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US-Zölle: Südafrika sucht neue Märkte

Adwoa Tenkoramaa Domena
21. Februar 2026

Südafrika baut seine Handelsbeziehungen mit China aus, unterstützt durch zollfreien Zugang und neue Investitionsverpflichtungen. Was bedeutet das für die Beziehungen zu den USA?

Südafrika | BRICS-Gipfel in Johannesburg 2023 | Cyril Ramaphosa (Mitte) im Gespräch mit Xi Jinping (links) und Narendra Modi (rechts)
Die BRICS-Partner China und Indien sind potenzielle Märkte für Südafrika auf der Suche nach Alternativen zu den USABild: Themba Hadebe/AP Photo/picture alliance

Seit fast 20 Jahren hat sich Südafrika um ausgewogene Beziehungen zu Washington und Peking bemüht. Bis 2008 waren die USA Südafrikas wichtigster Handelspartner. Seitdem ist es China. Im Jahr 2024 belief sich der bilaterale Austausch von Waren und Dienstleistungen auf einen Wert von 52,5 Milliarden Dollar (44,25 Milliarden Euro). Damit entfällt rund ein Fünftel des gesamten südafrikanischen Handelsvolumens auf China.

Über Jahrzehnte bot der African Growth and Opportunity Act (AGOA) einen stabilen Rahmen für den US-Handel mit Afrika. Ziel des Abkommens aus dem Jahr 2000 war die wirtschaftliche Unterstützung für afrikanische Länder südlich der Sahara, mit zollfreiem Zugang zum US-Markt für rund 1800 südafrikanische Produkte.

Weiße Südafrikaner wollen gar nicht in die USA auswandern

03:32

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Doch im vergangenen Jahr erschütterte Donald Trump diese Stabilität in ihren Grundfesten. Der US-Präsident verhängte einen pauschalen Zoll von 30 Prozent auf alle südafrikanischen Importe. Zwar verlängerte Trump das Abkommen, aber später als vorgesehen und nur bis zum Ende dieses Jahres. Zuvor hatte AGOA eine Laufzeit von 15 Jahren und war 2015 noch für zehn Jahre verlängert worden. Grund genug für Südafrika, verstärkt nach Alternativen zu suchen.

Südafrikas wachsende Beziehungen zu China

Laut der COMTRADE-Datenbank der Vereinten Nationen über den internationalen Handel exportierte Südafrika im Jahr 2025 Waren im Wert von über 13,5 Milliarden US-Dollar nach China, hauptsächlich Erze und Metalle.

China seinerseits vertieft seinen Marktzugang zu Afrika. Im Jahr 2024 schaffte das Land Zölle auf Einfuhren aus 33 afrikanischen Ländern ab, die laut UN mit zu den "am wenigsten entwickelten" der Welt gehören. In der Folge wuchs der Handel zwischen Afrika und China auf ein Volumen von 296 Milliarden US-Dollar.

Auch mit Südafrika hat China kürzlich ein Wirtschaftssabkommen unterzeichnet, das ausgewählten südafrikanischen Exporten zollfreien Zugang zum riesigen chinesischen Verbrauchermarkt verschaffen soll. Dabei geht es vor allem um landwirtschaftliche Erzeugnisse. China importierte zuletzt landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 207,4 Milliarden US-Dollar aus der ganzen Welt.

In Südafrika hofft man, damit die wachsenden Unwägbarkeiten des US-Marktes abzufedern. Wirtschaft und Diplomatie loben die Hinwendung von Präsident Cyril Ramaphosa zu Peking: "China und Südafrika haben eine großartige Beziehung", betont Phuti Joyce Tsipa, Südafrikas Generalkonsul in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai, im Gespräch mit der DW. "Es gibt so viel, was wir China anbieten können, und es gibt so viel, was China Südafrika und Afrika anbieten kann."

Die Zollfrage: Kann Südafrika seine Exporte umlenken?

Bisher importiert China aus Südafrika hauptsächlich mineralische Rohstoffe wie Gold, Eisenerz, Mangan, während die USA eher bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse kaufen. Südafrikas wichtigstes Exportgut für die USA sind allerdings Autos und Automobilteile. Hierfür dürfte China kaum ein alternativer Absatzmarkt sein, hat es doch gerade erst selbst Japan vom Podest als weltgrößter Automobilexporteur gestoßen.

Insofern könne der Absatzmarkt in China nur sehr begrenzt die USA ersetzen, meint Emmanuel Matambo, Forschungsdirektor am Zentrum für Afrika-China-Studien. Vor allem die südafrikanische Auto- und Gartenbauindustrie stehe vor schwierigen Zeiten. Der zollfreie Zugang nach China allein werde den Außenhandel nicht wieder ins Gleichgewicht bringen. "Wenn man sich die Handelszahlen Südafrikas der letzten 15 Jahren ansieht, sind China und die Vereinigten Staaten schwer zu vergleichen", so Matambo. 

Dass Südafrika vor allem Rohstoffe, also Waren mit geringer Wertschöpfung, nach China exportiert und aus China hauptsächlich Industriegüter importiert, könnte das bestehende Handelsdefizit vergrößern. Die mangelnde Wertschöpfung führt in vielen Ländern Afrikas dazu, dass der Wert der Importe die der Exporte regelmäßig übersteigt.

Südafrikas "wackliger" Platz im AGOA-Abkommen

Bisher erlaubt AGOA südafrikanischen Produzenten noch, ihre Waren zollfrei in die USA einzuführen. Das Abkommen steht jedoch auf wackligen Füßen, da Trump den Ländern, die er als unfreundlich gegenüber seiner "America First"-Politik betrachtet, mit Ausschlüssen und eskalierenden Strafzöllen droht. Zuletzt verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den USA und Südafrika aufgrund geopolitischer Streitigkeiten im Zusammenhang mit BRICS+, Israels Vorgehen in Gaza und dem Vorwurf des "Völkermords" an weißen südafrikanischen Farmern.

Es dürfte Südafrika schwerfallen, die USA als wichtigsten Exportmarkt für Autos zu ersetzenBild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Matambo betont zwar, dass Südafrika jedes Recht und auch die Verantwortung habe, alternative Märkte zu finden. Zugleich empfiehlt er jedoch, dass Pretoria vor allem den Handel innerhalb des Kontinents ausbauen sollte: "Afrika zuerst, dann China, die asiatischen Länder und die Europäische Union." Die Zahlen geben ihm Recht: mit einem Wert von acht Milliarden Dollar blieben im Jahr 2025 weit mehr als die Hälfte der südafrikanischen Agrarexporte in Afrika. Laut Matambo ist für Südafrika die Diversifizierung und nicht der Verzicht auf die USA der sicherste Weg in die Zukunft.

Thuso Khumalo hat zu diesem Artikel beigetragen, der dem Africalink-Podcast entnommen wurde

Is South Africa drifting from Washington to Beijing?

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