen, drei Viertel von ihnen lebten aber in Ländern, in denen oft die notwendigen Ressourcen fehlten, um das Lernen während klimabedingter Notfälle sicherzustellen. Beispielsweise seien 2025 rund 280.000 Schulkinder in Madagaskar mit Dürren, tropischen Wirbelstürmen und Überschwemmungen konfrontiert gewesen.

Durch die Sturzfluten in Nepal im August wurde auch dieses Klassenzimmer völlig verwüstet (Archivbild)Bild: Athit Perawongmetha/REUTERS

In Pakistan habe sich die Rückkehr in die Schule im August für mehr als 28 Millionen Schüler wegen schwerer Monsunüberschwemmungen verzögert. Aber auch in Spanien waren mehr als 500.000 Schüler in der Region Valencia im März von Stürmen und im September vom posttropischen Zyklon "Gabrielle" betroffen. Für Tausende Kinder und Jugendliche im restlichen Land führte extreme Hitze im Mai und Juni zu Unterrichtsausfällen. Im Oktober beeinträchtigte der Sturm "Alice" den Schulbetrieb.

200 Milliarden Dollar an Lebensarbeitseinkommen bedroht

UNICEF verwies darauf, dass Lernverluste und höhere Abbruchquoten die Arbeitsproduktivität verringern, das Wirtschaftswachstum verlangsamen und den Kampf gegen Armut in den Ländern erschweren könnten. Falls nichts unternommen werde, liege der potenzielle Verlust an Lebensarbeitseinkommen für die Schüler, deren Unterricht 2025 klimabedingt unterbrochen wurde, insgesamt bei mindestens 200 Milliarden Dollar (mehr als 171 Milliarden Euro), warnen die Autoren des Berichts.

Oft beteiligen sich Mädchen an der Wasserbeschaffung, wo es an Trinkwasserleitungen fehlt (Archivbild)Bild: Aijaz Rahi/AP Photo/picture alliance

Dass Mädchen einem größeren Risiko ausgesetzt seien, die Schule abzubrechen, wenn wegen Klimaereignissen der Schulbetrieb pausiere oder die Schule schließe, liege daran, dass ihnen oft zusätzliche Aufgaben im Haushalt oder bei der Wasserbeschaffung aufgebürdet würden, sobald es Verluste beim Familieneinkommen gebe.

Bildungssysteme müssten deshalb klimaresilienter gemacht werden, damit Kinder auch in Notlagen weiterlernen könnten, verlangt UNICEF. Dafür müsse national und international mehr Geld bereitgestellt werden.

Bündnis: Kindeswohl zum Maßstab der Klimapolitik machen

Unterdessen forderten 81 Organisationen in Deutschland den Bund, die Länder und die Kommunen auf, das Kindeswohl zum Maßstab ihrer Klima- und Anpassungspolitik zu machen. Kinder und Jugendliche müssten an allen Entscheidungen beteiligt werden, erklärte die Präsidentin des Kinderschutzbundes, Sabine Andresen. Die Unterzeichner des Positionspapiers, zu denen Save the Children, Fridays for Future, Greenpeace und der Paritätische Gesamtverband zählen, pochen auf verbindliche Hitzeschutzkonzepte für Schulen sowie gesunde und klimaresilente Lebensräume für Kinder.

jj/pgr (dpa, afp, kna)

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