US-Iran-Gespräche in Schweizer Alpen verschoben
Veröffentlicht 18. Juni 2026Zuletzt aktualisiert 19. Juni 2026
Das Schweizer Bürgenstock Resort nahe Luzern war schon immer ein Ort für große Ereignisse. In diesem Luxushotel am Vierwaldstättersee heiratete zum Beispiel Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn. 2024 fanden hier eine internationale Ukraine-Konferenz statt.
Am Freitag (19.6.26) sollten sich hier Vertreter der USA und des Iran treffen, nachdem beide Präsidenten Donald Trump und Massud Peseschkian eine Absichtserklärung für das Ende des Iran-Kriegs unterschrieben hatten. Doch die Gespräche wurden in letzter Minute verschoben, wie das Gastgeberland Schweiz bestätigte.
Beide Parteien haben nach der vorläufigen Vereinbarung 60 Tage Zeit, Details auszuhandeln. Was schwierig werden dürfte. Im Mittelpunkt steht die Zukunft des iranischen Atomprogramms. Und die Uhr läuft.
Am Donnerstag (18.6.2026) hatte die Schweizer Regierung noch erklärt, dass die "Eröffnungsgespräche" mit den USA und dem Iran sowie den Vermittlern Pakistan und Katar weiterhin wie geplant stattfinden sollen. Das Bürgenstock Resort gehört einer katarischen Holding. Dann kam alles anders.
Trump: "Sie wollen nicht bombardiert werden"
Eigentlich sollte in der Schweiz der Grundstein für Stabilität und Frieden im Nahen Osten insgesamt gelegt werden. Die Frage, die über allem steht, lautet: Wie wird die Zukunft aussehen?
Die DW war am Mittwoch (17.6.26) bei der G7-Abschlusspressekonferenz mit Präsident Trump dabei. Er pries die Vorteile seines neuen Rahmenabkommens mit dem Iran, schilderte eine ganze Stunde lang, was er alles richtig gemacht habe. Er habe einen "Regierungswechsel" in Teheran herbeigeführt und die neue Regierung gelobt. Damit sei ein "nuklearer Holocaust" verhindert worden. Wenn der Iran keine verbindliche Einigung mit den USA erzielen könne, würde das Land "in Grund und Boden" bombardiert werden.
Auf die Frage, warum er so sicher sei, dass der Iran keine Mautgebühren in der Straße von Hormus erheben werde, antwortete er: "gesunder Menschenverstand. Sie wollen nicht bombardiert werden."
Grund zum Aufatmen?
Die Staats- und Regierungschefs der G7-Gruppe bekundeten Trump ihre nachdrückliche Unterstützung. Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete das Abkommen als "klugen Schritt" und bot an, eine französisch-britische Flotte in die Meerenge zu entsenden, um die Umsetzung zu unterstützen. Trump zeigte sich unbeeindruckt.
Rowena Binti Abdul Razak, Dozentin an der School of Oriental and African Studies in London, stimmt zu, dass die Ankündigung ein "guter Schritt" sei. "Es ist der Beginn eines - wie wir hoffen - längerfristigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran. Es wird definitiv viele Spannungen abbauen, die in der Region und darüber hinaus zugenommen haben."
Der französische Präsident Macron ist allerding nur vorsichtig optimistisch. Er stellte sich selbst zwei Fragen vor Reportern und beantwortete sie kurz: "Löst das Abkommen alle Probleme? Nein. Gibt es Risiken? Ja!"
"Wenn das Regime jetzt 300 Milliarden zur Verfügung gestellt bekommt, dann ist es nicht für den Wohlstand von Menschen im Iran, sondern eben für mehr Aggression, für mehr Militärdiktatur", kritisiert Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne), der im Iran geboren wurde. "Wenn jetzt die amerikanische Seite glaubt, man könne einfach mit dem Iran ein Abkommen vereinbaren, weil die versprochen haben, die Atombombe nicht zu bauen, dann verkennen sie, dass sie das Versprechen häufig abgegeben, aber immer wieder jede Vereinbarung unterwandert haben."
Bedenken hinsichtlich des Memorandums
Selbst ich als erfahrene Reporterin tue mich manchmal schwer, die feinen Unterschiede zwischen den diplomatischen Fachjargons zu erkennen: Vertrag und Memorandum of Understanding, Stellungnahme und "unter Drei", Abschlusserklärung und Kommuniqué.
Die wichtigste Botschaft: Es gibt keine verbindliche Einigung zwischen den USA und dem Iran. Es gibt nur eine vorläufige Absichtserklärung zur Beendigung der Kampfhandlungen und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Damit werden lediglich gute Absichten zum Ausdruck gebracht.
"Die US-Regierung hätte ein viel besseres Abkommen erzielen können. Aber gleichzeitig bestand der Wunsch, die Straße von Hormus wieder zu öffnen", sagt Miad Maleki, Senior Fellow im Iran-Programm der Foundation for the Defense of Democracies in Washington. Die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA, die sogenannte Midterms, würden bedeuten, dass die US-Regierung im Wahlkampfmodus unter Erfolgsdruck stehe.
Trump sagt, er habe "eine Mauer errichtet"
Trump hat behauptet, der Kern seines Abkommens bestehe darin, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen darf. Das hatte der Iran schon beim letzten Atomdeal mit den USA im Rahmen des "Joint Comprehensive Plan of Action" (JCPOA) versprochen. Das JCPOA war unter der Präsidentschaft von Barack Obama ausgehandelt und von der EU vermittelt worden.
Trump stand diesem Abkommen äußerst kritisch gegenüber und kündigte 2018 diesen Deal auf. "Das Obama-Abkommen war ein Weg für den Iran zur Atomwaffe. Und - nennen wir es das Trump-Abkommen - ist eine Mauer gegen eine Atomwaffe. Niemand wird da durchkommen. Wir haben eine Mauer errichtet", sagte Trump am Mittwoch.
Ob er jedoch inhaltlich mehr erreichen kann als das Modell "Sanktionserleichterungen im Austausch gegen nukleare Beschränkungen" aus Obamas Rahmenvertrag JCPOA, ist alles andere als sicher. Trump selbst warnte bereits 2020, dass der Iran "noch nie einen Krieg gewonnen, aber noch nie eine Verhandlung verloren" habe.
"Was der Iran sagt, was er tun und was er nicht tun wird, ist irrelevant. Wichtig ist das Ausmaß der Überprüfung seines Atomprogramms, das er akzeptieren wird", sagt Alan Eyre, Fellow am Middle East Institute und ehemaliger US-Verhandlungsführer für das JCPOA, gegenüber der DW. "Ich würde liebend gerne ein Atomabkommen unter der Präsidentschaft von Trump mit dem Vorgänger JCPOA vergleichen. Präsident Trump und seine Unterhändler müssten aber zuerst eines aushandeln", sagt er mit Augenzwinkern.
Die Frage bleibt, ob die neutrale Schweiz als Verhandlungsort tatsächlich Glück bringt. Zwei Jahre nach der internationalen Ukraine-Konferenz in diesem legendären Ressort wird der Krieg immer noch fortgesetzt. Kein gutes Omen.
Mitarbeit: Brent Goff und Alex Forrest Whiting
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan
Der Artikel wurde am Donnerstag (18.6.26) erstellt und am Freitag (19.6.26) mit Informationen der dpa aktualisiert.