Von Guatemala bis Panama: US-Invasionen in Lateinamerika
8. Januar 2026
In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 nahmen US-Streitkräfte den umstrittenen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores fest. Beide wurden in die USA überführt, wo Maduro wegen Drogenterrorismus angeklagt wurde.
Die nach internationalem Völkerrecht widerrechtliche US-Operation ist die jüngste in einer langen Geschichte von US-Interventionen in Lateinamerika. Washington rechtfertigt sie meist mit Gründen der regionalen Sicherheit.
Viele dieser Interventionen beruhen auf der Monroe-Doktrin - ein außenpolitisches Prinzip, dessen Ursprünge zwar im 19. Jahrhundert liegen, das die Außenpolitik der USA in den vergangenen 200 Jahren aber weiterhin beeinflusst hat.
Was ist die Monroe-Doktrin?
Die Monroe-Doktrin geht auf das Jahr 1823 zurück. Damals forderte Präsident James Monroe von den europäischen Mächten ein Ende aller Kolonialisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre.
Die Doktrin wurde 1904 von Präsident Theodore Roosevelt mit dem sogenannten Roosevelt-Zusatz erweitert. Roosevelt argumentierte, dass die USA das Recht hätten, in lateinamerikanischen Ländern zu intervenieren, um das zu verhindern, was er als "chronisches Fehlverhalten" und "Instabilität" bezeichnete.
In der 2025 veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie der USA heißt es: "Nach Jahren der Nichtbeachtung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin bekräftigen und durchsetzen, um die amerikanische Vorrangstellung in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen."
Trump bezog sich kurz nach der Festnahme Maduros durch amerikanische Streitkräfte auf diese Doktrin und sagte: "Die Monroe-Doktrin ist eine große Sache, aber wir haben sie um ein Vielfaches, um wirklich viel übertroffen. Jetzt nennt man sie die Donroe-Doktrin."
Hier sind fünf Beispiele für US-Invasionen in Lateinamerika seit dem Zweiten Weltkrieg:
Guatemala 1954: CIA unterstützt Staatsstreich
In einer der frühesten Interventionen des Kalten Krieges unterstützten die USA den Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten von Guatemala, Jacobo Árbenz. Er hatte Landreformen eingeführt, die zur Verstaatlichung von Eigentum führten, darunter auch das der US-amerikanischen United Fruit Company (heute Chiquita Brands International).
Die Eisenhower-Regierung betrachtete die Regierung von Árbenz als kommunistische Bedrohung. Der damalige US-Außenminister John Foster Dulles warf Árbenz vor, eine "kommunistische Schreckensherrschaft" zu errichten.
CIA-Agenten unterstützten eine Gruppe guatemaltekischer Exilanten und setzten Carlos Castillo Armas als Präsidenten ein. Armas machte die Landreformen rasch rückgängig.
Kuba 1961: Invasion in der Schweinebucht
Nach Fidel Castros kommunistischer Revolution im Jahr 1959 wuchs die Besorgnis der USA über Kubas Beziehungen zur Sowjetunion. Präsident Dwight D. Eisenhower entwickelte einen Plan zum Sturz des kubanischen Staatschefs, der 1961 von Präsident John F. Kennedy umgesetzt wurde.
1400 von der CIA ausgebildete kubanische Exilanten landeten in der Schweinebucht, etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Havanna entfernt. Der Plan, eine Revolution auszulösen und Castro zu stürzen, scheiterte jedoch schnell. Castro schickte rund 20.000 Soldaten an die Strände und erzwang die Kapitulation.
Das Scheitern war eine große Blamage für die USA und verschärfte die Spannungen des Kalten Krieges in der Region.
Chile 1973: Verdeckte Operationen und ein Militärputsch
Den USA war das kommunistisch regierte Kuba sowie der sowjetische Einfluss in der westlichen Hemisphäre nach wie vor ein Dorn im Auge, und so lehnten sie die sozialistische Regierung von Präsident Salvador Allende in Chile von Anfang an ab. Washington betrachtete Allendes Verstaatlichung wichtiger Industriezweige und seine engen Beziehungen zur Sowjetunion als Bedrohung für die Interessen der USA.
Obwohl die USA den Putsch nicht direkt durchführten, versuchte Washington, Chile durch diplomatischen Druck, finanzielle Restriktionen, die Finanzierung von Oppositionsgruppen und Anti-Allende-Propaganda zu destabilisieren.
Im September 1973 stürzte das chilenische Militär Allende unter der Führung von General Augusto Pinochet. Nach Allendes Selbstmord übernahm er die Macht. Der rechtsgerichtete Diktator regierte Chile 17 Jahre lang und beendete damit eine 46-jährige Geschichte demokratischer Herrschaft in Chile. Während seines Regimes verschwanden zahlreiche Oppositionelle, Folter war in den Gefängnissen an der Tagesordnung.
Grenada 1983: Operation "Urgent Fury"
Nach der Ermordung des Premierministers von Grenada, Maurice Bishop, während eines internen Staatsstreichs ordnete Präsident Ronald Reagan eine Invasion in Grenada an. Er begründete dies mit der Notwendigkeit, US-Bürger zu schützen und die Sicherheit der Region zu gewährleisten.
Die als "Operation Urgent Fury" bekannte Invasion fiel in eine Zeit, in der die USA die Beziehungen Grenadas zur Sowjetunion und zu Kuba argwöhnisch beobachteten.
Die Invasion wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen scharf kritisiert; sie stelle "eine flagrante Verletzung des Völkerrechts und der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität dieses Staates" dar, hieß es.
1989 Panama: Operation "Just Cause"
Im Dezember 1989 startete Präsident George H. W. Bush im Rahmen der Operation "Just Cause" (deutsch: "gerechter Anlass") eine großangelegte Invasion in Panama. Er entsandte rund 24.000 Soldaten, um General Manuel Noriega zu stürzen.
Noriega, einst ein Verbündeter der USA, wurde in den Vereinigten Staaten wegen Drogenhandels, Erpressung und Geldwäsche angeklagt und inhaftiert.
Nach der Invasion setzten die USA Guillermo Endara als Präsidenten ein. Im Gegensatz zu früheren Interventionen während des Kalten Krieges richtete sich die Invasion in Panama nicht gegen einen Kommunisten, sondern gegen einen ehemaligen Verbündeten.
Adaption aus dem Englischen: Suzanne Cords