US-Midterms: Sieg der Demokraten auf ganzer Linie
Veröffentlicht 4. November 2026Zuletzt aktualisiert 4. November 2026
Bei den Kongresswahlen in den USA haben die Demokraten in beiden Kammern - dem Senat und dem Repräsentantenhaus - die Mehrheit gewonnen. Auch bei den Gouverneurswahlen liegen die Demokraten vorne.
Zum ersten Mal seit 2010 stellen sie damit in mehr Bundesstaaten einen Gouverneur oder eine Gouverneurin als die Republikaner. Damit erlebt die Partei von US-Präsident Donald Trump eine historische Niederlage.
Neu vergeben wurden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze. Die Republikaner hatten bislang beide Kammern kontrolliert.
Nach derzeitigem Auszählungsstand haben die Demokraten im Senat 54 Sitze, zehn mehr als die Republikaner, für zwei Bundesstaaten fehlen noch die Ergebnisse. Im Repräsentantenhaus kommen die Demokraten bislang auf 228 gegenüber von 139 Sitzen der Republikaner. Hier sind noch 68 Sitze offen.
Vor zwei Jahren kehrte Donald Trump zurück ins Weiße Haus, die Ergebnisse der Zwischenwahlen werden auch als Votum über seine Politik gewertet. Er kündigte an, die Ergebnisse anzuerkennen.
"Ich bin absolut bereit, diese Ergebnisse zu akzeptieren", sagte er der New York Times. Er "freue" sich auf die Kooperation mit den Demokraten. Allerdings machte der US-Präsident noch in der Wahlnacht deutlich, dass er Gesetzesvorhaben der Demokraten mit seinem Veto blockieren dürfte.
Demokraten erobern republikanische Hochburgen
Für den Machtwechsel im Senat waren die Demokraten auf Erfolge in bislang republikanisch kontrollierten Bundesstaaten angewiesen. Einen ersten wichtigen Sieg erzielte der frühere Gouverneur Roy Cooper in North Carolina. In South Carolina gewann mit der Kinderärztin Annie Andrews erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder eine Demokratin einen Senatssitz.
In Texas setzte sich der 37-jährige Demokrat James Talarico gegen den Republikaner Ken Paxton durch. Erstmals seit mehreren Jahrzehnten wird der Bundesstaat damit wieder von einem Demokraten im Senat vertreten. Paxton war von Trump unterstützt worden. Tech-Milliardär Elon Musk hatte mehr als 150 Millionen Dollar für dessen Wahlkampf bereitgestellt.
Auch in Kansas gelang den Demokraten ein historischer Erfolg. Erstmals seit 94 Jahren gewann die Partei dort wieder einen Senatssitz. Adam Hamilton setzte sich gegen den Republikaner Roger Marshall durch. Weitere bislang republikanische Mandate gingen unter anderem in Ohio verloren.
Im Bundesstaat Michigan setzte sich der Demokrat Abdul El-Sayed bei der Wahl um einen Senatssitz durch. Der wiederholt von Präsident Donald Trump scharf attackierte 42-Jährige gewinnt demnach gegen den Republikaner Mike Rogers. Damit ist El-Sayed der erste muslimische US-Senator.
Sein Sieg dürfte dem linken Flügel der Demokraten mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 einen Schub geben. Seine innerparteiliche Herausforderin für die Kandidatur, Haley Stevens, hatte wenige Tage vor der Wahl angekündigt, den Republikaner Rogers zu unterstützen.
Deutliche Mehrheit auch im Repräsentantenhaus
Im Repräsentantenhaus konnten die Demokraten ebenfalls Sitze hinzugewinnen. "Amerika ist zurück", jubelte der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries. Die Anhänger des Präsidenten seien "auf der Flucht".
Mindestens 25 bislang republikanische Wahlkreise wechselten die Partei, darunter in Pennsylvania, North Carolina, New Jersey und Kentucky. In Iowa übernahmen die Demokraten drei von vier Sitzen, die zuvor nur von Republikanern besetzt waren.
Mehr Kontrolle über Trumps Regierung
Der Machtwechsel dürfte das Regieren für Trump erheblich erschweren. Mit der Mehrheit im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren und bei Haushaltsverhandlungen Zugeständnisse erzwingen.
Zudem könnten sie Untersuchungen gegen Trump und seine Regierung einleiten. Mögliche Themen sind die Geschäfte der Trump-Familie, das teils tödliche Vorgehen von Einwanderungsbeamten bei Razzien und umstrittene Bauprojekte in Washington.
Der führende Demokrat Hakeem Jeffries könnte der erste schwarze Vorsitzende des Repräsentantenhauses werden. Auch ein erneutes Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wäre möglich. Für eine tatsächliche Amtsenthebung wäre im Senat allerdings eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Zwei solche Verfahren waren bereits während Trumps erster Amtszeit gescheitert.
Junge Wähler und Latinos
Donald Trump hatte die Parlamentswahlen zu einer Abstimmung über sich selbst gemacht - für die Republikaner war dies offensichtlich eine schwere Hypothek. Einige Wählergruppen scheinen dem Präsidenten besonders geschadet zu haben.
Viele hispanische Wähler stimmten für demokratische Kandidaten und deren Einzug ins Repräsentantenhaus. Fast zwei Drittel der Stimmen von Hispanics, also US-Bürgern mit Wurzeln in spanischsprachigen Ländern, entfielen den Angaben nach auf demokratische Kandidaten für diese Parlamentskammer. Auch junge Wähler entschieden sich mehrheitlich für die Demokraten.
Weiße Männer wählen weiterhin mehrheitlich republikanisch
Die Republikaner stellen weiterhin die Mehrheit der weißen männlichen Wähler. 55 % der befragten weißen Männer stimmten für die Republikaner. Am anderen Ende des Spektrums stehen schwarze Frauen: 92 % von ihnen wählten die Demokraten.
Bemerkenswert ist, dass bei dieser Wahl sowohl unter Latino-Männern als auch unter Latino-Frauen die Mehrheit für die Demokraten stimmte. Vor zwei Jahren hatten Latinos einen großen Anteil an den Stimmen, die Trump zu seiner zweiten Amtszeit im Weißen Haus verhalfen.
Die Daten zu den demografischen Merkmalen und Einstellungen der Wähler basieren auf einer repräsentativen Befragung von nahezu 80.000 verifizierten Wählern, die vom Umfrage- und Marktforschungsinstitut SSRS im Auftrag der Nachrichtenagentur AP und weiterer Medienorganisationen durchgeführt wurde.
Wie haben die Wähler auf die Außenpolitik geschaut?
Entgegen bisheriger Erfahrungen bei den Kongresswahlen hat die Außenpolitik diesmal eine große Rolle gespielt. Der Iran-Krieg, der vor allem die Spritpreise in den USA in die Höhe getrieben hat, und die Unterstützung für Israel waren herausragende Themen im Wahlkampf.
US-Präsident Donald Trump hat allerdings eingeräumt, dass der Iran-Krieg eine Rolle bei den Verlusten seiner Republikaner bei den Kongresswahlen gespielt hat. Der Krieg habe den republikanischen Kandidaten zu schaffen gemacht, sagte Trump in einem Interview des US-Senders Fox News.
Die Wähler hätten sein Vorgehen in dem Konflikt jedoch grundsätzlich unterstützt. "Ich denke, ein Teil davon war der Iran, aber gleichzeitig haben die Menschen die Bedeutung dessen verstanden, was ich im Iran getan habe", sagte er.
Historische Gouverneurswahl in Georgia
Auch bei den Gouverneurswahlen gab es bemerkenswerte Ergebnisse. Erstmals seit rund 15 Jahren stellen die Demokraten wieder die Mehrheit der Gouverneure in den USA. In bislang vier Bundesstaaten konnten die Ämter von Demokraten übernommen werden. Nach bisherigen Auszählungen sind nun 28 Bundesstaaten bei den Demokraten, 20 Gouverneure sind republikanisch.
In Georgia besiegte die Demokratin Keisha Lance Bottoms den Republikaner Rick Jackson. Die frühere Bürgermeisterin von Atlanta wird damit die erste schwarze Gouverneurin des Bundesstaates. Zugleich gelang ihrer Partei dort erstmals seit 1998 wieder ein Sieg bei einer Gouverneurswahl.
Bottoms setzte sich durch, obwohl ihr milliardenschwerer Gegner mehr als 200 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen investiert hatte. Sie versprach unter anderem einen höheren Mindestlohn und eine Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung Medicaid.
In Florida behaupteten dagegen die Republikaner ihre Macht. Der Trump-Verbündete Byron Donalds setzte sich gegen den Demokraten David Jolly durch und wird erster schwarzer Gouverneur des Bundesstaates.
Technische Probleme bei der Wahl
In mehreren Bundesstaaten kam es zu Störungen an Wahlmaschinen. Im Bezirk Westchester County in New York konnten zeitweise zahlreiche Stimmzettel nicht eingelesen werden. Nach Behördenangaben waren möglicherweise bis zu 250.000 Stimmzettel betroffen.
Für Kritik sorgte zudem die Entsendung von rund 1000 Wahlbeobachtern durch das US-Justizministerium in alle 50 Bundesstaaten. Die Demokraten warnten vor einer möglichen Einschüchterung von Wählern. Das Ministerium bezeichnete den Einsatz als die größte derartige Aktion in der Geschichte des Landes.
fab/pgr/ail/AL (dpa, afp, rtr, ap)