"Von Brüssel weit entfernt"
8. Juni 2004Belgrad, 8.6.2004, BETA, serbisch, aus Wien
Die EU zeige immer weniger Interesse für Serbien und Montenegro und der Staaten-Bund müsse immer höhere Hürden in Richtung EU überwinden, weil er fundamentale Probleme habe, die beseitigt werden sollten, sagte der Südosteuropa-Experte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, Vladimir Gligorov. "Die ehemalige Regierung von Zoran Djindjic hatte mit Sicherheit bessere Kontakte zur EU, insbesondere zu einigen Ländern. Gleiche Probleme gab es auch in seiner Zeit. In Serbien herrscht nach wie vor eine fundamentale Unklarheit über das Bürgertum und eine Unentschlossenheit über die EU-Annährung", erklärte Gligorov gegenüber Beta.
Die ersten 100 Tage der neuen serbischen Regierung unter Vojsilav Kostunica hätten keine "größeren Enttäuschungen" gebracht. Es wäre auch unrealistisch "mehr zu erwarten", fügte Gligorov hinzu. "Es gab nichts Spezielles, das man sich merken sollte." (...) "Die 100 Tage sind jedoch wenig für den Ehrgeiz der serbischen Regierung. Diese Regierung ist noch am lernen. Sie merkt langsam die Bedeutung des Haager Tribunals. Auch Kostunica sieht, dass dies nicht die letzte Priorität ist", so Gligorov. Er deutete an, dass die Regierung mit einer instabilen politischen Lage konfrontiert sei und dass sie einige Zeit brauchen werde, um sich zu stabilisieren.
Hinsichtlich der Möglichkeiten des Staatenbundes Serbien und Montenegro, eines Tages Mitglied der EU zu werden, sagte Gligorov, dass "der Bund von Brüssel weit entfernt" sei. "Zwischen Rumänien und Bulgarien einerseits und zwischen Serbien und Montenegro und Bosnien und Herzegowina anderseits gibt es große Unterschiede. Diese Länder sind vielleicht gleich arm und möglicherweise gibt es Gebiete in Bosnien und Herzegowina und in Serbien und Montenegro, wo man besser leben kann. Für eine EU-Mitgliedschaft bedeutet dies aber nichts. Die EU nimmt nicht nur reiche Länder auf, sondern nur Länder mit Systemen, die mit der EU harmonisieren. Gerade hier sind Rumänien und Bulgarien viel weiter als Serbien und Montenegro und Bosnien und Herzegowina", erklärte Gligorov. (fp)