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PolitikIran

USA und Israel: Uneinig im Umgang mit dem Iran

Elina Farhadi
16. Februar 2026

Vor den neuen Verhandlungen mit dem Iran treten die Differenzen zwischen den USA und Israel klarer hervor. Washington setzt auf schrittweisen Druck für ein Abkommen. Israel will schnelle Ergebnisse.

USA Washington D.C. 2026 | Donald Trump empfängt Benjamin Netanjahu im Weißen Haus
Beste Freunde, unterschiedliche Perspektiven im Iran: US-Präsident Donald Trump empfängt den israelischen Premier Benjamin Netanjahu im Weißen Haus am 11. Februar 2026Bild: Avi Ohayon/GPO/Xinhua/picture alliance

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gelten seit Jahrzehnten als außergewöhnlich eng. Doch gerade im Umgang mit der Islamischen Republik Iran treten immer wieder strategische und taktische Differenzen zutage. Ein enger Schulterschluss der beiden Verbündeten ist aber wichtig bei den US-Verhandlungen mit dem Iran, die am Dienstag in Genf stattfinden werden. Von Seiten der USA werden der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, und Präsident Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, von Seiten des Irans der Außenminister Abbas Araghchi erwartet.

Zwar teilen die USA und Israel ein zentrales Ziel: Der Iran soll keine Atommacht werden und seinen regionalen Einfluss nicht weiter ausbauen. Doch die Interessen, der Zeithorizont und die bevorzugten Mittel beider Staaten unterscheiden sich deutlich.

Diese Differenzen sind zuletzt im Kontext der innenpolitischen Entwicklungen im Iran mit den massiven Protesten im Januar und Februar, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden, verschärfter US‑Sanktionen und intensiver diplomatischer Kontakte zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu sichtbarer geworden.

Einig bei Bedrohungswahrnehmung, Unterschiede bei Prioritäten

Sowohl die USA als auch Israel betrachten das iranische Atomprogramm, das Raketenprogramm und das von Teheran gesteuerte Netzwerk verbündeter Milizen in der Region als zentrale Sicherheitsbedrohungen. Grundsätzlich gibt es laut dem Politikanalysten Reza Talebi keinen fundamentalen Dissens, wie der Experte aus Leipzig im Gespräch mit der DW betont. Beide Länder wollen verhindern, dass der Iran zur Atommacht aufsteigt und seinen Einfluss im Nahen Osten weiter ausdehnt.

Die Unterschiede beginnen jedoch bei der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll und welche Risiken dabei in Kauf genommen werden.

Für die USA steht unter Präsident Donald Trump vor allem das Erreichen eines neuen Abkommens mit dem Iran im Vordergrund. Dieses Ziel verfolgt Washington durch eine Strategie des "maximalen Drucks", die wirtschaftliche Sanktionen mit militärischer Abschreckung kombiniert.

Unterstreichen die Bereitschaft zur Abschreckung: Der US-Sondergesandte Steve Witkoff (vorne links) und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (Mitte) besuchen den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln am 7.2.2026 im Arabischen MeerBild: Sonny Escalante/US Navy/AFP

Israel hingegen misst einem Abkommen mit Teheran deutlich weniger Bedeutung bei und zweifelt grundsätzlich an dessen Tragfähigkeit. Aus Sicht der israelischen Regierung ist nicht nur der Inhalt eines möglichen Abkommens problematisch, sondern auch die Annahme, der Iran würde sich langfristig an Vereinbarungen halten.

US‑Strategie: Druck als Mittel zur Verhandlung

Die US‑Politik gegenüber dem Iran ist laut Shokriya Bradost, Analystin für Außenpolitik und Sicherheit im Nahen Osten, klar auf ein neues Abkommen ausgerichtet. "Um Teheran an den Verhandlungstisch zu zwingen, setzt Washington auf massive wirtschaftliche Sanktionen, insbesondere den iranischen Ölverkauf", sagt die Expertin aus Washington im Gespräch mit der DW. Ziel sei es, die Einnahmequellen des Regimes systematisch auszutrocknen und ihm jede wirtschaftliche "Atempause" zu nehmen. Diese Politik soll den Iran zur Kapitulation oder zumindest zu weitreichenden Zugeständnissen bewegen, ohne einen großen regionalen Krieg auszulösen.

Militärische Mittel spielen in dieser Strategie eine unterstützende Rolle. Die Verlegung von Flugzeugträgern in den Nahen Osten und die Betonung militärischer Optionen dienen vor allem der Abschreckung. Zwar hat Donald Trump öffentlich auch über einen möglichen "Regimewechsel" spekuliert, doch laut der Expertin Bradost ist ein groß angelegter Militärschlag für Washington nur die letzte Option. Die USA lehnen langwierige Kriege und eine Besetzung des Iran ab und verfolgen ihrer Ansicht nach keinen konkreten Plan für einen erzwungenen Machtwechsel.

Israels Perspektive: Zeitdruck und umfassende Forderungen

Israel bewertet die Lage drastischer. Am Sonntag bekräftigte Netanjahu während einer Rede auf einer Konferenz in Jerusalem die israelische Position, dass jedes Abkommen mit dem Iran die Demontage der iranischen Nuklearinfrastruktur sowie die Entfernung von angereichertem Uran vorsehen müsse – und nicht nur die Begrenzung der Urananreicherung.

Israel hat außerdem erklärt, dass Irans ballistische Raketen und die Unterstützung regionaler Stellvertreter thematisiert werden müssen, wenn die USA mit den Iranern verhandeln.

"Es darf keinerlei Anreicherungskapazität geben – nicht nur um die Anreicherung zu stoppen, sondern um die Ausrüstung und die Infrastruktur zu demontieren, die es überhaupt erst ermöglichen anzureichern“, sagte er auf der jährlichen Konferenz der Präsidenten der großen amerikanisch-jüdischen Organisationen. Netanjahu fügte hinzu, er sei "skeptisch“, dass die Iraner irgendein Abkommen mit Trump einhalten würden.

Feuer und Rauch nach israelischem Angriff auf Öldepot Shahran in Teheran am 15.6.2025Bild: Stringer/Getty Images

Während Washington darauf setzt, den Druck Schritt für Schritt zu erhöhen, drängt Israel auf eine zeitnahe Entscheidung. Netanjahu befürchtet, dass ein möglicher Kurswechsel unter künftigen US‑Regierungen Irans Position wieder stärken könnte. Israel wünscht sich daher ein entschlosseneres und direkteres Eingreifen der USA, notfalls auch militärisch.

Politische und strategische Nebeninteressen

Die Differenzen sind dabei auch in einem weiteren Kontext zu sehen. Netanjahus Reisen nach Washington dienen nicht nur der Iran‑Politik, sondern auch der internationalen Imagepflege Israels. Das internationale Ansehen Israels ist laut Talebi in den USA und Europa beschädigt, "was auch die Bereitschaft Washingtons mindert, als bedingungsloser Unterstützer einer umfassenden israelischen Militäraktion gegen den Iran aufzutreten", so der Experte gegenüber der DW.

Für die USA spielt darüber hinaus die regionale und globale Stabilität eine größere Rolle. Washington muss nicht nur Israel, sondern auch europäische Verbündete, die Lage auf den Energiemärkten und das Risiko einer regionalen Eskalation im Blick behalten. Ein begrenztes Abkommen mit dem Iran kann aus US‑Sicht etwas Zeit verschaffen und größere Konflikte vermeiden, selbst wenn es nicht alle israelischen Sicherheitsbedenken ausräumt.

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