USA und Iran liefern sich neue Angriffe am Persischen Golf
9. Juli 2026
Nachdem US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe mit der Führung in Teheran vorerst für beendet erklärt hatte, ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut eskaliert. In der Nacht zum Donnerstag griffen US-Streitkräfte zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden Ziele in der Islamischen Republik an.
Nach Angaben des zuständigen US-Regionalkommandos CENTCOM wurden rund 90 militärische Ziele entlang der iranischen Küste attackiert. Darunter seien Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen sowie Raketen- und Drohnenlager gewesen.
CENTCOM teilte mit, die Angriffe sollten die Fähigkeit des Iran weiter schwächen, "die Handelsschifffahrt und unschuldige zivile Seeleute in der Straße von Hormus anzugreifen". Die Regierung in Washington macht die Führung in Teheran für jüngste Angriffe auf Schiffe nahe der Meerenge verantwortlich.
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Seewegen der Weltwirtschaft, insbesondere für den Transport von Öl, Gas und Dünger.
Trump verschärft Ton gegenüber Teheran
Auch US-Präsident Trump bezeichnete die Angriffe als Vergeltung für iranische Attacken auf Schiffe. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social drohte der 80-Jährige: "Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!" Zugleich veröffentlichte Trump ein Foto, das offenbar die Bombardierung eines Ziels im Iran zeigen soll.
Bereits am Rande des Gipfeltreffens der NATO in Ankara hatte Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt und neue Angriffe angekündigt. "Wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen." Mit Blick auf die bisherige Feuerpause sagte er am Mittwoch in der türkischen Hauptstadt: "Was mich betrifft, ist sie vorbei." Zugleich ließ Trump die Möglichkeit weiterer Verhandlungen offen.
Auf dem Rückflug in die USA behauptete der US-Präsident, die iranische Seite habe "vor Kurzem angerufen" und wolle "unbedingt einen Deal machen". Details nannte Trump nicht.
Gleichzeitig äußerte er Zweifel daran, ob die Führung in Teheran einem Abkommen würdig sei oder sich daran halten würde. Zuvor hatte er das iranische Regime noch schärfer attackiert: "Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum."
US-Angriffe treffen auch wichtige Verkehrsverbindung
Iranische Medien berichteten nach den US-Angriffen von Explosionen in mehreren Landesteilen. Betroffen waren demnach unter anderem die Großstadt Bandar Abbas, die Hafenstadt Konarak, Buschehr und die Insel Abu Musa im Persischen Golf.
Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldet Angriffe auf einen Militärstützpunkt an der Küste von Buschehr. Dort befindet sich auch das einzige zivile Atomkraftwerk des Landes.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars wurden bei den US-Angriffen Bahnbrücken getroffen, die Teil wichtiger Handelsrouten nach Russland und China sind. Die Folgen bekamen auch Reisende zu spüren: Nach der Bombardierung eines Abschnitts der Bahnstrecke zwischen Teheran und Maschhad wurde der Zugverkehr auf der wichtigen Verbindung eingestellt. Personenzüge hätten ihre Fahrten vorerst ausgesetzt, berichtet IRNA.
Die Strecke verbindet die Hauptstadt mit der nordöstlichen Millionenmetropole Maschhad. Die Fahrt dauert normalerweise rund elf Stunden. Nach Behördenangaben werde daran gearbeitet, die Verbindung so schnell wie möglich zu reparieren.
Besondere Brisanz erhält die Unterbrechung dadurch, dass in Maschhad an diesem Donnerstag der Ende Februar getötete oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei beigesetzt werden soll. Die Bestattung im Imam-Resa-Heiligtum, dem wichtigsten Zentrum des schiitischen Islams im Iran, soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Irans Außenministerium hat die Luftangriffe des US-Militärs scharf verurteilt. In einer Mitteilung nannte das Ministerium die Bombardierung der Eisenbahnbrücken im Nordosten ein Kriegsverbrechen der USA.
Das Ministerium bezeichnete die US-Regierung in ihrer Erklärung als "bösartig und psychisch gestört". Die Angriffe in den vergangenen 48 Stunden seien ein "klarer Beleg für Vertragsbruch, Niedertracht, Kriegstreiberei".
Teheran meldet Tote und greift US-Stützpunkte an
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden seit der Wiederaufnahme der US-Angriffe 14 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Von insgesamt 78 Verletzten befänden sich noch 47 im Krankenhaus, teilte Ministeriumssprecher Hossein Kermanpur mit.
Der Iran antwortete auf die neue Angriffswelle mit Attacken auf US-Stützpunkte in der Golfregion. Die Revolutionsgarden teilten mit, in Kuwait, Bahrain und Katar seien "wichtige Infrastruktur und Einrichtungen" der US-Armee mit Raketen und Drohnen angegriffen worden.
Die kuwaitische Armee machte deutlich, sie wehre "feindliche Raketen- und Drohnen-Attacken" ab. Möglicherweise zu hörende Explosionen seien "Folge der Abwehr feindlicher Angriffe durch Luftverteidigungssysteme". Dennoch wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums eine Person bei iranischen Angriffe verletzt.
In Bahrains Hauptstadt Manama sind nach den jüngsten iranischen Angriffen in der Nacht erneut Explosionen zu hören gewesen. Zum dritten Mal wurde Luftalarm ausgelöst. Dies bestätigte das Innenministerium der Golfmonarchie. Bürger und Einwohner seien aufgefordert, Ruhe zu bewahren und sich an einen sicheren Ort zu begeben. Beide Golfstaaten beherbergen US-Militärbasen und liegen nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt.
Straße von Hormus bleibt zentraler Streitpunkt
Auch die iranische Seite zeigt sich bereit, die Angriffe zu intensivieren. Die Revolutionsgarden drohten, sollte das US-Militär seine Aggression wiederholen, werde man die eigenen "vernichtenden Reaktionen" auf weitere US-Stützpunkte in der Region ausweiten.
Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf ließ verlauten: "Amerika hat noch immer nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos bleiben. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen." Ghalibaf betonte zudem, die Straße von Hormus werde nur unter "iranischen Bedingungen" geöffnet.
Die Wiederöffnung der Meerenge gilt als zentraler Bestandteil des Rahmenabkommens, auf das sich die Regierungen in Washington und Teheran Mitte Juni verständigt hatten. Allerdings enthält die entsprechende Passage Formulierungen, die Interpretationsspielraum lassen.
Innerhalb von 60 Tagen sollte eigentlich ein endgültiges Abkommen ausgehandelt werden. Nach den jüngsten Angriffen ist offen, ob dieser Zeitplan noch Bestand hat. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, es werde keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geben, solange die Drohungen anhielten.
Schon in der Nacht zum Mittwoch hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 80 iranische Ziele rund um die Straße von Hormus angegriffen. Der Iran reagierte darauf nach eigener Darstellung bereits mit Dutzenden Attacken auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain.
pgr/AR (dpa, rtr, afp)
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