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Russische Hacker attackieren JPMorgan

28. August 2014

Kriminelle Internetspezialisten haben sich mit einer raffinierten Methode Zugang zu sensiblen Daten der US-Großbank JPMorgan verschafft. Die Drahtzieher des Coups sitzen wohl in Russland. Mögliches Motiv: Rache.

JP Morgan Chase Hauptsitz in New York
Bild: Timothy A. Clary/AFP/GettyImages

Der "Überfall" ereignete sich Medienberichten zufolge schon Mitte August. Wie der Wirtschaftsnachrichtendienst "Bloomberg News" meldet, wurden die Computersysteme der US-Großbank JPMorgan Chase von russischen Hackern angegriffen. Die Beute: Vertrauliche Daten in der Größenordnung von Gigabytes.

Bloomberg beruft sich auf mehrere anonyme Informanten, die mit den Ermittlungen vertraut sind. Demnach hat sich mittlerweile auch die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet. Es werde geprüft, ob es sich bei der Attacke möglicherweise um eine Vergeltung Russlands für die US-Sanktionen gegen Moskau im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise handelt.

Zero-Day-Attack

In einem Fall soll es sich um eine sogenannte "Zero-Day-Attack" gehandelt haben: Die Hacker nutzen dabei eine Sicherheitslücke in einer neuen Software aus, ehe es dafür Sicherheits-Updates gibt.

Die Bundespolizei FBI ermittelt gegen die unbekannten HackerBild: picture-alliance/dpa

Die Ermittler prüfen, ob der Angriff auf JPMorgan Chase möglicherweise in einem Zusammenhang mit Attacken der letzten Zeit auf europäische Großbanken steht. Die Hacker sollen den Angaben zufolge "äußerst versiert" sein, sonst hätten sie nicht die ausgeklügelten Sicherheitssysteme der Bank überwinden können. Eine der anonymen Quellen sagte, dieses Vorgehen sei weit über dem Level von gewöhnlichen Internetkriminellen. Die US-Sicherheitsdienste hätten Spuren gefunden, die auf die Verwicklung einer Regierung hindeuteten, seien sich aber noch nicht sicher. Nun soll auch die NSA bei der Aufklärung mithelfen, hieß es.

"Leider ganz normal"

Eine Sprecherin von JPMorgan Chase wollte sich nicht zu dem konkreten Fall äußern, sagte aber, Unternehmen dieser Größe seien "leider fast täglich Ziel von Cyberattacken". Es gebe mehrere Sicherheitsstufen, mit denen man sich gegen solche Angriffe wehren und Betrugsversuche verhindern könne.

Russische Kritik

JPMorgan hatte sich im April dieses Jahres den Unmut Russlands zugezogen, als die US-Bank sich weigerte, die Zahlung einer russischen Botschaft an eine von den USA sanktionierten Bank zu veranlassen. Russlands Außenministerium nannte die Entscheidung "illegal und absurd". Auch russische Kommentatoren überhäuften die New Yorker Bank mit Kritik.

Russland hat in der Vergangenheit mehrfach Cyberattacken als Druckmittel eingesetzt. In den Konflikten mit den ehemaligen Sowjetrepubliken Estland und Georgien brachten Hacker die Kommunikationssysteme der Länder und die Internetseiten der jeweiligen Regierungen zum Zusammenbrechen.

"Russland hat durchaus eine Strategie solcher Vergeltungsschläge im Zusammenhang mit politischen Entwicklungen", sagte der Internetexperte John Hultquist Bloomberg News. Allerdings würden die Attacken in Ländern außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs Moskaus vermutlich noch mehr im Geheimen ausgeführt, so der Experte, der sich aber ausdrücklich nicht über den aktuellen Fall äußern wollte.

Nach Ansicht des Direktors des Zentrums für strategische und internationale Studien in Washington, James Lewis, wird jedoch jegliche US-Reaktion auf den Angriff sehr verhalten ausfallen, selbst wenn sich eine direkte Verbindung nach Russland ergeben sollte. Eine militärische Reaktion komme erst in Frage, so Lewis, wenn es um massiven wirtschaftlichen Schaden oder den Verlust von Menschenleben gehe.

mak/se (rtr, dpa, afp, bloomberg)

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