Eigentlich gilt der US-Sport als politikfreie Zone. Doch es sind besondere Zeiten. Nun nannte der Basketball-Superstar LeBron James US-Präsident Trump einen "Penner", und die Ligaspitze hat nichts einzuwenden.
Bild: picture-alliance/The Canadian Press/N. Denette
Anzeige
LeBron James gilt nicht nur als bester aktiver Basketballer der Welt und als einer der besten der Geschichte, sondern auch als absoluter Vorzeigeprofi. Er engagiert sich in sozialen Projekten, überrascht Fans als Laufbursche in einer Fast-Food-Filiale und bespielt seinen Twitter-Kanal mit sehr persönlichen Statements. Anders als sein Spitzname "King James" suggerieren mag, gilt er auf und neben dem Platz als ungemein fleißig, bescheiden und besonnen.
Als etwa sein Teamkollege Kyrie Irving, mit dem James bei den Cleveland Cavaliers drei Finalteilnahmen und einen Titel in drei Jahren erspielte, völlig unvermittelt bekanntgab, er wolle das Team verlassen, bekundete James "nichts als Respekt" für Irvings Entscheidung und dankte ihm für die gemeinsame Zeit.
In der ewigen Bestenliste der NBA stehen Basketball-Legenden wie Michael Jordan, Kareem Abdul-Jabar und Dirk Nowitzki weit oben. An der Spitze der Liste sammelt LeBron James auch in seiner 23. NBA-Saison weiter Punkte.
Bild: Jae C. Hong/AP Photo/picture alliance
Giannis Antetokounmpo - 21.377 Punkte*
Der Grieche mit nigerianischen Wurzeln wird 2015 von den Milwaukee Bucks gedraftet und spielt seitdem dort. Schnell entwickelt sich der vielseitige, 2,11 Meter große Forward zum Führungsspieler. Um den "Greak Freak" herum bauen die Bucks ein Team auf, das 2024 die Meisterschaft gewinnt. Antetokounmpo wird 2019 und 2020 zum MVP gewählt, dem wertvollsten Spieler der Liga. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: Brynn Anderson/AP/dpa/picture alliance
Damian Lillard - 22.598 Punkte*
Elf Jahre lang läuft der 2,03 Meter große Point Guard und Top-Dreierschütze für die Portland Trail Blazers auf, bevor er 2023 zu den Milwaukee Bucks wechselt. Nachdem sich Lillard im April 2025 die Achillessehne reißt, entlassen ihn die Bucks, um Budget für andere Spieler zu haben. Lillard wechselt daraufhin trotz Verletzung als "Free Agent" zurück nach Portland. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: Aaron Gash/AP Photo/picture alliance
DeMar DeRozan - 26.339 Punkte*
Vor seinem Wechsel zu den Sacramento Kings spielt der Small Forward für die Toronto Raptors, San Antonio und Chicago in der NBA. Im Vergleich zu anderen Top-Spielern schießt DeRozan nur wenige Drei-Punkte-Würfe, sondern punktet bevorzugt aus der Halbdistanz oder mit Drives zum Korb. DeRozan ist im Oktober 2022 der 50. NBA-Profi, der 20.000 Karriere-Punkte erreicht. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: Christopher Katsarov/The Canadian Press via AP
Stephen Curry - 26.447 Punkte*
Wohl kein NBA-Profi beherrscht den Wurf jenseits der Drei-Punkte-Linie so gut wie er. Seit Dezember 2021 hält Curry den Allzeit-Rekord für die meisten verwandelten Dreier. Der kleine Guard der Golden State Warriors ist aber mehr als ein Weitwurf-Spezialist. Zweimal wird er zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. (*Stand: 16. Februar 2026)
Bild: Michael Wyke/AP Photo/picture alliance
Russell Westbrook - 27.001 Punkte*
Der MVP von 2017 ist der NBA-Profi mit den meisten Triple Doubles, zweistelligen Werten pro Spiel in drei Kategorien. Zu Karrierebeginn bildet Westbrook in Oklahoma mit James Harden und Kevin Durant ein starkes Trio, bleibt aber titellos. Nach Stationen in Houston, Washington, bei den L.A. Lakers und L.A. Clippers und Denver spielt Westbrook seit 2024 für Sacramento. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: Gerald Leong/AP Photo/picture alliance
Shaquille O'Neal - 28.596 Punkte
Der bullige 2,16-Meter-Center erzielt fast alle Punkte aus kurzer Distanz. Eklatant ist seine Schwäche bei Freiwürfen. Das Foulen O'Neals vor dem Wurf ("Hack-a-Shaq") machen viele Gegner daher zu ihrer Taktik. O'Neal, von 1992 bis 2011 für Orlando, die Lakers, Miami, Phoenix, Cleveland und Boston aktiv, geht trotzdem meist als Sieger vom Feld. Er wird viermal Meister und einmal MVP der Liga.
Bild: picture-alliance/Pressefoto Ulmer
James Harden - 28.863 Punkte*
Seine Verteidiger sind nicht zu beneiden: Lässt man "The Beard" Platz, trifft er den Dreier, geht man näher ran, dribbelt er vorbei. Harden spielt seit 2009 in der NBA für Oklahoma City, Houston, Brooklyn und Philadelphia und die LA Clippers. Im Dezember 2025 erreicht Harden die Top-Ten der NBA-Scorer. Im Februar 2026 wird er zu den Cleveland Cavaliers getraded. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: David Zalubowski/AP Photo/picture alliance
Wilt Chamberlain - 31.419 Punkte
Bevor Wilt Chamberlain 1959 NBA-Profi wird, spielt er ein Jahr lang für die Show-Truppe Harlem Globetrotters. Als Profi stellt er zahlreiche Punkterekorde auf. Unerreicht ist seine Marke aus dem Spiel Philadelphia gegen New York im Jahr 1962. Chamberlain erzielt 100 Punkte. Insgesamt 118 Mal schafft er 50 oder mehr Zähler in einem Spiel. 1999 stirbt er im Alter von 63 Jahren an Herzversagen.
Bild: picture-alliance/AP Images
Dirk Nowitzki - 31.560 Punkte
Unaufgeregt, immer bescheiden, oft nicht sehr spektakulär, aber meist beeindruckend sicher bringt Dirk Nowitzki seine Würfe ins Ziel. Unerreichte 21 Saisons - von 1998 bis 2019 - ist "Dirkules" den Dallas Mavericks treu. 2011 holt er mit den Mavs den Meistertitel. Als erster Europäer knackt Nowitzki die 20.000-Punkte-Marke und ist der sechste NBA-Profi, der die 30.000er-Schallmauer durchbricht.
Bild: Reuters/USA TODAY Sports
Kevin Durant - 31.862 Punkte*
Mit Golden State gewinnt "KD" 2017 und 2018 den NBA-Titel. Zuvor wird der elegante Forward bei Oklahoma City zum MVP der Saison 2014 gewählt. Von 2019 bis 2023 spielt er für Brooklyn, hat dort aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Im Februar 2023 wechselt Durant, der mit den USA dreimal Olympia-Gold gewinnt, nach Phoenix, im Sommer 2025 zu den Houston Rockets. (*Stand 16. Februar 2026).
Bild: Mike Stewart/AP Photo/picture alliance
Michael Jordan - 32.292 Punkte
Die 23 trägt "Air" Jordan schon auf dem College in North Carolina - bei den Chicago Bulls wird er damit zur Legende und holt sechs Titel. Jordans besondere Spezialität ist der "Buzzer Beater", ein entscheidender Wurf mit der Schlusssirene. Jordan gilt vielen bis heute als "bester Basketballer aller Zeiten". Seine Zahlen wären noch gigantischer, hätte er seine Karriere nicht zweimal unterbrochen.
Bild: Beth A. Keiser/AP Photo/picture alliance
Kobe Bryant - 33.643 Punkte
Nicht viele Basketballer können so elegant spielen wie die "Black Mamba". Der Guard der LA Lakers, der als Sohn eines US-Basketballprofis in Italien aufwächst, spielt ab 1996 in der NBA, immer für die Lakers. Er führt sein Team zu fünf Titeln. Mit 37 Jahren zwickt der Rücken und nach 20 Saisons ist im April 2016 Schluss. Bryant kommt 2020 mit 41 Jahren bei einem Helikopter-Absturz ums Leben.
Bild: Mike McGinnis/ZUMA/picture alliance
Karl Malone - 36.928 Punkte
Er wird "Mailman" genannt, und fast jede seiner Sendungen findet in Form eines geworfenen Basketballs das Ziel. Der bullige Power Forward läuft 18 Saisons für die Utah Jazz auf und ein Jahr für die Lakers. Meister wird er nie, dafür 1992 in Barcelona Olympiasieger mit dem "Dream-Team". Malone (l.) und sein Vorlagengeber John Stockton (r.) stehen als Bronzestatuen vor der Arena in Salt Lake City.
Bild: ZUMA Press/IMAGO
Kareem Abdul-Jabbar - 38.387 Punkte
Kareem Abdul-Jabbar und sein kaum zu verteidigender Hakenwurf "Sky Hook" sind legendär. Zwischen 1969 und 1989 spielt der als Ferdinand Lewis Alcindor geborene Abdul-Jabbar, der 1971 zum Islam konvertiert, für die Milwaukee Bucks und die Los Angeles Lakers. Sechsmal wird der 2,18 Meter lange Center Meister und sechsmal MVP. 19 Mal steht der "Captain" im Aufgebot des All-Star-Games.
Bild: picture-alliance/ZUMA Press
LeBron James - 42.975 Punkte*
Kaum ein NBA-Profi ist ähnlich hoch dekoriert wie der Forward, der seit 2018 für die Los Angeles Lakers spielt und 2025/2026 seine 23. Saison absolviert. Viermal wird er wertvollster Spieler der Liga (MVP), viermal zum MVP der NBA-Finals. Den Meistertitel gewinnt James ebenfalls viermal. 2012 und 2013 mit den Miami Heat, 2016 mit Cleveland und 2020 mit den Lakers. (*Stand 16. Februar 2026)
Bild: Mark J. Terrill/AP/picture alliance
15 Bilder1 | 15
Als jedoch US-Präsident den amtierenden Meister Golden State Warriors, den Erzrivalen der Cavaliers, vom traditionellen Empfang im Weißen Haus auslud, platzte dem König der Kragen: "Du Penner", twitterte James, "Stephen Curry hat schon gesagt, er würde nicht hingehen. Also gibt es keine Einladung. Ins Weiße Haus zu gehen, war eine große Ehre, bis Sie aufgetaucht sind!"
Keine Politik im Sportzirkus
Das ist nicht nur für James eine ungewöhnliche Wortwahl. Der US-Sport allgemein gilt als eher politikfreie Zone. Zwar begehen alle vier großen Profi-Ligen, also die NBA, die NFL (American Football), die MLB (Baseball) und sogar die Eishockey-Liga NHL, in der kaum ein Afro-Amerikaner spielt, den Black History Month (Dt.: Monat der Schwarzen Geschichte). Aber traditionell sehen es die Ligaspitzen überhaupt nicht gern, wenn Spieler sich politisch äußern. Erst recht nicht auf dem Spielfeld.
Colin Kaerpernick (M.) löste ein Kontroverse aus, weil er während der US-Hymne aus Protest niederkniete, statt zu stehenBild: Reuters/USA Today Sports/K. Lee
Als sich NFL-Quarterback Colin Kaepernick im August 2016 während der Nationalhymne, die in den USA vor praktisch jedem Wettkampf gespielt wird, demonstrativ sitzen blieb, sorgte das für einen landesweiten, ja internationalen Skandal. Bis in die Feuilletons wurde diskutiert, ob dies ein Akt von Zivilcourage gegen mutmaßlich rassistische Polizeigewalt war - so sieht es Kaepernick - oder eine Respektlosigkeit vor "dem Land der Freien und der Heimat der Tapferen", um es mit den Worten der Hymne zu sagen.
Runter mit den "Hurensöhnen"
Man kann sich denken, welche Lesart US-Präsident Donald Trump sich zu Eigen macht. Am Samstag räumte er jegliche Zweifel darüber aus, indem er den Team-Eigentümern vorschlug, solche Spieler als "Hurensöhne" vom Feld zu zitieren und zu feuern.
Denn Kaepernick ist schon lange nicht mehr der einzige NFL-Profi, der zur Nationalhymne niederkniet, statt sich aufrecht hinzustellen. Besser gesagt: Inzwischen tun es andere, denn Kaepernick ist seit der abgelaufenen Saison vereinslos. Und nicht wenige vermuten, dass dies mehr mit seiner unbequemen Haltung, denn mit seinen spielerischen Leistungen zu tun hat, denn er gilt vielen als einer der talentiertesten Spielmacher der Liga, alias der Welt.
Anzeige
NBA probt die Kehrtwende
Während die Football-Liga NFL Kaepernick und Co. zähneknirschend das Recht auf freie Meinungsäußerung zugestehen, gehen die Offiziellen der NBA inzwischen einen anderen Weg: Anfang September ermutigten Ligaboss Adam Silver und die Geschäftsführerin der Spielergewerkschaft Michele Roberts in einem gemeinsamen Brief die Spieler sogar, ihre gesellschaftliche Stellung zu nutzen: "Wir wollen, dass Sie wissen, dass die Spielergewerkschaft und die Liga Ihnen immer zur Seite stehen, in bedeutungsvollster Weise einen Unterschied zu machen."
Das linke US-Magazin "The Nation" spekuliert, ob dies nun eine freiwillige Kehrtwende ist oder eher eine Konzession daran, dass ihre Athleten eben politische Statements abgeben und ihre Fans das goutieren.
NBA-Commissioner Adam Silver begrüßt es, wenn Profis politische Stellung beziehenBild: picture-alliance/AP Photo/J. Chiu
Allerdings gilt die NBA schon länger als die "politischste" der US-Profi-Ligen. Häufiger als in andere Sportarten haben Athleten politische Zeichen gesetzt: Der in Baltimore aufgewachsene Carmelo Anthony nahm 2012 an einem Protestmarsch teil, nachdem dort Freddy Gray von Polizisten getöteten worden war. Die L.A. Clippers verbargen 2014 ihr Vereinslogo als Protest gegen rassistische Äußerungen des damaligen Club-Eigentümers. Nach dem Tod von Eric Garner in New York trugen mehrere Spieler dessen berühmt gewordenen letzten Worte auf ihren T-Shirts: "I can't breathe". Einer von ihnen: LeBron James.
Polarisierung? Bitte nicht im Sport!
Die prominenten Fälle von Polizeigewalt hallten vor allem in Kreisen der NBA wider, wo drei von vier Profis dunkelhäutig sind. Seit knapp einem Jahr treibt noch ein weiteres Thema die Akteure der Profiligen um - vor allem in den Spitzenteams. Denn es ist seit Jahrzehnten üblich, dass die nationalen Meister im Weißen Haus empfangen werden.
Die NBA-Meister Steve Kerr (l.) und Stephen Curry (M.) 2015 bei Barack ObamaBild: picture-alliance/AP Photo/P. M Monsivais
Steve Kerr, Chef-Trainer des aktuellen NBA-Meisters aus Oakland, hat als Spieler und Trainer den letzten fünf US-Präsidenten die Hand geschüttelt. Doch unmittelbar nachdem Donald Trump am 9. November 2016 zum US-Präsidenten gewählt worden war, gab der Sohn des renommierten Nahost-Politologen Malcolm Kerr bekannt, dass er das Weiße Haus meiden würde, sollte seine Mannschaft den Titel holen. Als die Warriors sich im Juni tatsächlich im Finale gegen die Cavaliers durchsetzten, hieß es alsbald, dass eine Entscheidung darüber noch nicht getroffen sei.
An diesem Wochenende wollte die Mannschaft nun endlich über die Reise nach Washington D.C. entscheiden. Doch dann sagte Mannschaftskapitän Stephen Curry in eine Kamera, er werde mit Nein stimmen, was Donald Trump zum Anlass nahm, die Warriors auszuladen.
Der König will das amerikanische Volk einen
Die Ligaspitze blieb ihrer Ansage treu. Silver bekundete zwar sein Bedauern über die Entwicklung, betonte aber: "Ich bin stolz auf unsere Spieler, weil sie sich weiterhin zu kritischen Themen äußern." Auch den "Penner"-Tweet von LeBron James hat bisher niemand beanstandet. Die Spielergewerkschaft bestätigte: "Das Ausleben der Meinungsfreiheit - und nicht die Verachtung dieser - ist das, was Amerika wirklich großartig macht."
Dennoch wollte sich der Superstar wohl noch einmal erklären. Am Samstagabend, ein paar Stunden nach Trumps "Hurensohn"-Rede, war James wieder ganz König: Die Spaltung der Gesellschaft frustriere ihn, sagte er in einem Handyvideo auf Twitter. Es sei eine kritische Zeit, und dass Trump den Sport als Plattform nutze, um die Gesellschaft weiter zu spalten, darüber könne er in seiner Position nicht schweigen: "Es geht darum", sagte King James, "dass wir alle zusammenkommen. Wir das amerikanische Volk."