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Politik

Weihnachtsparty setzt Boris Johnson unter Druck

8. Dezember 2021

Mitarbeiter des britischen Premiers Boris Johnson haben offensichtlich die Corona-Regeln während des Lockdowns vor einem Jahr gebrochen. Hat Johnson darüber gelogen?

England | Premierminister Boris Johnson
Bild: Matt Dunham/AP Photo/picture alliance

Sie sollen gefeiert haben, als Hunderte starben und Millionen ihre Lieben nicht sehen durften. Tage später scherzten sie vor laufender Kamera über den eklatanten Regelbruch. Ein explosives Video aus der Downing Street über eine mutmaßliche Weihnachtsfeier von Regierungsbeamten während des Corona-Lockdowns vor einem Jahr setzt den britischen Premierminister abermals gewaltig unter Druck.

Der Vorwurf lautet, dass Johnson, der demnach nicht an der Party teilnahm, über das Event gelogen hat. Im britischen Parlament schlug ihm am Mittwoch eine aufgeheizte Stimmung entgegen, Buhrufe begleiteten ihn auf dem Weg zu seinem Platz. Für Oppositionsführer Keir Starmer ist klar: Der Premier hat seinen Laden nicht mehr im Griff. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei, Ian Blackford, forderte Johnson zum Rücktritt auf.

Allegra Stratton war vor einem Jahr Johnsons Sprecherin - In einem Video wurde ihr Verhalten bloßgestelltBild: Jonathan Brady/empics/picture alliance

Nach Informationen mehrerer Medien sollen in der Downing Street 40 bis 50 Mitarbeiter im Dezember 2020 bei Wein und Häppchen gefeiert haben, es sei gewichtelt worden. Mittlerweile ist sogar von weiteren Partys in der Downing Street während des Lockdowns die Rede.

Damals galten scharfe Kontaktbeschränkungen, Partys und Versammlungen waren verboten. Die Regierung dementierte die Veranstaltung zwar nicht, betont aber seit Tagen, es seien keine Corona-Regeln verletzt worden - wie nun auch Johnson. Und das, obwohl der Sender ITV am Dienstag ein weiteres Video veröffentlichte, das ein paar Tage nach der besagten Weihnachtsparty in der Downing Street aufgezeichnet wurde.

In Downingstreet 10 soll es sogar mehrere Partys während des Lockdowns gegeben habenBild: Adrian Dennis/AFP/Getty Images

In der Hauptrolle: Johnsons damalige Sprecherin Allegra Stratton, die für eine Pressekonferenz probt. "Bei dieser fiktionalen Party hat es sich um ein Geschäftstreffen gehandelt, und es gab keine sozialen Abstandsregeln", sagte Stratton lachend. Das Echo war verheerend. ITV-Moderator Tom Bradby sagte seinem Millionenpublikum: "Sie lachen uns aus. Euch, mich, uns alle."

Weiterhin aber betont Johnson, ihm sei wiederholt versichert worden, weder habe es eine Party gegeben, noch seien Corona-Regeln gebrochen werden. Die mögliche Verantwortung schob er den Mitarbeitern zu: Sollten doch Regeln gebrochen worden sein, werde es ernste Konsequenzen geben.

Noch an diesem Mittwoch folgte der erste Rücktritt. Stratton entschuldigte sich unter Tränen für ihre Bemerkungen in dem veröffentlichten Video und stellte ihr derzeitiges Amt als Regierungssprecherin für die UN-Klimakonferenz zur Verfügung.

"Freedom Day" in der Kritik

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Oppositionsführer Starmer warf der Regierung ein "beschämendes" Verhalten vor. "Die Menschen im ganzen Land haben sich an die Regeln gehalten, auch wenn das bedeutete, von ihren Angehörigen getrennt zu sein", sagte der Vorsitzende der Labour-Partei. Sie hätten zu Recht erwartet, dass auch die Regierung die Regeln einhält.

Auch aus seinen eigenen Reihen musste sich Johnson Kritik gefallen lassen: "Das ist nicht zum Lachen", sagte der Tory-Abgeordnete Roger Gale der BBC. Johnson schulde dem Parlament eine ausführliche Erklärung. "Wenn er das Unterhaus absichtlich in die Irre führt, wäre das natürlich ein Grund zum Rücktritt."

Hinterbliebene: Das Verhalten der Politiker ist beschämend

Die Hinterbliebenen-Gruppe Covid-19 Bereaved Families for Justice zeigte sich bestürzt. Das Video zeige "das Verhalten von Leuten, die denken, sie stünden über uns". "Es gibt einfach keine Worte, um zu beschreiben, wie erschütternd und beschämend es ist, Boris Johnsons Team darüber lachen zu hören, dass sie die Regeln, die sie selbst aufgestellt haben, gebrochen haben", erklärte die Gruppe.

Johnsons Regierung ist bereits mehrfach wegen ihres Umgangs mit den Corona-Beschränkungen kritisiert worden. Im Mai musste Gesundheitsminister Matt Hancock zurücktreten, weil Fotos aufgetaucht waren, auf denen er eine Mitarbeiterin küsst. Damals galten in England noch Kontaktbeschränkungen. Davor hatte Johnsons damaliger Spitzenberater Dominic Cummings mit mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Auflagen für einen Skandal gesorgt.

uh/rb (dpa, afp, rtr)

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