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Politik

USA vor Afghanistan-Krisengipfel unter Druck

24. August 2021

Großbritannien setzt sich für einen längeren Evakuierungseinsatz in Kabul ein. Laut Außenminister Maas können nicht alle Menschen gerettet werden. Helfer afghanischer Ortskräfte sprechen von mutwilligem Versagen.

Afghanistan I In Kabul besteigen Ortskräfte und andere Schutzbedürftige eine US-Maschine
In Kabul besteigen Ortskräfte und andere Schutzbedürftige eine US-Maschine Bild: Sgt. Samuel Ruiz/U.S. Marine Corps/AP/picture alliance

Westliche Partner bedrängen die USA, den Einsatz zur Rettung zehntausender Menschen aus Kabul über den 31. August hinaus zu verlängern. Zu den Befürwortern einer Ausweitung der Evakuierungsmission gehört auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Seine Position will der Premier nach Angaben seines Verteidigungsministers Ben Wallace beim virtuellen Krisengipfel der G7-Gruppe an diesem Dienstag deutlich machen. Schon eine Ausweitung des Einsatzes um "nur ein oder zwei Tage würde uns ein oder zwei Tage mehr Zeit geben, um Menschen zu retten", erklärte Wallace. Zu den Fürsprechern einer Verlängerung der Mission gehört auch Frankreich.

Der britische Regierungschef betonte in einer Erklärung zum G7-Treffen, die Rettung "unserer Bürger und jener Afghanen, die uns während der vergangenen 20 Jahre geholfen haben", habe nun "oberste Priorität". Die G7-Staaten müssten aber auch "die nächste Phase" in den Blick nehmen, in der es darum gehen müsse, einen "gemeinsamen Ansatz" gegenüber Afghanistan zu definieren. Großbritannien hat derzeit den Vorsitz der G7-Gruppe inne.

Afghanen fliehen vor Taliban in die USA

02:18

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Der amerikanische Präsident Joe Biden hält bisher am Abschluss des US-Truppenabzugs aus Afghanistan zum 31. August fest. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte: "Unser Fokus liegt darauf, das bis zum Ende des Monats zu schaffen."

Maas strebt zivilen Weiterbetrieb des Airports Kabul an 

Außenminister Heiko Maas geht nicht davon aus, dass tatsächlich alle Ausreiseberechtigte in den nächsten Tagen vom Flughafen Kabul aus in Sicherheit gebracht werden können. "Das gebietet die Ehrlichkeit, das zu sagen", erklärte der SPD-Minister auf Bild TV. 

Ein Flugzeug der Bundeswehr kurz nach der Landung in Usbekistans Hauptstadt Taschkent - dem Drehkreuz der Evakuierungsflüge Bild: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa/picture alliance

Die Bundesregierung eruiert deshalb noch andere Möglichkeiten. Man spreche derzeit mit den USA, der Türkei und anderen Partnern, "um einen zivilen Weiterbetrieb des Flughafens zu ermöglichen". Zudem verhandele man mit den Nachbarstaaten Afghanistans, damit diese auf dem Landweg geflüchtete Menschen aufnehmen, sagte Maas. Dafür habe man 100 Millionen Euro bereitgestellt. Die deutschen Botschaften in den Nachbarstaaten sollten den Schutzbedürftigen dann schnell und unkompliziert Visa für die Einreise nach Deutschland ausstellen. 

Darüber hinaus wird laut Maas auch mit den Taliban gesprochen. Die Islamisten hatten am Montag vor "Konsequenzen" gewarnt, falls der Evakuierungseinsatz verlängert werden sollte. Das Datum 31. August sei "eine rote Linie", sagte Taliban-Sprecher Suhail Schahin. 

Nach wie vor versuchen tausende Menschen, auf das Flughafengelände in Kabul zu gelangenBild: Sayed Khodaiberdi Sadat/AA/picture alliance

In Kabul werden die westlichen Rettungsflüge unter Hochdruck fortgesetzt. Die Lage am Flughafen ist weiter extrem angespannt. Die Bundeswehr flog nach eigenen Angaben am Montag 944 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt aus. Insgesamt wurden seit Beginn des Einsatzes etwa 3800 Menschen mit Bundeswehrmaschinen gerettet. Unter ihnen sind laut Außenminister Maas 351 deutsche Staatsbürger. Die USA brachten seit der Machtübernahme der Taliban am 14. August 48.000 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit.

se/as (afp, dpa, epd, rtr, kna, zdf) 

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