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PolitikIran

"USA in schwächerer Position als zu Beginn des Iran-Kriegs"

Wesley Rahn
16. Juni 2026

Der Iran hat wohl Verhandlungen über die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus erzwungen. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Rolle der militärisch deutlich überlegenen USA als effizienter Sicherheitsgarant auf.

Arabisches Meer 2026 | EA-18G Growler landet auf USS Abraham Lincoln bei Operation Epic Fury
Bild: U.S. Navy/Planet Pix/ZUMA/picture alliance

Das Öl müsse wieder fließen, sagte US-Präsident Donald Trump am Sonntag (14.6.26), als er die Einigung mit dem Iran verkündete. Die Einzelheiten der Vereinbarung stehen zwar noch unter Verschluss, aber Trump erklärte später, die Straße von Hormus werde "vollständig wieder geöffnet". Diese Woche solle die bilaterale Absichtserklärung in Genf unterzeichnet werden. Dort wollten die USA und der Iran noch einmal direkt verhandeln.

Die Meeresenge zwischen dem Iran und dem Sultanat Oman ist ein Nadelöhr der globalen Energieversorgung. 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs wurden durch die bis zu 30 Kilometer schmale Wasserstraße transportiert, bevor der Iran die Transportroute mit seinen bewaffneten Schnellbooten und Minen komplett sperrte. Dies geschah als Vergeltung auf die Militäraktion der USA und Israels im Februar. Bei Luftangriffen waren militärische Ziele im Iran bombardiert und ranghohe Politiker getötet worden, darunter der oberste Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei. Seit Wochen gilt nun eine brüchige Waffenpause.

Unbestätigte Details der Absichtserklärung, die von regierungsnahen iranischen Medien veröffentlicht wurden, zeigen jedoch, dass die künftige Rolle des Iran in der Straße von Hormus noch Gegenstand der Verhandlungen sein wird. Die iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete, dass die "iranisch-omanische Souveränität über die Straße von Hormus" erst in letzter Minute in die Verhandlungen aufgenommen worden sei. Die USA hätten "akzeptiert", dass "Mautgebühren" von den Reedereien an den Iran gezahlt würden, wenn deren Containerschiffe durch die Straße von Hormus fahren.

Diese Darstellung wurde von den USA jedoch wieder zurückgewiesen. US-Vizepräsident JD Vance sagte gegenüber dem US-Sender CNBC, dass die Meerenge langfristig gebührenfrei geöffnet bleibe. Dies sei nun etwas, "was wir in diesen technischen Verhandlungen klären werden."

Schwache Dominanz der USA

Die Welt registriert mit großem Erstaunen, dass die Supermacht USA trotz ihrer überwältigenden militärischen Stärke und Präsenz in der Golfregion gezwungen wird, mit dem Iran lediglich über eine Rückkehr zum Status quo der Straße von Hormus wie vor Beginn des Kriegs zu verhandeln.

Die Fähigkeit des Iran, asymmetrisch - also mithilfe von Drohnen, Minen auf der Schiffsroute und kleinen Schnellbooten - den freien Schiffsverkehr lahmzulegen, stellt die Fähigkeit der USA, eine freie Schifffahrt zu gewährleisten, infrage.

US-Marineschiff USS Michael Murphy beim Versorgungsmanöver auf hoher See im April 2026 (Archiv)Bild: US Navy/AFP

"Dies ist ein Schlag ins Gesicht der USA als globale Supermacht und untergräbt den Status als Garant der Freiheit der Schifffahrt. Der Iran-Krieg hat die USA in eine schwächere Position gebracht als zu Beginn des Krieges", meint Rebecca Lissner, Senior Fellow der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR) im Gespräch mit der DW. "Der Iran-Krieg hat zwar die außergewöhnliche militärische Stärke der USA gezeigt, aber gleichzeitig auch ihre Unfähigkeit, diese Stärke in etwas umzuwandeln, das einem strategischen Sieg gegenüber dem Iran auch nur annähernd gleich kommt."

Von den zahlreichen Zielen, die US-Präsident Donald Trump zu Kriegsbeginn genannt hatte, gilt nur eines bislang als erreicht: die "Vernichtung" der iranischen Marine. Das Center for International and Strategic Studies (CSIS) schätzt, dass der Iran "den Großteil seiner Seestreitkräfte" in weniger als zehn Tagen verloren hatte.

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Eine konventionelle Marine war für den Iran aber nicht nötig, um die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu stoppen. Seine asymmetrischen Drohnenangriffe auf Energieanlagen anderer Golfstaaten schreckten die USA davon ab, den Konflikt weiter zu eskalieren - zum Beispiel mit einer Bodenoffensive. Teherans Stellvertreter im Jemen und im Libanon, die Huthi-Miliz und die Hisbollah, bleiben weiter eine Bedrohung für die US-Verbündeten in der Region wie Israel und andere.

Europa will nun erreichen, dass die Straße von Hormus gebührenfrei bleibt. Dies wurde am Rande des Gipfeltreffens der G7-Gruppe im französischen Evian deutlich. Europa sei bereit, den USA mit eigenen Kriegsschiffen zu helfen. US-Präsident Trump war nicht wirklich beeindruckt von der Idee und sagte dem Gastgeber, dem französischen Präsident Emmanuel Macron, am Montag (15.6.26), die USA bräuchten nicht "viel Hilfe". Es sei "keine schlechte Idee, ein oder zwei Schiffe von Europa" dabei zu haben.

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Weltwirtschaft als Geisel

"Selbst wenn es gelingt, die Meerenge wieder zu öffnen, verfügt der Iran nun über ein Druckmittel, das er zuvor nicht hatte", sagt Lissner, die stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin der Ex-US-Vizepräsidentin Kamala Harris war. "Die USA haben sich als unfähig oder unwillig erwiesen, den Iran zur Wiederöffnung der Meerenge zu zwingen. Die Welt muss mit dem Risiko leben, dass der Iran die Meerenge nach Belieben wieder schließt."

Die Frage bleibt also bestehen, warum der Iran dieses Druckmittel ohne angemessene Gegenleistung aufgeben sollte. Ein vielfach verbreiteter Auszug aus dem Einigungsentwurf sieht offenbar vor, dass der Iran noch vor Beginn der Atomgespräche eingefrorene Gelder im Wert von rund zwölf Milliarden Dollar erhalte. Die USA bestreiten dies. Unabhängig davon sieht es so aus, dass der Schaden durch die US-Sanktionen im Iran deutlich geringer ist als in der energiehungrigen Weltwirtschaft.

Auch wenn die globalen Märkte nach der Ankündigung, dass die Meerenge in irgendeiner Form wieder geöffnet wird, erleichtert aufatmen, gibt es weiter Zweifel, dass der Schiffsverkehr jemals wieder zur Normalität zurückkehren wird. "Dieser Deal dürfte die iranische Kontrolle über die Meerenge faktisch zementieren, indem er einen Rahmen schafft, in dem der Iran Gebühren von durchfahrenden Schiffen erheben darf", sagt Lissner. Diese Ansprüche würden dann nicht mehr von den USA angefochten. "Das könnte der Grund sein, warum Trump sich bisher geweigert hat, den Text des Abkommens zu veröffentlichen."

Unzuverlässige Hegemonialmacht?

Die militärische Überlegenheit der US-Streitkräfte wurde jahrzehntelang mit dem Bekenntnis verbunden, gemeinsam mit gleichgesinnten Verbündeten eine sogenannte "regelbasierte Ordnung" aufrechtzuerhalten. So konnten die wichtigen Wirtschaftsgüter wie Öl rund um den Globus transportiert werden.

Die USA als Urheber dieses globalen Systems profierten davon. Genau dieses System stellt US-Präsident Trump aber immer wieder infrage. Seinen Äußerungen zufolge würde alle anderen Länder die USA "ausnehmen", ohne dafür viel zurückzugeben. Deswegen forderte er die US-Verbündeten auch auf, selbst mehr Geld für die Verteidigung auszugeben.

Die US-Außenpolitik unter Trump sei "Selbstmord der Supermacht", stimmt Lissner anderen Analysten wie dem Historiker Timothy Snyder zu. Unter Trumps Führung hätten die USA "das System, das Washington gemeinsam mit seinen Verbündeten aufgebaut hatte, um seine Macht und seinen Wohlstand zu sichern, schrittweise demontiert", so die Sicherheits-Expertin. "Der Iran-Krieg hat den Trend nur noch verstärkt, die regelbasierte Ordnung weiter zu untergraben und die amerikanischen Verbündeten vor den Kopf zu stoßen. Diese Schritte führen in Richtung einer 'neuen Weltunordnung', die durch zunehmende Gewalt und Instabilität gekennzeichnet ist."

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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