USA und Iran: Säbelrasseln im Atomstreit
24. Februar 2026
Die "USS Gerald R. Ford" ist der größte Flugzeugträger der Welt. Jetzt ankert das riesige US-Kriegsschiff im Mittelmeer in Griechenlands Seegebiet vor der Küste Kretas - gut 2500 Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt. Ein machtvolles Signal der USA in Richtung Teheran.
Ähnlich nah kreuzt auf Befehl von US-Präsident Donald Trump bereits die "USS Abraham Lincoln". Dieser Flugzeugträger ist seit Ende Januar in der Nahost-Region.
Grund ist der Streit um das iranische Atomprogramm. Viele Staaten fürchten, dass die Führung in Teheran klammheimlich an Nuklearwaffen arbeiten lässt, was das Mullahregime bestreitet. Verhandlungen laufen. Die USA pochen auf eine Lösung im Atomstreit und auf das Aus für das iranische Raketenprogramm. Doch der Iran besteht darauf, dass sich die Gespräche auf die Atomfrage und die Aufhebung der Sanktionen beschränken.
Donald Trump zeigt sich zunehmend ungeduldig und erhöhte den Druck: Er erwäge einen "begrenzten Militärschlag" gegen den Iran, sollte es nicht zu einer Einigung kommen, drohte Trump. Da passen die in die Region entsandten US-Flugzeugträger mit insgesamt 5000 Soldaten und 150 Flugzeugen an Bord ins Bild.
Medien: US-Generalstabschef sieht Risiken
Nicht alle in Washington scheinen den Kurs des Präsidenten und Oberbefehlshabers gut zu heißen. Der US-Generalstabschef Dan Caine soll vor den Risiken eines möglichen US-Angriffs auf den Iran gewarnt haben. Der General habe im Weißen Haus und im Verteidigungsministerium Pentagon seine Sorge geäußert, dass Munitionsknappheit und fehlende Unterstützung durch Verbündete die Gefahr für US-Soldaten bei einem Angriff erhöhen könnten, meldet die Zeitung "Washington Post".
Das "Wall Street Journal" berichtet von weiteren Pentagon-Vertretern, die ebenfalls vor Risiken eines US-Angriffs gewarnt hätten. Demnach würden bei einem Einsatz hohe Verluste der US-Armee und verbündeter Streitkräfte drohen. Es bestehe zudem die Gefahr, dass die US-Luftabwehr bei einem Angriff auf den Iran erschöpft werde.
Das Nachrichtenportal Axios berichtet zudem, Caine habe die US-Regierung vor einer "Verstrickung in einen langwierigen Konflikt" gewarnt. Axios zufolge haben außerdem der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner den US-Präsidenten dazu gedrängt, von Angriffen abzusehen und der Diplomatie eine Chance zu geben. Die beiden führen derzeit die Atomgespräche mit dem Iran.
Trump bestreitet die Berichte über die Vorbehalte des Generalstabschefs. "Fake-News"-Medien würden behaupten, Caine sei dagegen, dass "wir gegen den Iran in den Krieg ziehen", schrieb der 79-Jährige auf seiner Plattform Truth Social. Das sei zu "100 Prozent falsch".
Iran will Überschallraketen aus China
Auch das Regime in Teheran scheint an der Eskalationsschraube zu drehen, um seiner Drohung eines militärischen Gegenschlages Nachdruck zu verleihen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, steht der Iran kurz vor dem Kauf moderner Schiffsabwehrraketen aus China.
Das Geschäft mit den Raketen vom Typ CM-302 sei kurz vor dem Abschluss, sagten demnach sechs mit den Verhandlungen vertraute Personen. Ein Lieferdatum sei jedoch noch nicht vereinbart worden. Die Überschallraketen haben eine Reichweite von etwa 290 Kilometern und können die Schiffsabwehr durch einen schnellen Tiefflug umgehen.
Ihre Stationierung würde die Schlagkraft des Iran erheblich verbessern und eine Bedrohung für die US-Streitkräfte in der Region darstellen, sagten zwei Waffenexperten. "Es würde die Lage grundlegend verändern, wenn der Iran die Fähigkeit hätte, Schiffe in der Region mit Überschallgeschwindigkeit anzugreifen", so Danny Citrinowicz, ein ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier.
Die Verhandlungen mit China hätten sich nach dem zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Juni deutlich beschleunigt, meldet die Nachrichtenagentur. Danach seien hochrangige iranische Militärs und Regierungsvertreter nach China gereist, darunter auch der stellvertretende Verteidigungsminister Massoud Oraei. "Der Iran hat Militär- und Sicherheitsabkommen mit seinen Verbündeten, und jetzt ist ein geeigneter Zeitpunkt, diese Abkommen zu nutzen", sagte ein Vertreter des iranischen Außenministeriums zu Reuters.
Der Kauf der CM-302-Raketen wäre eine bedeutende Verbesserung für das iranische Arsenal, das durch den Krieg im vergangenen Jahr dezimiert wurde, sagt Pieter Wezeman vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Der Iran verhandelt nach Informationen von Reuters mit China auch über den Kauf von Flugabwehrsystemen, tragbaren Flugabwehrraketen und Anti-Satelliten-Waffen.
AR/pgr (afp, dpa, rtr)
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