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KonfliktePakistan

USA-Iran-Gespräche: Pakistan steht unter Erfolgsdruck

Haroon Janjua in Islamabad
31. März 2026

Islamabad erklärt sich bereit, bei Verhandlungen zu vermitteln. Pakistan will damit auch verhindern, dass in einem langwierigen regionalen Krieg seine Wirtschaft und Sicherheit bedroht werden.

USA Washington 2025 | Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump dem pakistanischen Premierminister Muhammad Shehbaz Sharif (Mitte) und Pakistans Feldmarshall Syed Asim Munir (links)
Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem pakistanischen Premierminister Muhammad Shehbaz Sharif (Mitte) und Pakistans Feldmarshall Syed Asim Munir (links) 2025 in WashingtonBild: Government of Pakistan

Pakistan intensiviert derzeit seine diplomatischen Kontakte mit dem Ziel, ein wichtiger Vermittler im US-israelischen Krieg mit dem Iran zu werden. Islamabad profitiert dabei davon, dass es gleichermaßen strategische Beziehungen zu Teheran wie auch zu Washington unterhält.

Um den Weg für mögliche Gespräche zwischen den USA und dem Iran zu ebnen, führte Islamabad am Sonntag Konsultationen mit der Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien durch, obwohl es derzeit noch keine Anzeichen dafür gibt, dass sich der Konflikt in naher Zukunft entschärfen könnte.

Nach den Treffen am Sonntag gab sich der pakistanische Außenminister Ishaq Dar dennoch optimistisch. Pakistan werde "geehrt sein, in den kommenden Tagen sinnvolle Gespräche zwischen beiden Seiten auszurichten und zu ermöglichen".

Treffen der Außenminister zur regionalen Deeskalation am 29.03.2026: Prinz Faisal bin Farhad al Saud (Saudi-Arabien), Ishaq Dar (Pakistan), Hakan Fidan (Türkei) und Badr Abdelatty (Ägypten)Bild: Muammer Tan/Turkish Foreign Ministry/REUTERS

Es ist derzeit unklar, ob solche Gespräche direkt oder indirekt stattfinden sollen. Und die USA und der Iran geben widersprüchliche Aussagen darüber ab, ob schon Gespräche stattgefunden haben.

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt signalisiert, dass Verhandlungen - in welcher Form auch immer - zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran voranschreiten würden. Am Montag wies das iranische Außenministerium die Behauptungen von Trump zurück. "Wir haben bisher keine direkten Verhandlungen geführt", erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, auf einer Pressekonferenz.

Die Positionen der beiden Konfliktgegner scheinen dabei derzeit ohnehin unüberbrückbar. So hatte Teheran schon zuvor einen 15-Punkte-US-Friedensplan, der über pakistanische Vermittler vorgelegt wurde, als "übertrieben, unvernünftig und unrealistisch" abgelehnt. Der Plan sah vor, dass der Iran die Anreicherung nuklearen Materials einstellt, Atomanlagen abbaut und die Durchfahrt durch die Straße von Hormus freigibt.

In einem seiner neuesten Beiträge auf der Onlineplattform Truth Social drohte Trump, die iranische Energieinfrastruktur zu "vernichten", falls der Iran nicht bald einen "Deal" abschließt und die Straße von Hormus öffnet.

Diplomatischer Balanceakt

Islamabad versucht nun, sich in dieser Patt-Situation als glaubwürdiger Gesprächspartner zu positionieren und nutzt dabei seine Beziehungen zu Washington, Teheran und wichtigen Golfhauptstädten. Das erfolgt nicht ohne direktes Eigeninteresse. "Der US-Iran-Konflikt bedroht direkt die wirtschaftliche Stabilität Pakistans, da es von den Energieströmen und Rücküberweisungen vom Golf abhängig ist", sagt Raza Rumi, ein pakistanischer Analyst, im Gespräch mit der DW.

Pakistan muss seine Diplomatie dabei sorgfältig ausbalancieren. Während Trumps zweiter Amtszeit als Präsident haben sich die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad verbessert. Trump hat den pakistanischen Premierminister Muhammad Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir empfangen. Den pakistanischen General hatte er als "meinen Lieblingsfeldmarschall" bezeichnet. Es existiert ein Verteidigungspakt mit Saudi-Arabien, es hat aber auch kulturelle Verbindungen und eine 900 Kilometer langen Grenze zum Iran.

"Eine Vermittlerrolle ermöglicht es Pakistan, sich als stabilisierender Akteur zu präsentieren", sagt Rumi. Islamabad könnte in dieser Rolle auch verhindern, direkt in dem sich möglicherweise ausweitenden Krieg hineingezogen zu werden.

Angst vor regionalem Krieg und wirtschaftlicher Depression

Der Konflikt könnte für Pakistan gefährlich werden: Pakistan befindet sich bereits in einem Konflikt mit den Taliban im benachbarten Afghanistan, und kämpft zudem gegen militanten Separatisten in der Provinz Belutschistan, die an den Iran grenzt.

"Es gibt eine Dringlichkeit. Die Instabilität im Iran wirkt sich direkt auf Pakistan aus - von der Sicherheit Belutschistans über den Energiezugang bis hin zur inländischen Stabilität", sagt Fatemeh Aman, eine Iran-Pakistan-Expertin. Pakistan sei daher motiviert, einen Konflikt zu managen, der andernfalls innenpolitische Folgen haben könnte, so die ehemalige Mitarbeiterin am Middle East Institute und Atlantic Council gegenüber der DW.

"Ein Scheitern würde Pakistan unmittelbaren wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Schocks aussetzen. Energieversorgungsstörungen, insbesondere über die Straße von Hormus, würden die Inflation antreiben und den fiskalischen Druck verschärfen", so das Fazit des Analyten Rumi.

Pakistans Platz im Nahen Osten

Die Gefahr für Pakistan, in den Krieg verwickelt zu werden, zeigt sich auch auf der arabischen Halbinsel. Pakistan unterhält eine jahrzehntelange Partnerschaft mit Saudi-Arabien und es existiert ein gegenseitiger Verteidigungspakt. "Wenn Saudi-Arabien dem Konflikt beitritt, wird Pakistan unter Druck stehen, zumindest symbolische Unterstützung anzubieten", sagt Rumi. Eine direkte militärische Einmischung wäre aber "destabilisierend und unklug".

Für Pakistan besteht die Herausforderung darin, dass es den Iran nicht einfach als Gegner behandeln kann, selbst wenn die Saudis um militärische Unterstützung bitten.

"Es würde Druck auf Pakistan geben, wenn Saudi-Arabien direkt involviert wird, aber Druck bedeutet nicht Beteiligung", meint auch Aman. Sie fügte hinzu, dass ein direkter iranischer Angriff auf Pakistan unwahrscheinlich sei. Aber wenn Pakistan als Unterstützer militärischer Maßnahmen wahrgenommen werde, würden die Risiken steigen. Der Iran würde wahrscheinlich indirekt Druck durch Grenzspannungen oder Stellvertreter signalisieren, eine direkte Konfrontation aber vermeiden.

In Pakistan sind bis zu 20 Prozent Schiiten 

Im Iran sind schätzungsweise 90 bis 95 Prozent der Einwohner Schiiten. Es ist damit weltweit das Land mit dem prozentual größten Anteil an schiitischen Muslimen. In Pakistan sind etwa 15 bis 20 Prozent der Muslime Schiiten. Es gibt kulturelle Verbindungen zu dem Nachbarland.

Schiitische Demonstrierende in Pakistan mit Chamenei-Porträt bei Protest gegen Angriffe auf IranBild: Akhtar Soomro/REUTERS

Nachdem Irans Oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei am ersten Kriegstag getötet worden war, brachen in Pakistans Nordregion Gilgit-Baltistan Proteste aus. Islamabad setzte die Armee ein und verhängte eine dreitägige Ausgangssperre, nachdem bei den Protesten mindestens 23 Menschen getötet wurden. Ein Großteil der Mobilisierung kam aus der schiitischen Gemeinschaft Pakistans.

"Pakistan hat eine Geschichte sektiererischer Spannungen, hat aber Mechanismen aufgebaut, um großflächige Gewalt einzudämmen. Ein saudisch-iranischer Konflikt könnte aber innere Bruchlinien vertiefen, nicht durch unmittelbare Unruhen, sondern durch eine allmähliche Polarisierung, die durch transnationale Narrative und militante Akteure befeuert wird", befürchtet Rumi.

Die Iran-Pakistan-Expertin Aman weist darauf hin, dass die Entwicklungen im Iran "oft innerhalb Pakistans nachhallen." In der aktuellen Situation stehe der Staat "vor umfassenderen Herausforderungen - Sicherheit, wirtschaftliche Belastungen und regionale Konfliktpotentiale. Das wesentliche Risiko ist dabei ein äußerer Konflikt, der interne Bruchlinien verschärft." Das wolle Pakistan verhindern.

Aus dem Englischen adaptiert von Florian Weigand

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