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HandelIran

Verdient der Iran an der Blockade der Straße von Hormus?

Nik Martin
28. März 2026

Bis zu zwei Millionen US-Dollar soll Teheran von Öltankern für eine sichere Passage durch die Straße von Hormus verlangen. Macht der Iran seine Blockade der Meerenge zu Geld?

LPG-Tanker vor Anker in der Straße von Hormus
Der Iran will die Straße von Hormus für "nicht-feindliche Schiffe" öffnenBild: Benoit Tessier/REUTERS

Schon kurz nach den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran reagierte Teheran mit einer Blockade der für die weltweite Öl- und Gasversorgung wichtigen Straße von Hormus. Seitdem schnellten die Preise an den Zapfsäulen weltweit genauso in die Höhe wie die Versicherungsprämien für Seefrachter in der Region. Medienberichten zufolge soll der Iran nun bis zu zwei Millionen US-Dollar (1,7 Millionen Euro) für jedes Schiff fordern, das die Meerenge "sicher" passieren will. 

Eine "Mautstelle" an der Straße von Hormus?

Dieser Flaschenhals, der weltweit eine zentrale Rolle spielt, weil ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasvorräte durch ihn transportiert wird, würde so von Teheran in eine Art Mautstelle mit hohen Risiken verwandelt. Vergangene Woche berichtete die "Lloyd's List", eine der ältesten und renommiertesten Fachzeitungen für die Schifffahrt weltweit, von Vermutungen, dass mindestens ein Tanker bereits eine solche Zahlung geleistet habe.

An Tankstellen weltweit schnellten die Kraftstoffpreise direkt nach Beginn der Angriffe in die HöheBild: Md Mehedi Hasan/ZUMA/picture alliance

Mehrere Vertreter des iranischen Regimes wiesen den Bericht zurück, doch im iranischen Staatsfernsehen erklärte der Parlamentsabgeordnete Aladdin Borudscherdi, solche Gebühren würden als Teil einer "neuen souveränen Ordnung" in der Meerenge erhoben; sie stellten einen Versuch dar, die iranischen Kriegskosten zu decken.

"Die Freiheit der Meere, also das Recht, ungehindert Gebiete zu durchfahren, bildet die Grundlage des internationalen Seehandels", erklärte Robert Huebert, Experte für internationale Beziehungen an der Universität von Calgary am Dienstag in einem Podcast des kanadischen Portals Energi Media. Die Erhebung einer Durchfahrtsgebühr für die Straße von Hormus würde "auf den direkten Widerstand fast aller Staaten der Welt stoßen".

Geschäft mit der Verzweiflung?

Mehr als 3200 Schiffe hängen gegenwärtig in der Nähe der Meerenge fest; Peter Sand, Chefanalyst des Branchendienstleisters Xeneta, geht nicht davon aus, dass die Gebühren helfen könnten, die Schifffahrtsstraße wieder zu öffnen. "So hoch die Gebühr auch erscheinen mag, sie spielt keine zentrale Rolle", erklärte er gegenüber der DW. "Entscheidend ist, dass es noch immer viel zu unsicher ist, die Straße zu passieren."

Die Bereitschaft großer Öl- und Gasimporteure, direkte Verhandlungen zu führen und zusätzlich zu den mittlerweile astronomischen Versicherungsprämien auch noch einen Millionenbetrag pro Schiff zu zahlen, zeigt jedoch, wie verzweifelt sich von Brennstoffen abhängige Länder mittlerweile darum bemühen, sich wenigstens minimale Liefermengen über die Meerenge zu sichern.

Über 3000 Frachtschiffe sollen im Persischen Golf festsitzenBild: REUTERS

"Manche Länder mögen bereit sein, zu zahlen", fügt Sand hinzu. "Es ist letztlich ein kleiner letzter Preis, der für eine gewisse Versorgungssicherheit zu entrichten ist."

Zahlungen an Teheran trotz Sanktionen

Laut "Lloyd's List" ist nicht klar, wie die Transaktion abgewickelt worden sein soll, denn der Iran ist weiterhin internationalen Sanktionen unterworfen, aufgrund derer Zahlungen in US-Dollar über westliche Finanzkanäle an Teheran kaum möglich sind. Indien, Pakistan, Irak, Malaysia und China sprächen direkt mit Vertretern des Iran, um die sichere Passage ihrer Schiffe zu gewährleisten, berichtete die Fachzeitung weiter.

Auch der Mediendienst Bloomberg berichtete über die Gebühr. Nicht namentlich genannten Quellen zufolge hätten mehrere Schiffe für die Durchfahrt durch die Meerenge gezahlt, die Zahlungen schienen jedoch nicht systematisch zu erfolgen.

Teheran denke darüber nach, die Gebühr als Teil eines Friedensplans mit den USA und Israel zu formalisieren, fügte eine der Quellen von Bloomberg hinzu.

"Nicht-feindliche" Schiffe sollen passieren dürfen

Am Dienstag adressierte der Iran einen Brief an die Mitgliedsstaaten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation der UN (IMO); darin wurde angekündigt, "nicht-feindlichen Schiffen" die Durchfahrt durch die Straße von Hormus in Absprache mit Teheran zu gestatten.

"Bislang hat der Iran zwischen drei und fünf Durchfahrten pro Tag genehmigt", sagt Sand. "Jetzt behauptet Teheran, für alle, die nicht Feinde des Iran sind, sei die Straße offen."

Iran-Krieg: Globale Abhängigkeit von Energie aus Nahost

07:39

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Gegenüber der DW erklärte ein Sprecher der IMO, die Organisation bemühe sich, eine "vorläufige und dringliche Maßnahme" zu ergreifen, "um die sichere Weiterfahrt der Handelsschiffe, die gegenwärtig in der Golfregion festsitzen, zu ermöglichen".

Es sei von entscheidender Bedeutung, Leben und Wohlergehen der festsitzenden Seeleute zu schützen, bevor sich die Krise weiter verschärfe. Gleichzeitig wolle man darauf hinwirken, dass Schiffe, die bereit seien, die Straße von Hormus zu passieren, dies tun könnten, ohne angegriffen zu werden.

Derweil scheint es auch bilaterale Vereinbarungen zu geben. An diesem Samstag teilte Thailands Regierungschef Anutin Charnvirakul mit, man habe sich mit Teheran auf eine sichere Durchfahrt für thailändische Öltanker geeinigt. 

Geleitschutz keine "langfristige Lösung"

US-Präsident Donald Trump drängt seine europäischen NATO-Verbündeten dazu, sich an einer zukünftigen multinationalen Marine-Mission zu beteiligen, die die Handelsschifffahrt im Persischen Golf schützen soll.

Zwar sträuben sich die europäischen Staaten größtenteils gegen eine solche Beteiligung, doch mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, haben angedeutet, dass sie bereit wären, nach einem Ende der aktiven Kampfhandlungen an Begleit- oder Aufklärungsmissionen teilzunehmen.

Die IMO betonte, dass ein Geleitschutz von Handelsschiffen schon in früheren Krisen eingesetzt worden sei, unter anderem bei den jüngsten Angriffen der vom Iran unterstützten Huthi auf Schiffe im Roten Meer, dies jedoch keine "nachhaltige oder langfristige Lösung" sei.

"Eine multilaterale Lösung wird gebraucht, um die Lage zu deeskalieren", erklärte ein Sprecher der IMO, "und es zivilen Seeleuten und Schiffen zu ermöglichen, in Sicherheit gebracht zu werden."

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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