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Politik

Viele Tote bei Angriffen auf Ost-Ghuta

19. Februar 2018

Bei neuen Angriffen auf das Rebellengebiet nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind mehr als 100 Zivilisten ums Leben gekommen - darunter sehr viele Frauen und Kinder. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt.

Zerstörungen in Ost-Ghuta nach einem Luftangriff am 8. Februa
Zerstörungen in Ost-Ghuta nach einem Luftangriff am 8. FebruarBild: picture alliance/AA/A. Al-Bushy

Ost-Ghuta bei Damaskus gehört zu den letzten Rebellengebieten in Syrien. Schon in den vergangenen Wochen eskalierte hier die Gewalt immer wieder. Nun wurden bei Luftangriffen und Artilleriebeschuss mindestens 100 Zivilisten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Zudem gebe es mindestens 325 Verletzte. In früheren Meldungen war noch von etwa 90 Toten die Rede. Die in Großbritannien ansässige, oppositionsnahe Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die zivilen Rettungshelfer der Weißhelme erklärten über Twitter, allein bei einem Luftangriff auf Wohngebiete in dem Ort Hamuriah seien 20 Menschen getötet worden. Die syrische Armee äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. 

Die Region Ost-Ghuta gehört in dem Bürgerkriegsland zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden die Regierungsgegner dort von islamistischen Milizen. Das Gebiet ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. 

Schüsse aus der Luft

Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Es fehlt an Nahrung und medizinischer Versorgung. "Unsere Krankenhäuser sind überfüllt mit Verwundeten, uns gehen Anästhetika und andere wichtige Medikamente aus", sagte ein Arzt, der nur seinen Vornamen Mohammed nennen wollte, der dpa. Von Flugzeugen aus werde auf alles geschossen, was sich in den Wohngebieten bewege, fügte er hinzu. Da auch Krankenwagen und Rettungskräfte unter Feuer gerieten, würden Verletzte in den Straßen und unter den Trümmern sterben. 

Aktivisten der Region meldeten Angriffe auf zahlreiche Orte. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge wurden vor allem Wohngebiete getroffen. Bilder der Weißhelme zeigten Opfer, die unter Trümmern begraben waren. Auf den Aufnahmen waren Menschen zu sehen, die verzweifelt versuchten, Überlebende aus zerstörten Häusern zu retten. 

Bereits am Vortag hatte es Angriffe auf Ost-Ghuta gegeben. Regierungsnahe syrische Medien berichteten, die Angriffe kämen in Vorbereitung einer Bodenoffensive auf Ost-Ghuta. Bereits in den vergangenen Wochen war dort die Gewalt immer wieder eskaliert. Keine der beiden Seiten konnte jedoch entscheidende Geländegewinne erzielen. Alle Versuche, eine Waffenruhe für das schwer umkämpfte Gebiet zu erreichen, waren in der Vergangenheit gescheitert. 

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hat die humanitäre Lage in Ost-Ghuta einen kritischen Punkt erreicht. Die Menschen seien in einer Situation gefangen, in der Leben langsam unmöglich werde. Hunderte Verletzte und Kranke bekämen keine lebensrettende medizinische Versorgung. Kalte Wintertemperaturen machten die Lage noch schlimmer, Öl zum Heizen gebe es kaum. 

stu/myk (afp, dpa, rtr)

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