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PanoramaGlobal

Von E.T. bis Alien: Wie wir uns Außerirdische vorstellen

Brenda Haas
3. November 2025

Niemand weiß, ob es sie wirklich gibt - auch wenn manche Menschen behaupten, sie schon getroffen zu haben. Ansonsten findet man Aliens nur in Büchern und Filmen. Mal bedrohlich, mal nett und immer faszinierend.

Bild von zwei blassen Wesen, die nebeneinander in einer Lichtung zwischen Bäumen stehen, während ein Mann mit dem Rücken zur Kamera sie ansieht.
Was sagt uns unsere Vorstellung von Außerirdischen über uns selbst?Bild: James Dittinger/Syfy/Everett Collection/picture alliance

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie den Begriff "Außerirdischer" hören? An kleine grüne Männchen in silbernen Anzügen mit Antennen auf dem Kopf? An grauhäutige Wesen mit Kugelaugen? Oder an hell erleuchtete UFOs, die am Himmel schweben? 

Für, den Sozial- und Politikwissenschaftler Christian Peters spiegelt die Entwicklung der Alien-Darstellungen in der Popkultur eine Mischung aus Augenzeugenberichten, kulturellem Diskurs und Medienberichterstattung wider.

Warum graue Haut und fliegende Untertassen?

Peters, Geschäftsführer der Bremen International Graduate School of Social Sciences, erklärt, wie die kleinen grünen Männchen der 1950er-Jahre von grauen Außerirdischen abgelöst wurden. Und die kommen übrigens auch im heutigen Emoji-Universum vor.

Dazu beigetragen habe maßgeblich der Besteller "Communion: A True Story" (1987), deutscher Titel: "Die Besucher", in dem der US-amerikanische Horrorautor Whitley Strieber seine angeblichen Begegnungen mit Außerirdischen beschreibt. Das Buch wurde 1989 mit Christopher Walken in der Hauptrolle verfilmt.

Sogar das Emoji zeigt einen grauen AußerirdischenBild: Jörg Carstensen/dpa/picture allliance

"Auf dem Cover des Buches war das mittlerweile ikonische graue Gesicht zu sehen - das Gesicht, das Menschen gesehen haben wollen, die behaupten, entführt worden zu sein oder Kontakt [mit Außerirdischen] gehabt zu haben", erklärte Peters gegenüber der DW.

Auch die Medien haben dazu beigetragen, die Vorstellung von Außerirdischen zu festigen. Im Jahr 1947 beschrieb der US-Pilot Kenneth Arnold neun glänzende Objekte, die in der Nähe des Mount Rainier im Bundesstaat Washington über den Himmel schossen: Sie hätten sich bewegt "wie Untertassen, die übers Wasser hüpfen". Die Presse beschrieb die Flugobjekte verkürzt als "untertassenförmig" - und so entstand der Begriff "fliegende Untertasse". Der Ausdruck blieb haften und prägt bis heute unser Bild von UFOs.

Gibt es Aliens?

02:51

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Seit 2023 spricht die NASA nicht mehr von Ufos, sondern vom UAP: dem unidentifizierten anomalen Phänomen. Damit bezeichnet sie jedes Objekt oder Phänomen in der Luft, im Meer oder im Weltraum, das sich einer unmittelbaren Erklärung entzieht.

Einst als Randerscheinung abgetan, haben UAPs zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ende Oktober fand in Italien das erste europäische UAP-Symposium statt, bei dem Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger zusammenkamen, um "Realität und Auswirkungen" außerirdischen Lebens zu erörtern.

Zwischen Invasoren und Sympathieträgern: Alien-Klischees

Das Fehlen eindeutiger Beweise für die Existenz außerirdischer Lebewesen hat Filmemachern die künstlerische Freiheit gegeben, Aliens ganz nach ihrer Vorstellung zu erschaffen und sie als Symbol für sich wandelnde gesellschaftliche Ängste zu nutzen.

In den 1950er-Jahren entstanden im Schatten des Kalten Krieges Filme wie "Die Körperfresser kommen" (1956), in denen Aliens weithin als kommunistische Eindringlinge interpretiert wurden. In den späten 1970er- und 1980er-Jahren thematisierten Regisseure ökologische Ängste und die Habsucht gieriger Unternehmen.

In Ridley Scotts Science-Fiction-Film "Alien"aus dem Jahr 1979 plant ein solches Unternehmen, Waffen herzustellen, die auf den biologischen Komponenten eines mörderischen Außerirdischen basieren: Das Alien allerdings jagt auf dem Raumschiff die menschlichen Mitarbeiter der Firma.

Wer war nicht gerührt, als E.T. in dem legendären Film aus dem Jahr 1982 endlich nach Hause zurückkehrte?Bild: Bruce McBroom/ZDF/dpa/picture alliance

Steven Spielbergs "E.T." (1982) rückte vom Klischee des bösartigen Alien ab und stellte den Außerirdischen als sanften Außenseiter dar. In den 1990er- Jahren suggerierte die äußerst erfolgreiche Fernsehserie "Akte X" eine Verschwörung: Mächtige Politiker verbinden sich mit Außerirdischen, die die Menschheit kolonisieren und versklaven wollen. Der Slogan der Serie, "Die Wahrheit ist da draußen", beschwor die Macht des Paranormalen herauf.

Nach den Terroranschlägen u.a. auf die Zwillingstürme des World Trade Center in Manhattan am 11. September 2001 zeigte das Remake von H. G. Wells' "Krieg der Welten" (2005) die Invasion der Erde durch Außerirdische - Vertreibung und Traumata sind vorprogrammiert.

Neuere Filme wie "Arrival" (2016) und "Nope" (2022) waren eher psychologisch angelegt und beschäftigten sich mit Trauer, Kommunikation mit den Fremden - und unserer Besessenheit nach spektakulären Ereignissen.

Während viele Science-Fiction-Filme über Außerirdische in den USA spielen, porträtierte der von Peter Jackson produzierte Film "District 9" (2009) Außerirdische als Flüchtlinge: Sie werden in Slums in Südafrika weggesperrt. Der Hindi-Film "Koi... Mil Gaya - Sternenkind" (2003) ist die Bollywood-Variante von "E.T." und thematisiert soziale Ausgrenzung und Akzeptanz anhand der Freundschaft zwischen einem Außerirdischen und einem jungen Mann, der geistig auf dem Stand eines 12-Jährigen ist.

Der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp zeigt in seinem Film "District 9", wie Außerirdische in Slums eingesperrt werdenBild: Jose Huesca/epa/dpa/picture alliance

Gleich und doch nicht gleich?

Interessanterweise gehen Außerirdische in den meisten Darstellungen oder Filmen aufrecht, haben Augen und Gliedmaßen und zeigen genug Emotionen, um von Menschen verstanden zu werden.

Die Werke von H.R. Giger inspirierten Ridley Scott zu dem furchterregenden Xenomorph in "Alien" Bild: Nick Zonna/ipa-agency/picture alliance

Die Tendenz, Aliens durch eine menschliche Brille zu sehen, zeigte sich in der "Alien"-Filmreihe deutlich in der grotesken Figur "Xenomorph" - einer Kreatur, die von H.R. Gigers surrealistischem Gemälde "Necronom IV" inspiriert wurde. "Es ist zweibeinig, es hat Augen, einen Mund, Ohren“, so Christian Peters. "Man würde nicht sagen, dass es menschlich ist, aber es ist eine Art dämonische Interpretation der irdischen Natur - das ultimative Raubtier, das wir uns vorstellen können."

​​Linsenförmige Wolken - hier über dem Jade Dragon Snow Mountain in China zu sehen - werden oft mit UFOs oder außerirdischen Aktivitäten verwechselt Bild: Wang Kunlin/dpa/picture alliance

Die "Anderen" unter uns

Das Wort "Alien" ist älter als Science-Fiction. Es stammt vom lateinischen Begriff "alenius" ab und bedeutet "fremd", "fremdartig", aber auch "feindselig".  Im angloamerikanischen Raum werden auch Menschen als Aliens bezeichnet, die dort keine Staatsbürger sind. Insbesondere im Zusammenhang mit den aktuellen Debatten über Migration und Integration ist diese Bezeichnung automatisch mit Ausgrenzung und Misstrauen verbunden

Im Jahr 2021 hatte die Biden-Regierung in den USA vorgeschlagen, "Alien" durch den weniger entmenschlichenden Begriff "Nichtstaatsbürger" zu ersetzen. Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hat jedoch im Januar dieses Jahres die Verwendung von "Alien" und "Alienage" (Fremdheit) offiziell wieder eingeführt.

Das Wort" Alien" bezieht sich in den USA auch auf Menschen, die keine Staatsbürger des Landes sindBild: Mario Tama/Getty Images

Der Sozial- und Politikwissenschaftler Peters sieht hier Parallelen zum Kolonialismus und zum Einfluss dominanter Kulturen auf andere. "Das ist die Geschichte der USA und auch vieler europäischer Gesellschaften", sagte er. "Man verteidigt kulturelle Muster und Identitäten, und Unterschiede transportieren natürlich die Idee des 'Fremden'."

Ob Außerirdische, Migranten oder andere vermeintliche Außenseiter: Vielleicht rührt das Unbehagen ihnen gegenüber nicht daher, was diese "Anderen" sind, sondern wie wenig wir wirklich über sie wissen.
 

Adaption aus dem Englischen: Suzanne Cords

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