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Versteckte Umweltkosten beim Sandabbau

28. März 2024

Heftige Stürme diesen Winter haben beliebte Strände in Norddeutschland weggespült. Doch die Beschaffung von Sand zum Küstenschutz verursacht Umweltschäden - ein weltweites Problem. Welche Lösungen gibt es?

Eine Planierraupe und ein Bagger verteilen Sand auf einem abgespüten Strand.
Durch Sturmfluten weggespülte Strände müssen jedes Jahr wieder erneuert werden Bild: Jens Büttner/dpa/picture alliance

Schwere Winterstürme trafen besonders im Dezember 2023 auch die deutsche Nordseeküste. Auf den beliebten Inseln wurden dabei viele schützende Sanddünen und Badestrände weggespült.

Die Küsten von Sylt, Borkum oder Norderney ziehen jährlich Millionen von Touristen an und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Darum sollen sie noch vor den Sommerferien wieder aufgeschüttet werden - ein umfangreicher und teurer Prozess.

Die niedersächsische Landesregierung, in deren Zuständigkeitsbereich Borkum und Norderney liegen, will dafür bis zu 700.000 Euro bereitstellen. Bei der sogenannten Strandaufspülung werden neue Langen Sand auf den abgetragenen Strand aufgebracht. 

Schadet die Wiederherstellung der Strände der Umwelt?

Der neue Sand für die Nordseestrände wird meist nicht weit transportiert. In den vergangenen Jahren kam er zum Beispiel von benachbarten Inseln oder aus dem Meer vor den Inseln. So wurden auf der Insel Sylt in den letzten 40 Jahren die Strände regelmäßig mit Sand aus dem Meeresboden aufgefüllt.

Baggerschiffe saugen dabei etwa acht Kilometer vor der Küste ein Gemisch aus Sand und Wasser vom Meeresboden auf. Dann wird dieser Sand am Strand und in vorgelagerten Riffzonen abgeladen. Das verringert die Kraft der ankommenden Wellen. 

Diese Methode ist zwar besser als die Verwendung von Sand, der vom anderen Ende der Welt herbeigeschafft wird. Doch die Entnahme vom Meeresboden hat negative Folgen für die Ökosysteme von Küsten und Flüssen: Sie kann die Unterwasserwelt zerstören und die Aufschüttung kann Nistplätze von Vögeln und anderen Tieren beeinträchtigen.

Zudem könnten Küstenerosion und Erdrutsche - die aufgrund des Klimawandels bereits jetzt schon zunehmen - auf lange Sicht noch wahrscheinlicher werden.

Wenn Sand vom Meeresboden abgetragen wird, rutscht Sand vom Ufer nach, um die Lücke zu füllen, die durch das Abtragen entsteht. Dadurch verschiebt sich der Strand weiter. Zudem ist das Aufschütten von Sand nie von Dauer, denn Wind und Wellen wirken weiter. Schon bald wird der aufgeschüttete Strand wieder weggeschwemmt und neuer Sand wird benötigt.

Um Umweltauswirkungen von Saugbaggern zu vermeiden, kann stattdessen weiter entfernt Sand aus abtransportiert und am Strand angeschüttet werden.

Städte wie Manila auf den Philippinen und Miami in den USA bauen Sand an Land ab oder baggern ihn aus Steinbrüchen, Flüssen und Seen. Dabei ist es laut Experten wichtig, Sand zu verwenden, der in seiner Zusammensetzung dem Strand entspricht, an dem er verwendet werden soll. Nur so können mögliche Verunreinigungen vermieden und Tiere und Pflanzen geschützt werden, die sich an einen bestimmten Sandtypus angepasst haben.

In Manila (Philippinen) werden Strände mit zerkleinertem Dolomitstein aus einer Mine im Landesinneren wieder aufgefüllt Bild: Joel Mataro/Pacific Press/picture alliance

Warum ist Sand eine so wichtige Ressource?

Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UNEP, ist Sand nach Wasser die am zweithäufigsten genutzte Ressource auf der Erde. Er wird nicht nur für die Wiederherstellung von Stränden benötigt. So ist Sand besonders im Bausektor sehr wichtig. Regulärer Sand -  eine natürliche Mischung aus zerkleinertem Gestein, Mineralien und anderem organischen Material - wird dort vor allem für die Herstellung von Glas und Beton gebraucht.

In großen Metropolen wie Singapur und den chinesischen Städten Hongkong und Schanghai, wo Platz knapp ist, wird Sand auch zur Aufschüttung neuer Flächen verwendet.

Ganz anders wird Sand aus Siliziumdioxid verwendet. Daraus wird Silizium hergestellt, ein wichtigen Bestandteil von Schaltkreisen und Mikrochips.

Deutschland importiert jedes Jahr viele Schiffsladungen Sand. Im Jahr 2022 waren es laut dem Portal Statista rund 1,55 Millionen Tonnen - regulärer Sand und Spezialsand. Damit gehört Deutschland zu den zehn größten Sandimporteuren der Welt, zusammen mit den Vereinigten Staaten, Belgien, den Niederlanden, Kanada und China an der Spitze.

Ohne Sand kein Beton: Der weltweite Bauboom steigert die NachfrageBild: Wang Yuguo/Xinhua News Agency/picture alliance

Gibt es Alternativen zu Sand?

Zwar gibt es auf unserer Erde riesige Sandwüsten wie die Sahara, die etwa neun Millionen Quadratkilometer groß ist. Doch ein Großteil des Wüstensandes ist für die Bauindustrie unbrauchbar. Denn der Wüstensand wird vom Wind zu winzigen Kugeln geglättet und ist damit nicht nutzbar zum Binden von Beton. Nur ungeschliffene, kantige Sandpartikel, wie etwa vom Grund von Flüssen, Seen und dem Meer eignen sich gut für Beton und andere Produkte.

Durch die wachsende Urbanisierung und Digitalisierung steigt die Nachfrage nach Sand weiter. Der weltweite Sandabbau hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht, und liegt nun nach UN-Angaben bei über 50 Milliarden Tonnen pro Jahr.

Die USA sind bei weitem der größte Exporteur und verschifften 2022 fast 6,3 Milliarden Tonnen Sand. Dies entspricht etwa 31,5 Prozent der weltweiten Ausfuhren. Aus Europa exportieren die Niederlande (12,4 Prozent), Deutschland (8,2 Prozent) und Belgien (5,9 Prozent) viel Sand.

Die gestiegene Nachfrage führt zu immer mehr illegalem Sandabbau in Ländern wie Indien, Vietnam und China , wo Umwelt- und Arbeitsgesetze oft nicht eingehalten werden. 

Was tun gegen Umweltschäden durch immer mehr Sandabbau? 

Aber selbst in genehmigten Minen in Exportländern wie den USA, Malaysia, Kanada oder den Staaten Europas kann der Abbau von Sand die Artenvielfalt beeinträchtigen und den Grundwasserspiegel stören. Außerdem kann er Erosion verstärken, Küstenland zerstören und es anfälliger für Wetterextreme machen. Zudem verschmutzt der Abbau von Sand die Gewässer und sein Transport verursacht CO2.

Doch es gibt Alternativen zum Sandabbau. So kann zum Beispiel Glas  recycelt und in winzige Partikel zermahlen werden. Der dabei entstehende Sand kann im Bausektor und zur Wiederauffüllung von Stränden verwendet werden.

Auch Flugasche - also die winzigen Asche-, Staub- und Rußpartikel, die bei der Verbrennung von Brennstoffen entstehen - kann als primäres Bindemittel für Beton verwendet werden und den Sandbedarf dabei ersetzen.

Die UN empfiehlen, Sand auf möglichst sozial- und umweltverträgliche Weise abzubauen und zu transportieren. Geschädigte Ökosysteme sollten mit "naturbasierten Lösungen" wiederhergestellt werden.

Redaktion: Jennifer Collins.

Adaption aus dem Englischen: Gero Rueter

Der Welt geht der Sand aus

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