Minneapolis: Tödliche Schüsse schüren Zorn auf Trump
Veröffentlicht 25. Januar 2026Zuletzt aktualisiert 25. Januar 2026
Tödliche Schüsse in Minneapolis lassen in den Vereinigten Staaten die Wut auf die Regierung von Präsident Donald Trump weiter hochkochen. Demonstranten und die oppositionellen Demokraten sprachen von völlig überzogener Gewalt und mangelnder Transparenz bei der Aufarbeitung.
Die Eltern des Erschossenen warfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn Alex Pretti ohne legitimen Grund getötet zu haben. Sie beschuldigten die Trump-Administration, Lügen über den jüngsten Vorfall im Bundesstaat Minnesota am Samstag zu verbreiten.
Das Heimatschutzministerium in Washington stellt den Fall als Notwehr dar: Ein Beamter der US Border Patrol habe "Abwehrschüsse" auf Pretti abgegeben, der sich den Polizisten mit einer Pistole genähert und sich dann "gewaltsam" seiner Entwaffnung widersetzt habe. Der Beamte habe "um sein Leben und das Leben und die Sicherheit anderer Polizisten" gefürchtet. Das Ministerium veröffentlichte zudem ein Foto, das Prettis halbautomatische 9-Millimeter-Pistole zeigen soll.
"Er war dort, um Gewalt zu verbreiten", erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem in Washington mit Blick auf den getöteten Krankenpfleger aus Minneapolis. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, bezeichnete den nicht vorbestraften 37-Jährigen gar als "Attentäter" und "inländischen Terroristen".
Die Beamten der Border Patrol wollten einen wegen Körperverletzung gesuchten Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung festnehmen. Präsident Trump warf Kritikern vor, den Widerstand gegen solche Einsätze zu schüren. Minneapolis zählt zu den sogenannten Sanctuary Cities, die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und nur begrenzt mit den Einwanderungsbehörden der Trump-Regierung kooperieren.
Einsatzkräfte in Lebensgefahr?
Von den Geschehnissen auf offener Straße in Minneapolis kursieren im Internet mehrere Videos. Auf einem davon ist zu sehen, wie mehrere Vermummte in Einsatzkleidung eine Person gewaltsam zu Boden bringen und versuchen, diese zu fixieren. Offenkundig handelt es sich dabei um Alex Pretti. Am Ende wird er von acht Einsatzkräften umringt. Dann fallen Schüsse, dem Ton nach sind es etwa zehn. Auch als der Mann regungslos am Boden liegt, schießt mindestens einer der Vermummten weiter auf ihn.
Auf einem anderen Video wirkt es so, als sei Pretti von den Beamten eine Pistole abgenommen worden - allerdings schon vor den ersten Schüssen. Das würde die These von der angeblichen Lebensgefahr für die Einsatzkräfte infrage stellen.
"Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird", heißt es in einer Stellungnahme von Prettis Familie. Er habe lediglich versucht, eine von einem Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse gefallen seien. "Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig." Die Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.
Ein Richter erließ am Sonntag eine einstweilige Verfügung zum Schutz der Beweismittel. Den Bundesbehörden ist es dem Gerichtsdokument zufolge untersagt, Beweismittel in Zusammenhang mit der Schussabgabe unter Beteiligung von Bundesbeamten zu "zerstören oder zu verändern". Geklagt hatten die Behörden von Minnesota - sie werfen den Bundesbehörden vor, Beweismittel zurückzuhalten. Für Montag ist eine Anhörung angesetzt.
"Kampagne organisierter Brutalität"
Minnesotas Regierung und die Stadtverwaltung von Minneapolis forderten Trump auf, die mit der Umsetzung seiner radikalen Abschiebepolitik beauftragten Einsatzkräfte aus der Großstadt abzuziehen. Bürgermeister Jacob Frey bat die Nationalgarde des Bundesstaates um Hilfe, weil die Polizei "wegen der Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit durch Beamte der Einwanderungsbehörde" personelle Unterstützung benötige. Minnesotas Gouverneur Tim Walz - wie Frey ein Demokrat - kündigte an, dass der Bundesstaat die Aufklärung des Vorfalls selbst in die Hand nehmen werde, da der Trump-Regierung nicht zu trauen sei.
"Minnesotas Justiz wird das letzte Wort in dieser Sache haben. Sie muss das letzte Wort haben", sagte Walz in einer Pressekonferenz. "Diese Besetzung Minnesotas durch die Bundesregierung hat schon lange nichts mehr mit der Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen zu tun. Es ist eine Kampagne organisierter Brutalität gegen die Bevölkerung unseres Bundesstaates."
Trump reagierte darauf mit scharfen Worten: Frey und Walz würden "mit ihrer großspurigen, gefährlichen und arroganten Rhetorik zu einem Aufstand" anstacheln, schrieb der US-Präsident auf seiner Onlineplattform Truth Social.
Erst am 7. Januar hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis die 37 Jahre alte Renee Good erschossen. Auch in ihrem Fall erklärten Vertreter der Trump-Administration, der Beamte habe in Notwehr gehandelt. Zuletzt sorgte die Festnahme eines fünfjährigen Jungen durch ICE-Kräfte für Aufregung.
wa/ack (dpa, afp, rtr)
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