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ReiseSpanien

Urlaub: Mallorca rüstet sich für den Ansturm der Touristen

7. April 2025

Kurz vor Beginn der Hauptsaison wächst auf der spanischen Insel der Unmut über die negativen Folgen des Massentourismus. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Auf Mallorca protestieren Tausende gegen den Massentourismus in Palmas Innenstadt, Spanien
Tausende zogen am Samstag durch Palmas Innenstadt, um gegen Wohnungsnot auf Mallorca zu demonstrierenBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

Noch haben die Möwen den Strand an der Playa de Palma fast ganz für sich alleine. Träge blinzeln die Vögel in die Frühlingssonne und nur hin und wieder heben sie kreischend ab, wenn ihnen einer der wenigen Strandbesucher zu nahe gekommen ist. Die wichtigste Urlaubermeile der spanischen Mittelmeerinsel erwacht erst ganz allmählich aus dem Winterschlaf.

Ein paar Kilometer weiter im Zentrum Palmas aber geht es hoch her. Tausende Demonstranten zogen am vergangenen Wochenende durch die Straßen der Inselhauptstadt. Ihre Hauptforderung: bezahlbarer Wohnraum. Mehr als 60 Organisationen hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen, bei dem auch das aktuelle Tourismusmodell in der Kritik stand. Ferienvermietung und ausländische Immobilienkäufer hätten eine Mitschuld daran, dass immer mehr Einheimische Schwierigkeiten haben, die Preise auf dem Wohnungsmarkt zu bezahlen. In den vergangenen Tagen tauchten an mehreren Immobilienbüros der Insel Graffiti auf, die Unbekannte dort hinterlassen hatten. "Ihr seid schuld!", stand dort in großen Buchstaben zu lesen.

Mietwohnungen erst ab 1200 Euro

"Wohnraum ist zum Spekulationsobjekt geworden", sagt Carme Reynés, eine der Mitorganisatorinnen der Demonstration. Sie stammt aus dem kleinen Ort Sencelles, wo man derzeit keine einzige Mietwohnung für weniger als 1200 Euro finde. Da das für die meisten Normalverdiener nicht zu bezahlen ist, teilten sich immer mehr Menschen eine Wohnung. "Ich weiß von ganzen Familien, die in einem einzigen Zimmer leben." Gleichzeitig gebe es in Sencelles 180 Wohnungen und Häuser, die zur Ferienvermietung genutzt werden. "Immer mehr Leute verlassen die Insel, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können", sagt Reynés.

Bereits vor einigen Wochen hatte ein offener Brief einer Reihe von Bürgervereinigungen für Wirbel gesorgt, in dem sich die Unterzeichner ganz direkt an die Urlauber richteten: "Die Einheimischen sind wütend und nicht mehr gastfreundlich, weil man die Insel, die wir lieben, zerstört – und weil viele gezwungen sind, wegzuziehen, weil Mallorca unbewohnbar wird", heißt es darin. "Wir brauchen keine weiteren Touristen – Ihr seid die Ursache unseres Problems. Bleibt zu Hause!"


13 Millionen Urlauber kamen im vergangenen Jahr nach Mallorca. Das Bergdorf Valldemossa gehört zu den meistbesuchten OrtenBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

Die Insel steuert auf einen Touristenrekord zu

Mallorca ist seit Jahren eines der gefragtesten Reiseziele in Spanien und ganz Europa, insbesondere unter Deutschen und Briten, die dort Sonne, Strand und Meer genießen. Mehr als 13 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr auf die Insel – so viele wie noch nie. In diesem Jahr werden es wohl noch mehr sein. Dabei reichen die natürlichen Ressourcen der Insel schon längst nicht mehr aus: Ohne die Entsalzungsanlagen etwa gäbe es schon seit vielen Jahren nicht genügend Trinkwasser. In den Sommermonaten sind viele Strände, Straßen und Städte hoffnungslos überfüllt. Auch die Regionalregierung hat mittlerweile erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. "Der Moment ist gekommen, Grenzen zu setzen", sagte Ministerpräsidentin Marga Prohens bereits vor einem Jahr. "Wir können nicht endlos weiterwachsen."

Drastische Maßnahmen aber scheut die konservative Regierung. Zuletzt kündigte sie zwar eine moderate Anhebung der Übernachtungssteuer an, eine Sonderabgabe für Mietwagen und strengere Regeln für die Ferienvermietung, aufgrund fehlender Mehrheiten im Parlament aber kann davon zumindest kurzfristig wohl nichts umgesetzt werden. Stattdessen reisten balearische Spitzenpolitiker auch diesmal wieder zu den einschlägigen Tourismusmessen, um die Inseln zu bewerben und neue Märkte zu erschließen. So baut etwa die Fluggesellschaft United Airlines ihre seit 2022 bestehende Direktverbindung zwischen New York und Mallorca in diesem Jahr weiter aus.

United Airlines verbindet New York mit Palma. Hier die erste Landung auf Mallorca im März 2022Bild: Thomas Reiner/picture alliance

Hoffen auf die US-Amerikaner

Während das für die Demonstranten in Palma nur ein weiterer Hinweis ist, dass es den Politikern keineswegs ernst ist mit der Begrenzung des Massentourismus, hofft Mika Ferrer auf mehr zahlungskräftige Kundschaft aus den USA. Ferrer ist Gastronom und Vorsitzender der Qualitätsoffensive Palma Beach. Er will aus der Playa de Palma, die wegen des Party- und Sauftourismus immer wieder Negativschlagzeilen produziert, eine schicke Destination machen. "US-Amerikaner konsumieren viel und geben im Urlaub reichlich Geld aus", sagt er. Solche Touristen sind ihm lieber, als die übliche Klientel, die nur zum Party machen kommt, sich im Supermarkt mit billigem Alkohol eindeckt und dann betrunken daneben benimmt.

Die Stadt Palma versucht seit vielen Jahren, ihre wichtigste Urlaubermeile aufzuwerten. Bislang waren alle Bemühungen vergeblich. Das soll in diesem Sommer anders sein. Bürgermeister Jaime Martínez kündigte in der vergangenen Woche ein umfassendes Sicherheitskonzept an, das Exzesse wie in der Vergangenheit künftig verhindern soll. Die Zahl der Polizisten an der Playa de Palma wird massiv aufgestockt, es gibt Videoüberwachung und Drohnen, die die Beamten bei der Strafverfolgung unterstützen. Die Einhaltung der Benimmregeln, die es bereits seit Jahren gibt, soll nun tatsächlich kontrolliert werden. Unter anderem sind Besäufnisse in der Öffentlichkeit nicht gestattet.

Der "Bierkönig" ist eines der Zentren des deutschen Partytourismus auf MallorcaBild: Joerg Niebergall/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Zumindest an der Playa de Palma will man dem Tourismus künftig also klare Grenzen setzen.

Von all dem bekommen die Möwen an dem kilometerlangen Sandstrand nichts mit. Sie genießen weiterhin die Ruhe – es ist die Ruhe vor dem Sturm.

 

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