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US-Austritt aus WHO gefährdet Afrikas Gesundheitswesen

Chrispin Mwakideu
7. Februar 2026

Weniger Geld und eine schlechtere Überwachung von Krankheiten - Afrika trifft der Austritt der USA aus der WHO wahrscheinlich besonders hart. Damit steigt auch das Risiko, das lokale Epidemien zu Pandemien werden.

Eine Frau erhält eine Impfung
Impfkampagnen und andere wichtige Gesundheitsprogramme, etwa die Bekämpfung von HIV/AIDS, könnten durch den Austritt der USA aus der WHO beeinträchtigt werdenBild: Themba Hadebe/AP Photo/picture alliance

Die Vereinigten Staaten haben im Januar 2026 mit ihrem Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) große Schockwellen durch das globale Gesundheitssystem geschickt. Denn die USA sind nicht nur eines der Gründungsmitglieder der WHO, sondern traditionell auch der größte Beitragszahler, der fast 15 Prozent des Gesamtbudgets finanziert.

Der US-Austritt verursacht eine kritische Finanzierungslücke, die Afrika unverhältnismäßig stark trifft: Die Ausgaben der WHO fließen auf dem Kontinent zum großen Teil in die Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowie die Stärkung fragiler Gesundheitssysteme. So stellte die WHO etwa Malawi in den Jahren 2020 bis 2021 beispielsweise 17,6 Millionen US-Dollar (15 Millionen Euro) zur Verfügung. Aktuelle Planungen wurden  noch nicht veröffentlicht, aber viele Analysten im Bereich der Entwicklungsfinanzierung gehen hier nach dem Austritt der USA von einer Kürzung aus.

"Es ist traurig zu sehen, dass sich das Verhältnis zwischen einem der Gründer der Weltgesundheitsorganisation, nämlich den USA, und der WHO verschlechtert hat", sagt Maziko Matemba, ein malawischer Gesundheitsaktivist. "Wir wissen, dass die meisten Entwicklungsländer wie Malawi Probleme haben werden, weil wir uns bei der Stärkung des Gesundheitssektors auf das technische Fachwissen der WHO verlassen haben", so Matemba gegenüber der DW.

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03:35

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Die DW hat im WHO-Hauptsitz in Genf um eine Stellungnahme gebeten - ohne Erfolg. In einer Erklärung vom Januar hatte die WHO den Schritt der USA bedauert - als "eine Entscheidung, die sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Welt weniger sicher macht". 

Welche Krankheiten werden vom US-Austritt aus der WHO betroffen sein?

Programme zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkulose (TB) , Malaria, Polio und vernachlässigten Tropenkrankheiten sind besonders gefährdet. Länder wie Nigeria, Uganda, Kenia, Mosambik, Sambia und die Demokratische Republik Kongo (DRK) gehören zu den größten Empfängern von US-amerikanischen Finanzhilfen für die globale Gesundheitsversorgung.

Diese Länder laufen nun Gefahr, Probleme zu bekommen bei der Beschaffung von Medikamenten, Präventionskampagnen und kommunalen Gesundheitsdiensten. Experten warnen, dass selbst kurzfristige Störungen zu mehr Ansteckungen, Arzneimittelresistenzen und Rückschritten bei der Bekämpfung von HIV und TB führen können.

Finanzierungslücke wird Notfallmaßnahmen schwächen

Der Austritt der USA könnte sich auch erheblich darauf auswirken, wie Krankheiten überwacht werden. Gesundheitsexperten sagen, die Reaktion auf Gesundheitsnotfälle in Afrika könnte weniger effektiv sein. Denn die WHO spielt eine wichtige Rolle bei der Koordinierung: Ausbrüche zu erkennen, Daten auszutauschen und schnell zu reagieren. Beispiele hierfür sind Ausbrüche des Ebola- und Marburg-Virus, von Cholera und neu auftretender Atemwegserkrankungen.

Die technische Unterstützung und Finanzierung durch die USA war entscheidend dafür, diese gesundheitlichen Herausforderungen einzudämmen und zu bewältigen - etwa durch die Zusammenarbeit bei Labortests, gemeinsame externe Bewertungen der Pandemievorsorge und Notfallfinanzierungen.

Das WHO-Regionalbüro für Afrika in Brazzaville, Republik Kongo, unterstützt viele afrikanische Länder bei der Stärkung ihrer GesundheitssystemeBild: Wang Teng/Xinhua/picture alliance

Für afrikanische Länder könnte es nun bedeuten, dass Ausbrüche später erkannt werden und es weniger koordinierte internationale Unterstützung gibt. Ein solches Szenario erhöht auch das Risiko, dass lokale Epidemien zu regionalen oder globalen Krisen eskalieren.

Menschen wie Mildred Chisale, eine Sexarbeiterin in Malawis Hauptstadt Lilongwe, sorgen sich um den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten, insbesondere nachdem die Trump-Regierung auch die USAID-Programme eingestellt hat. "Ich war Mitglied einer Gruppe namens Female Sex Workers Association (FISWA), die mit USAID zusammenarbeitete, um uns Zugang zu Medikamenten wie PrEP zu ermöglichen", erzählt Chisale der DW. PrEP sind Medikamente, die Menschen, die einem HIV-Risiko ausgesetzt sind, vor einer Infektion schützen können. "Seit USAID die Finanzierung lokaler Organisationen eingestellt hat, sind wir davon betroffen", fügt sie hinzu.

Zusätzliche Belastung für überlastete Gesundheitssysteme

Über die Notfallhilfe hinaus tragen die von der WHO unterstützten Programme in Afrika zur Ausbildung von Gesundheitspersonal, zur Gesundheit von Müttern und Kindern, zu Impfkampagnen und zur Gesundheitspolitik bei. Budgetkürzungen könnten Regierungen dazu zwingen, mehr Kredite aufzunehmen und die Gesundheitskosten für Haushalte zu erhöhen. Ungleichheiten im Gesundheitswesen dürften sich verschärfen. In Ländern mit niedrigem Einkommen kann dies eine Versorgung verzögern und die Sterblichkeit erhöhen - insbesondere bei Frauen und Kindern.

Besonders Frauen und Kinder dürften unter den Budgetkürzungen für Gesundheits- und Vorsorgeprogramme leiden Bild: Xinhua/picture alliance

Darüber hinaus schwächt der Austritt aus der WHO den Einfluss der USA auf globale Gesundheitsnormen und -standards und eröffnet möglicherweise anderen Staaten - etwa China - den Raum, Prioritäten mitzugestalten.

Für Afrika könnte dies eine allmähliche Verlagerung hin zu alternativen Gebern und regionalen Gesundheitsorganisationen bedeuten, insbesondere zu den Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC). Mehr Eigenverantwortung Afrikas im Gesundheitssektor ist langfristig ein positives Ziel ist, doch der plötzlicher Übergang birgt die Gefahr von Lücken bei der Finanzierung, Koordination und technischen Kapazität.

Gesundheitspartnerschaften in Gefahr

Der Rückzug der USA ist auch ein Schlag für den Multilateralismus. Für afrikanische Regierungen, die seit langem auf vorhersehbare und stabile internationale Gesundheitspartnerschaften angewiesen sind, verstärkt der Schritt der USA die Bedenken, wie zuverlässig wichtige Geber und wie fragil globale Gesundheitsverpflichtungen sind. Außerdem bedeutet er, dass qualifizierte Gesundheitsfachkräfte ihre Arbeitsplätze verlieren werden.

"Wir, die wir beispielsweise die Arbeitsweise der WHO beobachtet haben, hören nun, seitdem die USA ausgestiegen sind, dass 40 Prozent der Belegschaft [der WHO] entlassen werden sollen", beklagt Gesundheitsaktivist Matemba. Das zeige, wie wichtig die US-Gelder für die Arbeit der WHO seien.

Zwar gibt es noch keinen bestätigten Plan für den Abbau von 40 Prozent der Belegschaft - doch hat die WHO Pläne angekündigt, diese bis Mitte 2026 um etwa 25 Prozent zu reduzieren.

Dieser Text erschien zuerst auf Englisch.

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