Virenschutz aus Moskau für die Welt
3. April 2003Russische Computer-Programmierer haben in Fachkreisen mindestens einen ebenso guten Ruf wie ihre indischen Kollegen, und so manche russische Softwarefirma ist dabei, den Sprung auf die internationale Bühne zu wagen. Eine Firma hat das schon geschafft: Die Firma Kaspersky Labs (Labs steht für Laboratories) in Moskau ist ein anerkannter Spezialist für die Bekämpfung so genannter Computer-Viren. Rolf Wenkel stellt sie vor:
Die Geschichte begann 1989, noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Der junge Wissenschaftler Jewgenij Kasperskij heuerte damals bei einem Militär-Institut in Moskau an. Weniger, weil er sich für das Militär interessierte, sondern mehr, weil es da einen Computer gab. Swetlana Nowikowa, heute Pressesprecherin bei Kaspersky Labs:
"Das waren damals natürlich noch Sowjetzeiten, und er hat Glück gehabt: In dem Institut hat er den einzigen Computer bekommen, den es überhaupt in diesem Institut gab, und er war dabei, auf diesem Computer zu arbeiten..."
...als Kasperskij ziemlich bald auf seinen ersten Virus stieß. Viren waren damals noch eine seltene Sache. Heute gibt es Tausende von Viren, Würmern, Trojanischen Pferden und Spionage-Programmen, die persönliche Daten und Passwörter ausspähen, Millionen von Computern lahm legen und Milliardenschäden anrichten. So könnte man aus heutiger Sicht vermuten, Jewgenij Kasperskij sei verärgert gewesen, als er auf seinen ersten Virus stieß.
(Nowikowa) "Eigentlich nicht - es war mehr Neugier. Das passierte zum ersten Mal, dass er so einen Schädling gesehen hat. Damals gab es ganz wenige Computer."
Kasperskij fing an, Viren, die ihm seine Freunde und Bekannten brachten, zu sammeln und zu analysieren. Bald galt er in Russland als Kapazität. Nur ins Ausland fahren, zu Kongressen und Fachseminaren, das durfte er als Angehöriger eines Militär- Instituts nicht. Also beschloss er, aus seinem Hobby seinen Beruf zu machen, er kündigte und arbeitete sechs Jahre bei einer russischen Computerfirma, bevor er sich 1997 selbständig machte. Innerhalb kürzester Zeit wurde seine Firma zum Marktführer in Russland, begann die Expansion ins Ausland. Swetlana Nowikowa:
"Unsere erste gute Erfahrung im Ausland war eigentlich in Deutschland. Weil Kasperskij damals, als er in Russland schon bekannt und populär war, sein Programm nach Hamburg geschickt hat, zur Hamburger Universität, zum testen. Da gibt es ein Antiviren-Testlabor. Sein Programm wurde mit verschiedenen anderen Antiviren- Programmen getestet und war der Sieger."
Heute ist Kaspersky Labs ein international agierendes Unternehmen mit 250 Mitarbeiter, mit Büros in Cambridge in Großbritannien und im kalifornischen Silicon Valley. Kaspersky-Produkte werden in 60 Ländern vertrieben, darunter natürlich auch in Deutschland:
(Nowikowa) "Wir haben hier Partner, unser Partner-Netzwerk umfasst ca. 30 Firmen in Deutschland, die unser Produkt weiter vertreiben. Und wie haben natürlich auch hier Kunden, das sind meistens kleine, mittelständische Unternehmen, die gerne eine Antiviren-Lösung haben möchten für ihre Netzwerke."
Doch nicht alle Kaspersky-Kunden sind klein, darunter finden sich auch Namen wie France Telecom, Airbus, die BBC oder das italienische Außenministerium. Pressesprecherin Swetlana Nowikowa ist deshalb auch für die Zukunft optimistisch - wenn es denn in Russland mehr Marketing-Fachleute gäbe. Denn es ist nicht genug, geniale Software zu programmieren - man muss sie auch verkaufen.
(Nowikowa) "Zum Beispiel wir, Kaspersky Labs, sind momentan dabei, einige deutsche Spezialisten anzustellen bei uns in Moskau, die uns im Marketing und Management helfen können. Weil - die Erfahrung ist sehr wichtig. Das fehlt in Russland leider." (TS)