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Politik

Venezuela unter Spannung

23. Februar 2019

In Venezuela verschärft sich der Konflikt um Hilfslieferungen. Alle Versuche, mit den Lastwagen aus Kolumbien über die Grenze zu kommen, sind bislang gescheitert. Das Militär setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Politische Krise in Venezuela
Demonstranten nach einem Tränengasangriff in UrenaBild: picture-alliance/dpa/F. Llano

In der Auseinandersetzung um Hilfslieferungen aus dem Ausland hat es an Venezuelas Grenze schwere Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Gegner von Staatschef Maduro gegeben. Soldaten und Polizisten setzten auf zwei Brücken zwischen den venezolanischen Städten San Antonio del Táchira und Urena und dem kolumbianischen Nachbarort Cúcuta Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein.

Bild: AFP/J. Barreto

Vier Lastwagen mit Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung Venezuelas haben auf einer Brücke nahe Urena eine Barriere durchbrochen. Auch hier setzten Maduros Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas ein und schossen damit auf die den Konvoi zu Fuß begleitenden Menschen. Die Lastwagen passierten nur eine erste Barriere, dann wurden sie durch die Sicherheitskräfte aufgehalten.

Etwa 600 Tonnen Nahrung und Medikamente vor allem aus den USA stehen an der Grenze zu Kolumbien seit Tagen bereit. Tausende freiwillige Helfer und Anhänger des selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó wollen sie gegen den Willen von Regierung und Militärführung von der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta aus ins Land bringen.

Das Ende der Diplomatie

Maduro verkündete unterdessen den Abbruch aller politischen und diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien. Kolumbianische Botschaftsangehörige würden binnen 24 Stunden ausgewiesen. "Die Geduld ist am Ende. Ich kann nicht akzeptieren, dass von kolumbianischem Gebiet aus Angriffe auf Venezuela geführt werden", sagte der Staatschef.

Nach Angaben von Guaidó soll bereits eine erste Hilfslieferung aus dem Ausland eingetroffen sein. Eine Lieferung mit Hilfsgütern sei aus Brasilien über die Grenze nach Venezuela gelangt, teilte Guaidó im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Offiziell bestätigt ist das bisher nicht.

Der venezolanische Übergangspräsident Guaidó auf einem LKW mit Hilfslieferungen in KolumbienBild: Getty Images/AFP/G. Munoz

Wie hoch der persönliche Einsatz der Freiwilligen ist, zeigt ein Zwischenfall an der südlichen Grenze Venezuelas zu Brasilien. Zwei Zivilisten starben nach Angaben eines venezolanischen Parlamentariers, als sie in San Francisco de Yuruani Hilfsgüter über die Grenze bringen wollten und Soldaten das Feuer auf sie eröffneten.

Warnung an Maduro

Die US-Regierung warnte Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro und das Militär vor neuer Gewaltanwendung. In einer am Freitagabend (Ortszeit) verbreiteten Erklärung forderte das Weiße Haus die Soldaten auf, Hilfsgüter für das Volk ungehindert passieren zu lassen. "Die Welt sieht zu", warnten die USA. Nach dem Tod der beiden Zivilisten twitterte der Nationale Sicherheitsberater John Bolton, die Täter würden zur Rechenschaft gezogen. "Das Militär sollte Zivilisten schützen und nicht auf sie schießen."

Machtkampf an der Grenze

01:44

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Die Regierung von Staatschef Maduro hatte am Freitag große Teile der Grenze zu Kolumbien geschlossen, nachdem Oppositionsführer Juan Guaidó trotz eines Ausreiseverbots ein Benefizkonzert auf der kolumbianischen Seite der Grenze besucht hatte.

Zu dem Konzert im kolumbianischen Grenzort Cúcuta waren zehntausende Anhänger Guaidós gekommen. An der auf Initiative des britischen Milliardärs Richard Branson zustande gekommenen Veranstaltung "Venezuela Aid Live" nahmen Stars wie der durch den Hit "Despacito" bekannte Puertoricaner Luis Fonsi teil. Der Erlös soll der Bevölkerung in dem südamerikanischen Krisenstaat zugute kommen.

An der nur rund 300 Meter entfernten dreitägigen Gegenveranstaltung des Linksnationalisten Maduro auf venezolanischer Seite nahmen deutlich weniger Menschen teil. Rund 2500 Besucher kamen zu dem Konzert unter dem Motto "Hände weg von Venezuela".

Staatschef Maduro will die humanitäre Hilfe nicht ins Land lassen. Aus seiner Sicht ist sie nur ein Vorwand für eine militärische Intervention und einen Umsturz. Er verweist auf humanitäre Hilfe, die beispielsweise aus befreundeten Staaten wie Russland komme.

Maduro isoliert Venezuela

Maduro riegelt Venezuela immer weiter von seinen Nachbarn ab. Nach der Schließung des Luft- und Seeverkehrs zu den niederländischen Karibikinseln Curaçao, Aruba und Bonaire wurde auch die Grenze zu Brasilien dichtgemacht.

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Der Machtkampf in Venezuela hat sich zugespitzt, nachdem der 35 Jahre alte Guaidó sich am 23. Januar zum Gegenpräsidenten erklärt hatte. Viele westliche Staaten unterstützen den jungen Politiker, andere wie beispielsweise Russland und China lehnen einen Machtwechsel ab und stehen auf Seite der Führung in Caracas.

hf/fab (dpa/afp)

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