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Usbekistans Javokhir Sindarov erobert die Schachwelt

Holger Hank
15. April 2026

Zum ersten Mal kämpft ein Schachspieler aus Usbekistan um den WM-Titel. Der junge Großmeister Javokhir Sindarov setzt beim Kandidaten-Turnier auf Zypern Bestmarken - auch mit Unterstützung aus Deutschland.

FIDE Candidates 2026 | Javokhir Sindarov aus Usbekistan
Den WM-Titel im Visier: Großmeister Javokhir Sindarov aus UsbekistanBild: Yoav Nis/FIDE

Die Entscheidung fiel schon in der vorletzten Runde: Ein Remis gegen seinen Verfolger Anish Giri aus den Niederlanden reichte Javokhir Sindarov für den Sieg im WM-Kandidatenturnier auf Zypern.

"Jede Runde war sehr, sehr hart und die vergangene Woche war die härteste in meinem Leben", erzählte der neue Schach-Superstar nach seinem großen Erfolg: "Ich habe richtig schlecht geschlafen und bin froh, dass es vorbei ist."

Der 20-jährige Sindarov spielt jetzt Ende 2026 gegen den amtierenden indischen Schach-Weltmeister Dommaraju Gukesh um den Titel. Es wird das Duell zweier Jungstars aus den aufstrebenden Schachnationen Indien und Usbekistan.

Dominator Sindarov

Sindarov, der schon mit zwölf Jahren Großmeister wurde und seit Monaten in bestechender Form ist, dominierte das Kandidatenturnier von Beginn an. Die erste Vorentscheidung fiel schon in der vierten von 14 Runden. Sindarov konterte Fabiano Caruana aus, den US-amerikanischen Top-Favoriten und Vizeweltmeister von 2018.

Damit übernahm der Usbeke die Führung in der Tabelle und gab diese bis zum Schluss nicht mehr ab. In den ersten sechs Partien gelangen ihm sensationelle fünf Siege, das hatte noch nie hatte ein Schachspieler in einem hochklassigen Kandidaten-Turnier geschafft.

Auch unter Wasser findet er gute Züge: Javokhir Sindarov 2025 bei einem "Diving Chess"-WettbewerbBild: Esa Alexander/REUTERS

Mit Sindarov setzt sich eine Entwicklung der letzten Jahre fort: Die Top-Spieler werden immer jünger - und sie kommen nicht mehr aus den klassischen Schachnationen in Europa, sondern vor allem aus Asien. Dass nach China und Indien sich jetzt Usbekistan als Schach-Hochburg etabliert, ist keine Überraschung.

"Die jungen Talente in Usbekistan sind richtig, richtig stark" berichtete schon vor fünf Jahren der frühere usbekische Weltklassespieler Rustam Kasimjanov der Deutschen Welle. Kasimjanov, der seit vielen Jahren in der Nähe von Bonn lebt, gilt als der Auslöser des Schachbooms in dem zentralasiatischen Land und hat viele der jungen Schachstars in Usbekistan selbst trainiert. Die Rahmenbedingungen für Spitzenschach seien in seiner Heimat inzwischen sehr gut: "In Usbekistan unterstützt der Staat seit einigen Jahren den Schachsport mit substanziellen Mitteln."

Chef-Trainer aus Deutschland

Ex-Champion Kasimjanov ist nicht die einzige Verbindung Sindarovs nach Deutschland. Auch sein Chef-Trainer, der gebürtige Ukrainer Roman Vidonyak, lebt seit vielen Jahren in München und betreut Sindarov seit rund einem Jahr.

"Wir haben uns noch viel vorgenommen", verriet der Erfolgstrainer der Schach-Nachrichtenseite "Chessbase" nach dem Erfolg seines Schützlings. Jetzt wolle man auch den WM-Titel gewinnen und dann versuchen, Sindarov als dominierenden Spieler seiner Generation zu etablieren. Wie schwer das ist, erlebt gerade der amtierende Weltmeister Gukesh, der mit 19 Jahren sogar noch etwas jünger als Sindarov ist.

Weltmeister Dommaraju Gukesh: Im Winter muss er seinen Titel gegen Javokhir Sindarov verteidigen.Bild: Gregor Fischer/dpa/picture alliance

Seit seinem Titelgewinn Ende 2024 läuft bei Gukesh nicht mehr viel zusammen. In der Weltrangliste liegt er aktuell nur noch auf Platz 15. Sindarovs Chancen, im Winter Weltmeister zu werden, stehen also gar nicht schlecht. Weiterhin als bester Schachspieler gilt der Norweger Magnus Carlsen, der aber nicht mehr an den WM-Turnieren im klassischen Schach mit langer Bedenkzeit teilnimmt.

Matthias Blübaum hält gut mit

Im Schatten Sindarovs spielte auch der Deutsche Matthias Blübaum ein starkes Turnier. "Der einsame Wolf aus Lemgo", wie die Schachzeitschrift "New in Chess" titelte, hatte sich sensationell als erster Deutscher seit über 35 Jahren für das Kandidaten-Turnier qualifiziert.

Als Außenseiter riskierte Blübaum auf Zypern wenig, verteidigte sich sehr umsichtig und steuerte seine Partien Runde für Runde in den sicheren Remishafen. Selbst Shooting-Star Sindarov kam gegen den gut vorbereiten Diplom-Mathematiker nicht über zwei Unentschieden hinaus. Bis zur 13. Runde musste Blübaum nur einmal eine Niederlage quittieren.

Alles im Griff: Deutschlands WM-Kandidat Matthias BlübaumBild: Malte Ossowski/SvenSimon/picture alliance

"Es ist großartig, wie souverän Matthias Blübaum gegen die besten Spieler der Welt auftritt", freut sich Ingrid Lauterbach, die Präsidentin des Deutschen Schachbunds im Gespräch mit der Deutschen Welle. Mit Blübaum und vor allem mit dem Top-10-Spieler Vincent Keymer ist Deutschland aktuell das einzige Schachland in Europa, das mit Indien und Usbekistan halbwegs mithalten kann.

"In Usbekistan wie auch in Indien zeigt sich, was passiert, wenn mit viel Geld viel für Schach gemacht wird", berichtet die Funktionärin. Doch von einer Entwicklung wie in einigen asiatischen Ländern kann Lauterbach in Deutschland bis auf weiteres nur träumen.

So hat sich Hoffnung nicht erfüllt, mit dem Erfolg von Blübaum im Rücken einen potenten Sponsor für den notorisch klammen Schachsport in Deutschland an Land zu ziehen. Damit Blübaum wie seine Konkurrenten mit einem eigenen Trainer-Team antreten konnte, organisierten die Schach-Funktionäre am Ende sogar ein Crowdfunding über das Internet.

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