Guterres warnt vor Attacken auf zivile Infrastruktur im Iran
Veröffentlicht 7. April 2026Zuletzt aktualisiert 7. April 2026
Angriffe auf Kraftwerke und sonstige zivile Infrastruktur verstießen gegen internationales Recht, sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, in New York. Selbst wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könnte, würde das humanitäre Völkerrecht Angriffe darauf dennoch verbieten, wenn übermäßige Schäden für Zivilisten zu erwarten seien. Es sei höchste Zeit, den Krieg zu beenden.
In der Tat treffen derartige Attacken nach Einschätzung von Fachleuten vor allem Zivilpersonen. Joseph Webster, Energieexperte beim US-Thinktank Atlantic Council, erklärte, Angriffe auf die iranische Energie- und andere Zivilinfrastruktur fügten den militärischen Fähigkeiten des Landes nur wenig Schaden zu. "Sie würden jedoch der iranischen Zivilbevölkerung erheblich schaden", zitierte ihn die Denkfabrik auf der Plattform X.
UN-Sicherheitsrat befasst sich mit Straße von Hormus
Ein Resolutionsentwurf von Bahrain zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus ist imSicherheitsrat der Vereinten Nationen gescheitert. Russland und China legten bei der Abstimmung am Dienstag im mächtigsten UN-Gremium gegen den bereits abgeschwächten Text ihr Veto ein. Der von Bahrain vorgelegte und von den USA unterstützte Resolutionsentwurf erhielt elf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.
In dem Entwurf wurden betroffene Staaten dazu aufgefordert, ihre defensiven Maßnahmen zu koordinieren, um zur Sicherheit der Schifffahrt beizutragen, wie es von Diplomaten hieß. Dafür soll der Iran seine Angriffe auf Handels- und Frachtschiffe einstellen.
Nach dem Ausbruch des von Israel und den USA am 28. Februar begonnenen Krieges hatte Teheran die Schifffahrt durch die Straße von Hormus mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen gebracht. Weil die Meerenge für den globalen Öl- und Gashandel zentral ist, gingen die Energiepreise deutlich nach oben.
"Das ganze Land könnte ausgelöscht werden"
US-Präsident Donald Trump hält unterdessen an seinem Ultimatum an den Iran fest. Die US-Armee werde die Kraftwerke und Brücken des Landes zerstören, sollte es bis Dienstagabend (US-Zeit - Mittwoch, 2.00 Uhr MESZ) keine Einigung geben, kündigte Trump am Montag auf einer Pressekonferenz am Montag in Washington an. "Das ganze Land könnte in einer Nacht ausgelöscht werden, und diese Nacht könnte morgen sein", sagte er im Weißen Haus. Sämtliche Brücken und Kraftwerke könnten "binnen vier Stunden" zerstört sein. Ein Sprecher der iranischen Militärführung wies die Äußerungen als "haltlose Drohungen" eines "wahnhaften" Präsidenten zurück.
Am Dienstag warnte Trump die Führung in Teheran erneut und drang auf eine Einigung. Sollte kein Abkommen zur Beendigung des Konflikts erzielt werden, werde "heute Nacht eine ganze Zivilisation sterben", drohte der US-Präsident. Zugleich zeigte sich US-Vizepräsident JD Vance während eines Besuchs in Ungarn zuversichtlich, dass die USA noch vor Ablauf des Ultimatums eine Antwort des Iran erhielten.
Weitere Angriffe auf den Iran
Aus dem Iran wurden derweil neue Angriffe gemeldet. Dabei wurden iranischen Medien zufolge Eisenbahn- und Straßenbrücken, ein Flughafen sowie eine petrochemische Anlage getroffen und Stromleitungen unterbrochen. In Teheran waren laute Explosionen zu hören. Laut Staatsmedien wurden nahe der Hauptstadt 18 Menschen getötet. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.
Außerdem wurde nach amerikanischen und iranischen Berichten die Insel Charg angegriffen. Sie liegt vor der Westküste des Iran. Ein großer Teil der Ölproduktion des Landes wird von dort verschifft.
Der Iran hatte zuletzt einen von Pakistan vermittelten Vorschlag für eine Feuerpause zurückgewiesen und stattdessen ein dauerhaftes Ende des Krieges gefordert. Beobachter befürchten eine dramatische Eskalation des Konflikts mit unabsehbaren Folgen, sollte es nicht in letzter Minute noch zu einer Einigung kommen.
gri/se (dpa, rtr, afp)
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