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Direktor der US-Einwanderungsbehörde ICE tritt zurück

17. April 2026

Seine Amtszeit stand für eine Verschärfung der Abschiebepraxis, begleitet von Protesten nach umstrittenen Einsätzen. Zuletzt sorgte der Fall einer 86-jährigen Französin in Abschiebehaft auch international für Kritik.

Der kommissarische Leiter der US-Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons
Wechsel in die Privatwirtschaft: Der kommissarische Leiter der US-Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons, hört aufBild: Michael Brochstein/ZUMA/IMAGO

Der kommissarische Direktor der US-Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons, wird Ende Mai sein Amt abgeben. Das teilte der für Innere Sicherheit zuständige Heimatschutzminister Markwayne Mullin mit. Gründe für den Schritt wurden zunächst nicht genannt.

Mullin lobte den scheidenden Behördenleiter als "herausragende Führungspersönlichkeit bei der ICE" und erklärte: "Wir wünschen ihm viel Erfolg bei seiner neuen Tätigkeit in der Privatwirtschaft." Auch aus dem Weißen Haus kam Anerkennung: Lyons sei ein amerikanischer Patriot, "der unser Land sicherer gemacht hat".

Seit wenigen Wochen im Amt: der neue US-Heimatschutzminister Markwayne MullinBild: RS/MPI/Capital Pictures/picture alliance

Lyons war erst im März 2025 von US-Präsident Donald Trump zum Interimsdirektor ernannt worden, nachdem er zuvor bereits zwei Jahrzehnte für die Behörde tätig gewesen war. Seine Amtszeit fiel in eine Phase besonders harter migrationspolitischer Maßnahmen. Trump hatte im Wahlkampf umfassende Abschiebungen angekündigt und diese mithilfe der ICE konsequent umgesetzt.

Massive Abschiebungen und wachsende Kritik

Unter Lyons intensivierte die Behörde ihre Aktivitäten deutlich. Bei einer Anhörung im Kongress berichtete er, dass im ersten Jahr der Trump-Regierung 379.000 Festnahmen erfolgt seien und mehr als 475.000 Menschen aus den USA abgeschoben wurden. Mullin betonte, Lyons habe entscheidend dazu beigetragen, "Mörder, Vergewaltiger, Pädophile, Terroristen und Bandenmitglieder aus amerikanischen Gemeinden zu entfernen".

Gleichzeitig geriet die Behörde wegen ihres Vorgehens zunehmend in die Kritik. Razzien in Städten wie Chicago und Minneapolis, bei denen teilweise vermummte Bundesbeamte eingesetzt wurden, sorgten für Empörung. Besonders nach den tödlichen Schüssen auf die US-Bürger Renee Good und Alex Pretti im Januar kam es landesweit zu Protesten gegen das Vorgehen der Behörden.

Ausschreitungen und Proteste in Minneapolis im Januar nach tödlichen Schüssen bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde und des GrenzschutzesBild: Tim Evans/REUTERS

Der ICE-Einsatz wurde daraufhin abgebrochen. Die Ereignisse verschärften die politische Debatte über die Einwanderungspolitik der Regierung erheblich.

Auch das Heimatschutzministerium selbst stand unter Druck. Die damalige Ministerin Kristi Noem geriet wiederholt in die Schlagzeilen und wurde schließlich Anfang März von Trump entlassen. Ihr Nachfolger Mullin ist erst seit wenigen Wochen im Amt und steht vor der Aufgabe, die aufgeheizte Lage zu beruhigen.

Ein Einzelfall mit internationaler Wirkung

Ein aktuelles Beispiel für die anhaltenden Kontroversen rund um die US-Einwanderungspolitik ist der Fall der 86-jährigen Französin Marie-Therese Ross. Sie saß seit dem 1. April in einem Abschiebezentrum im Bundesstaat Louisiana in Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde.

Inzwischen ist die Seniorin wieder frei. Die Frau sei am heutigen Freitag nach Frankreich zurückgekehrt. "Und wir freuen uns darüber", sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot bei einem Besuch in Montpellier.

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot setzte sich für die Freilassung der Französin ein (16.03.2026)Bild: Omar Havana/REUTERS

Zuvor hatte die französische Regierung ihre Freilassung gefordert. "Angesichts ihres Alters wollen wir wirklich, dass sie so schnell wie möglich aus dieser Situation herauskommt", sagte der französische Generalkonsul Rodolphe Sambou der Nachrichtenagentur AP. "Wir wollen sie aus dem Gefängnis herausholen."

Seniorin überzieht 90-Tage-Visum

Nach Angaben des Heimatschutzministeriums hatte sie ihr 90-Tage-Visum überzogen. Sie war im Juni 2025 in die USA eingereist und hielt sich auch sieben Monate später noch im Land auf. Die Französin war nach Alabama gezogen, um mit dem US-Veteranen William Ross zusammenzuleben, den sie bereits in den 1950er Jahren kennengelernt hatte. Damals arbeitete sie als zweisprachige Sekretärin auf einer NATO-Basis.

Nach dem Tod ihrer jeweiligen Partner fanden sie wieder zueinander und heirateten im April 2025. Ross beantragte anschließend eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Im Januar starb ihr neuer Ehemann jedoch unerwartet im Alter von 85 Jahren.

Der Fall entwickelte sich zu einem komplexen Rechtsstreit. Nach US-Recht hätte Ross Anspruch auf einen Teil des Erbes ihres Mannes gehabt, verzichtete jedoch laut Berichten darauf und wollte stattdessen nach Frankreich zurückkehren.

Eine Richterin im Bundesstaat Alabama untersagte den Angehörigen zwischenzeitlich, Vermögenswerte aus dem Haus des Verstorbenen zu entfernen, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, sie hätten Ross’ Post umgeleitet. Dadurch habe sie einen wichtigen Termin im Zusammenhang mit ihrem Aufenthaltsstatus verpasst.

86-Jährige in "Handschellen und Fußfesseln" abgeführt

Für zusätzliche Empörung sorgten Berichte über die Umstände ihrer Festnahme: Nach Angaben ihres Sohnes wurde die 86-Jährige "in Handschellen und Fußfesseln" abgeführt. Frankreichs Außenminister Barrot kritisierte in diesem Zusammenhang allgemein das Vorgehen der US-Behörden und verwies auf "Fälle von Gewalt", die Anlass zur Sorge gäben.

pgr/se (dpa, afp, New York Times, The Hill)

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